Steinhauser verteidigt Platz drei und Weiß

Lenny Martinez verhindert in Nizza totalen Vingegaard-Triumph

Von Guido Scholl

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Lenny Martinez (Bahrain Victorious) hat die Schlussetappe von Paris-Nizza gewonnen. | Foto: Cor Vos

15.03.2026  |  (rsn) - Jonas Vingegaard (Visma – Lease a Bike) hat zum ersten Mal in seiner Karriere die Fernfahrt Paris-Nizza gewonnen. Der Franzose Lenny Martinez (Bahrain Victorious) verhinderte auf der abschließenden 8. Etappe den totalen Triumph des zweimaligen Tour-de-France-Siegers, indem er Vingegaard nach 129 Kilometern rund um Nizza im Zweiersprint knapp auf Distanz hielt und seinen zweiten Paris-Nice-Tagessieg feierte. Der Däne nahm als “Trostpflaster“ aber auch noch das Bergtrikot und das Grüne Trikot mit. Sieben Sekunden hinter den beiden am letzten Anstieg des Tages enteilten Ausreißern spurtete Harold Tejada (XDS – Astana) aus einer Sechsergruppe heraus auf den dritten Platz.

Tobias Steinhauser (EF Education - EasyPost) kam als zeitgleicher Sechster ins Ziel und verteidigte damit das Weiße Trikot des besten Nachwuchsfahrers ebenso wie den dritten Gesamtrang vor dem Franzosen Kevin Vauquelin (Ineos Grenadiers), der Etappenvierter wurde. Dazwischen landete mit Steinhausers Teamkollegen Alex Baudin ein weiterer Franzose. Rang sieben ging an den Spanier Ion Izagirre (Cofidis), der wie Mathys Rondel (Tudor) – ebenfalls aus Frankreich - zur ersten Verfolgergruppe gehört hatte.

Der 24-jährige Steinhauser wehrte alle Angriffe von Ineos Grenadiers ab und zeigte sich im Ziel entsprechend hochzufrieden mit dem Rennausgang: “Ich hatte heute zum Glück einen richtig guten Tag. Es ist ein besonderes Gefühl, wenn man die Chance hat, ein Rennen wie Paris - Nizza auf dem Podium zu beenden. Da bekommt man ein paar Extra-Watt, die ich heute gebraucht habe.“ Er sei “super glücklich“, den dritten Platz verteidigt zu haben. “Im Radsport gibt es viele Höhen und Tiefen. Letztes Jahr ging es bergab, dieses Jahr geht es aber wieder bergauf. Ich versuche, das so lange es geht zu genießen“, so Steinhauser weiter.

In der Gesamtwertung lag Vingegaard am Ende um 4:23 Minuten vor Daniel Felipe Martinez (Red Bull – Bora – hansgrohe), der einen spektakulären Sturz am vorletzten Berg des Rennens überstand und noch im Ziel sichtlich Schmerzen hatte. Durch Hilfe seines Teams und die eigene couragierte Leistung rettete der Kolumbianer Rang zwei vor Steinhauser (+6:07). Der Abstand zwischen Platz eins und Platz zwei war bei Paris-Nizza seit 1952 nicht mehr so groß gewesen wie in diesem Jahr. Vauquelin beendete die Fernfahrt mit 6:24 Minuten Rückstand auf Rang vier. Fünfter wurde Lenny Martinez (+7:31).

Der Gesamtsieger räumte ein, dass er auch gerne einen dritten Etappensieg gefeiert hätte. Sein junger Begleiter sei aber sehr stark gewesen und habe den Tageserfolg verdient. “Wir hatten heute viel Spaß und sind den ganzen Tag Vollgas gefahren. Ich konnte endlich Paris-Nizza gewinnen. Es war nicht einfach für mich, aber ich bin sehr froh, hier im Gelben Trikot zu sitzen“, konstatierte der Däne. Ebenso glücklich war Lenny Martinez. “Es ist verrückt, diese letzte Etappe zu gewinnen. Die Strecke war hart, das Finale aber nicht besonders. Dass ich dann im Sprint gegen Jonas gewinnen konnte - unglaublich“, gab der der 22-Jährige zu Protokoll.

Der sieben Jahre ältere Vingegaard präsentierte sich auch am letzten Tag deutlich aggressiver als in der Vergangenheit, wodurch er das Berg- und das Punkteklassement abräumte – vor Paret-Peintre beziehungsweise Dorian Godon (Ineos Grenadiers). In der Nachwuchswertung beendete Steinhauser das “Rennen zur Sonne“ mit 17 Sekunden Vorsprung gegenüber Vauquelin. Ineos Grenadiers verteidigte Platz eins im Teamklassement mit 3:25 Minuten Vorsprung auf Red Bull – Bora – hansgrohe.

