Däne gewinnt mit historischem Abstand

“Killer Jonas“ schließt seinen Frieden mit Paris-Nizza

Von Jan Zesewitz

Foto zu dem Text "“Killer Jonas“ schließt seinen Frieden mit Paris-Nizza"
Muss die Konkurrenz mit dem Fernglas suchen - Jonas Vingegaard mit Paris-Nizza-Trophäe. | Foto: Cor Vos

16.03.2026  |  (rsn) – Nein, eine Kampfansage in Richtung Tadej Pogacar (UAE – Emirates – XRG) sei der Auftritt bei Paris-Nizza (2.UWT) nicht gewesen, meinte Jonas Vingegaard (Visma – Lease a Bike) im Anschluss an die Schlussetappe um Nizza. Es ginge schließlich ums Rennen fahren. Es ist gut möglich, dass Fans und Medienvertreter mehr an das nächste Duell der beiden Toprundfahrer im Juli denken als Pogacar und Vingegaard selbst. Fakt ist aber, dass der erste Auftritt des Dänen in der Saison 2026 als “pogacar-esk“ durchgehen kann.

4:23 Minuten lag er nach den acht Etappen vor dem zweitplatzierten Daniel Felipe Martínez (Red Bull – Bora – hansgrohe). Es ist der größte Abstand beim “Rennen zur Sonne“ seit 1939 – Abstände wie diese kennt man von dreiwöchigen Landesrundfahrten, aber sicher nicht von sieben- oder acht-tägigen.

“Killer Jonas hat alle zerstört“, so fasste es sein Teamkollege Victor Campenaerts nach der 5. Etappe nach Colombier-le-Vieux zusammen. Es war sein zweiter Etappensieg in Serie und an diesem Tag ließ er seine Konkurrenten schon lange vor dem letzten Anstieg stehen und fuhr 20 Kilometer als Solist ins Ziel – ungewöhnlich für den 29-Jährigen. “Als er zu Paris – Nizza kam“, erzählte Campenaerts, “war das nicht nur um Rennkilometer zu sammeln, sondern um hierher zu kommen und das Rennen auseinander zu nehmen.“

Vingegaard: “Endlich habe ich den Dreh rausbekommen“

Hinter diesen Plan kann Vingegaard einen Haken setzen. Während der zweiten Hälfte der Fernfahrt zeigte er an mehreren Stellen einen “Killer-Instinkt“, der sonst eher von seinem Rivalen erwartet würde. Bei der völlig verregneten und chaotischen 4. Etappe nach Uchon hängte er sich erfolgreich an den Red Bull-Zug an, der das Rennen vom Start weg sprengte. Auch als Juan Ayuso (Lidl – Trek) im Führungstrikot stürzte und die Gruppe somit erneut kleiner wurde, war Vingegaard vorne.

Beim Zwischensprint war er sich dann auch nicht zu schade, die fünf Profis des Raublinger Rennstalls abzusprinten, um sich sechs Bonussekunden zu sichern. Er gewann diese Etappe, die nächste mit über zwei Minuten Vorsprung und wäre am Schlusstag nicht Lenny Martínez (Bahrain Victorious) ein paar Zentimeter weiter vorne gewesen, hätte er auch einen dritten Tagessieg eingefahren. So bleibt ein historisch großer Abstand und zudem der Gewinn des Gelben, Grünen und Gepunkteten Trikots – eine wahrhaft dominante – kannibalenhafte – Vorstellung.

“Paris-Nizza ist eines der größten Rennen der Welt“, sagte der Sieger im Anschluss. “Es war ein Etappenrennen, dass ich bisher nicht gut hinbekommen habe. Endlich habe ich den Dreh rausbekommen und das macht mich sehr glücklich und stolz.“

Die Form Richtung Giro und Tour passt

Bisher war seine Beziehung zu Paris-Nizza eher von Rückschlägen geprägt. 2023 wurde er hinter Pogacar und David Gaudu Dritter, vergangenes Jahr stürzte er als Träger des Gelben Trikots und musste mit einer Gehirnerschütterung das Rennen aufgeben.

Nun kam endlich alles zusammen für den Dänen. “Die Form ist ganz in Ordnung“, sagte er. “Sie ist noch nicht auf Top-Level, aber schon sehr, sehr gut – und vor allem viel besser als sie zum gleichen Zeitpunkt im vergangenen Jahr war.“

Für Vingegaard geht der Formaufbau bei der Katalonien-Rundfahrt (2.UWT) weiter. Dort kommt es zum ersten Duell mit der Red Bull-Doppelspitze aus Remco Evenepoel und Florian Lipowitz. Der erste große Saisonhöhepunkt für den zweifachen Tour-de-France-Sieger wird dann der Giro d’Italia im Mai sein.

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