--> -->

03.04.2026 | (rsn) – Bei der Suche nach dem letzten deutschen Sieg bei der Flandern-Rundfahrt muss man weit in den Radsportbüchern zurückblättern. Judith Arndt (damals Orica – AIS) konnte 2012 letztmalig dieses Radsportmonument für sich entscheiden, während bei den Männern Telekom-Profi Steffen Wesemann im Jahr 2004 gewann. Was für die Herrlichkeiten bei der kommenden 110. Austragung als wenig real erscheint, ist für die deutschen Starterrinnen hingegen greifbar – eine Top-Platzierung oder gar, wenn alle Rädchen ineinandergreifen, der Sieg. Von der Helferrolle über Außenseiterchancen bis hin zum erweiterten Favoritenkreis – RSN hat die Chancen der deutschen Profis unter die Lupe genommen.
Bei den Frauen drängen sich Franziska Koch (FDJ United – Suez) und Liane Lippert (Movistar) als heißeste Anwärterinnen auf einen Podiumsplatz auf. Auch wenn die FDJ-Frau vornehmlich ihrer Kapitänin Demi Vollering zu deren erstem Sieg bei der “Ronde“ verhelfen will, kann sie, je nach Rennverlauf, selbst den Freifahrtsschein erhalten, um eine der Protagonistinnen zu werden. Die Dritte der Strade Bianche(1.WWT) hat sich in den vergangenen beiden Jahren von einer zuverlässigen Helferin hin zur potentiellen Siegfahrerin entwickelt.
Einem Sieg bei der Flandern-Rundfahrt war Lippert 2025 schon ganz nahe und wird mit ihrer aktuellen Top-Form versuchen, Platz drei aus dem Vorjahr noch zu überbieten. Die 28-Jährige hat bewiesen, dass sie mit den Allerbesten über den finalen Paterberg kommen kann und durch bereits zwei Siege in der noch jungen Saison viel Selbstvertrauen im Gepäck. Mit Co-Kapitänin Reusser hat ihr Team eine schlagkräftige Doppelspitze am Start.
Neben Koch und Lippert finden sich im 132-köpfigen Starterinnenfeld aus deutscher Sicht noch Rosa Klöser (Canyon – SRAM – zondacrypto) und Linda Riedmann (Lotto - Intermarché). Während Gravel-Spezialistin Klöser überwiegend in Helferdienste eingespannt sein wird, steht Riedmann als Leaderin ihres neuen Teams an der Startlinie. Mit Platz 7 bei Nokere Koerse (1.Pro) hat die erst 23-Jährige gezeigt, dass sie auf einem guten Weg ist und Klassikerpotenzial in ihr schlummert.
Nach der Relegation von Michael Matthews (Jayco – AlUla) und seinem damit einhergehenden dritten Platz im Jahr 2024 hätte man Nils Politt (UAE – Emirates – XRG) sicherlich Außenseiterchancen bei diesem schweren Klassiker einräumen können. Aber seit seiner Rolle als Adjutant für Überflieger Pogacar kann der Kölner bestenfalls bei einer aussichtsreichen Gruppe “mitschwimmen“; um zu hoffen, dadurch am Ende mit viel Fortune ein Top 20 Resultat erlangen zu können.
Ein Resultat, das Max Walscheid vom Team Lidl – Trek im Jahr 2024 schon auf seiner Habenseite verbuchen konnte, als er 20. wurde. Ganz in der Rolle des Helfers für seinen Leader und Mitfavoriten Mads Pedersen ist im neuen Team aber keine vordere Platzierung für den Zwei-Meter-Mann realistisch, der ebenso wie Teamkollege Tim Torn Teutenberg alles daransetzen wird, Pedersen zum ersten Flandern-Sieg zu pilotieren.
Auch die übrigen deutschen Starter, Niklas Märkl (Picnic – PostNL), Sascha Sütterlin (Jayco – AlUla), Jonas Rutsch (Lotto - Intermarché) und Kim Heiduk (Ineos Grenadiers), alle in Helferdiensten für ihre jeweiligen Leader, haben keine echte Chance auf eine vordere Platzierung. Ganz im Gegenteil, für die Debütanten Märkl und Teutenberg wäre es sicherlich schon ein Erfolg, dieses Monument zu Ende zu fahren.