So lief die 8. Etappe von Paris-Nizza:

Gleich nach dem Start gab es die ersten Angriffe aus dem Feld, das sich zur Abwechslung mal wieder bei strahlendem Sonnenschein in Bewegung gesetzt hatte. Nach rund zehn Kilometern bildete sich eine fünfköpfige Ausreißergruppe mit Fabio Van den Bossche (Soudal - Quick-Step), Benjamin Thomas (Cofidis), Matteo Trentin (Tudor), Alexandre Delettre (TotalEnergies) und Tim Marsman (Alpecin - Premier Tech). Doch schon im Anstieg zum Col de la Porte (1. Kat.) wurde einer nach dem anderen eingesammelt.

Paret-Peintre setzte sich hier solo ab, an seine Fersen klemmte sich Marc Soler (UAE – Emirates – XRG). In dieser Phase dezimierte Visma – Lease a Bike das Feld, bis nur noch 16 Mann zusammen waren. Bruno Armirail und Victor Campenaerts machten das Tempo für ihren Kapitän Vingegaard. Der Däne sicherte sich hinter Paret-Peintre und Soler drei Bergpunkte am Col de la Porte, womit er seine Ambitionen auch in der Kletterwertung unterstrich.

53 Kilometer vor dem Ziel musste Soler den Versuch, zum Mont Ventoux-Sieger des Jahres 2025 aufzuschließen, abbrechen. Ineos Grenadiers hatte das Tempo erhöht und den Spanier eingesammelt. Sowohl Vauquelin als auch Vingegaard und Martinez hatten zu diesem Zeitpunkt drei Helfer bei sich, während Steinhauser auf zwei Teamkollegen bauen konnte. Paret-Peintre ging mit nur noch 35 Sekunden Vorsprung in die Cote de Chateuneuf-Villevieille.

Das Streckenprofil der 8. Etappe von Paris-Nizza | Foto: Veranstalter

51 Kilometer vor dem Ziel brachte Laurence Pithie (Red Bull – Bora – hansgrohe) seinen Kapitän Daniel Felipe Martinez versehentlich zu Fall. Der Kolumbianer fiel nach einer Welle des Teamkollegen über einen hohen Bordstein. Mit mehr als einer Minute Rückstand, blutendem Ellenbogen und schmerzverzerrtem Gesicht machte sich eine Vierer-Gruppe der Roten Bullen auf die Verfolgung der anderen Favoriten.

Der Ineos-Angriff auf Steinhauser im zweiten Anstieg des Tages verpuffte wiederum wirkungslos. 2000 Meter vor der Bergwertung übernahm Visma – Lease a Bike wieder die Tempoarbeit, weil Joshua Tarling (Ineos Grenadiers) nach getaner Arbeit zurückfiel. Teamkollege Carlos Rodriguez war noch an Vauquelins Seite, während Steinhauser noch Alex Baudin bei sich hatte.

Paret-Peintre gewann die Bergwertung der 1. Kategorie, die er mit 30 Sekunden Vorsprung auf die Gruppe Gelb erreichte, und damit abermals zehn Punkte, doch auch der Gesamtführende schnappte sich fünf Zähler. Damit hatte Vingegaard weiterhin sieben Punkte Vorsprung auf den Franzosen. Der wurde unter dem Tempodiktat der Visma-Equipe allerdings 23 Kilometer vor dem Ziel gestellt. Zu diesem Zeitpunkt hatte der von Pithie und Alexander Vlasov eskortierte Daniel Felipe Martinez noch 45 Sekunden Rückstand.

Vingegaard geht am letzten Berg in die Offensive

So ging es in die Cote du Linguador (1. Kategorie) hinein, wo Visma weiterhin hohes Tempo fuhr. Campenaerts lancierte im steilsten Stück dieses Anstieg den Angriff seines Kapitäns, dem nur Lenny Martinez folgen konnte. Die Kuppe, an der Vingegaard nochmals zehn Bergpunkte einsammelte, erreichte dieses Duo mit 30 Sekunden Vorsprung. Die Gruppe um Daniel Felipe Martinez lag oben 1:30 Minuten zurück.

In der Abfahrt hatte der zweimalige Tour de France-Sieger seine liebe Mühe, an seinem Begleiter dranzubleiben. Auf teils nasser Straße kassierte Vingegaard einige Sekunden Rückstand, die er aber im Flachstück wieder zufahren konnte. Steinhauser, Vauquelin, Baudin, Izagirre, Tejada und Rondel konnten das gut harmonierende Spitzenduo allerdings nicht mehr gefährden.

Auf dem letzten Kilometer begannen Vingegaard und Lenny Martinez zu pokern und der Mann in Gelb ging nicht mehr an seinem Gegner vorbei. 250 Meter vor dem Ziel eröffnete Martinez den Sprint und konnte Vingegaard um einige Reifenbreiten niederringen, was der Gesamtsieger mit einem Kopfschütteln quittierte. Tejada sicherte sich aus der ersten Verfolgergruppe heraus mit sieben Sekunden Rückstand den dritten Tagesrang.

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