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26.04.2026 | (rsn) - Tritt Tadej Pogacar (UAE - Emirates - XRG) bei einem hügeligen Eintagesrennen an, kann man sich als Radsportmedium die Frage nach dem Favoriten sparen. Die Dominanz des Überfliegers lässt wenig Raum für Zweifel.
Bleibt das so? Immerhin machte der erst 19-Jährige Paul Seixas (Decathlon - CMA - CPGM) die Geschichte beim 112. Lüttich-Bastogne-Lüttich etwas spannender als gewohnt. An der Redoute konnte der Franzose als letzter das Hinterrad des Weltmeisters halten. Erst im letzten Anstieg gelang es Pogacar das Riesentalent abzuschütteln, um solo seinem vierten Sieg in Lüttich entgegenzujagen.
Joachim Logisch protokollierte für RSN Pogacars Sieger-Pressekonferenz.
Was ist Ihr Fazit nach diesem Frühjahr?
Pogacar: ”Ich bin wirklich stolz darauf, wie wir als Team die ganze Saison bisher gefahren sind. Ich hoffe, dass ich nach der Tour de Romandie so weitermachen kann und dann mit dieser Form in den Sommer gehe. Im Moment bin ich an einem guten Punkt und sehr zufrieden damit, wie es läuft.
Gibt es einen Unterschied zum Vorjahr?
Pogacar: ”Ich fühle mich einfach gut auf dem Rad, im Training und fühle mich wohl im Team. Mit der Zeit wächst man immer mehr hinein, je länger man mit den Teamkollegen zusammen ist. Jedes Jahr freue ich mich noch mehr darauf, mit den Jungs wieder zu den Rennen zurückzukehren. Vielleicht ist das der Unterschied zu den Jahren zuvor, sonst ist vieles gleich geblieben.
Sie haben jetzt zum dritten Mal in Folge an La Redoute attackiert, wieso immer an dieser Stelle?
Pogacar: ”Ich weiß es selbst nicht genau, es fühlt sich einfach richtig an. Es ist ein harter Anstieg, der erst nach fünf Rennstunden ansteht, da steckt bereits viel Müdigkeit in den Beinen. Das ist ein guter Punkt für mich, um anzugreifen.
Warum genau vor der Linkskurve?
Pogacar: ”Ehrlich gesagt habe ich dafür keine richtige Erklärung, ich mache das einfach nach Gefühl. Jedes Jahr ist die Situation ein bisschen anders. Benoit (Consnefroy) ist super gefahren und hat alles gegeben. Irgendwann hatte ich das Gefühl, dass er am Ende seiner Kräfte war. Da war der Moment, um loszufahren, weil es da auch schon sehr steil war.
Hat Sie der Auftritt von Paul Seixas heute überrascht?
Pogacar: ”Nein, überrascht nicht, ich war eher beeindruckt, wie gut er ist. Er hat ein wirklich eine großartige Leistung gezeigt. Für mich war es eine der härtesten La Redouts, die ich bisher gefahren bin. Er hat schon einen unglaublichen Saisonstart hingelegt, mit starken Resultaten und einer beeindruckenden Reife. Es ist schön zu sehen, wie stark er schon ist. Ich glaube nicht, dass ich bisher einen stärkeren Fahrer gesehen habe.
Sie sind dieses Jahr eine etwas andere Frühjahrskampagne als 2025 gefahren, wie ging es Ihnen damit?
Pogacar: ”Der Frühling war insgesamt sehr gut. Ich fahre nicht besonders viele Rennen, jedes einzelne bringt jedoch Erwartungen, Druck und Herausforderungen mit sich. Deshalb habe ich sehr viel trainiert und versucht, jedes Mal mit der bestmöglichen Form an den Start zu gehen. Ich denke, das ist mir gelungen. Ich habe die Zeit der Vorbereitung auf jedes Event sehr genossen. Jetzt schauen wir, wie es weitergeht, im Moment genieße ich einfach den Augenblick.
Bringt ein Fahrer wie Paul Seixas zusätzliche Motivation?
Pogacar: ”Ja, auf jeden Fall. Dass jemand mit 19 Jahren schon auf diesem Niveau fährt, motiviert alle anderen noch mehr, sich weiter zu verbessern. Normalerweise ist der Körper physisch erst zwischen 26 und 30 Jahren auf dem Höhepunkt. Deshalb wird es spannend zu sehen, wie er sich noch entwickelt. Wir werden auf jeden Fall weiter hart arbeiten und versuchen, auch in den nächsten Jahren so viel wie möglich zu gewinnen, bevor er alle zerstört (lacht). Für mich wird es definitiv jedes Jahr schwieriger. Ich werde auch nicht jünger. Es ist also nur eine Frage der Zeit. Deshalb will ich jeden Moment nutzen.
Können Sie die Situation beschreiben, als sich (kurz nach dem Start, d. Red.) der vordere Teil des Feldes absetzte?
Pogacar: ”Ich war ehrlich gesagt am Anfang etwas nervös, als die Gruppe weg war. Wir sind sofort sehr hart gefahren, um den Abstand klein zu halten. Dann haben wir uns kurz gesammelt und neu sortiert. Eigentlich ist es gar nicht so schlecht, wenn so eine große Gruppe vorne ist, weil es mit so vielen Fahrern oft schwer ist, wirklich gut zusammenzuarbeiten.
Aber mit Remco Evenepoel weiß man nie, deshalb mussten wir trotzdem richtig hart fahren. Später kam Decathlon ebenfalls mit zwei Fahrern dazu und hat geholfen. Es war ein sehr aktiver Tag, es ist viel passiert. Selbst bei vier Minuten Rückstand sind wir jedoch nicht in Panik geraten. Danach wurde der Abstand schon wieder kleiner und über Funk hörten wir, dass vorne nicht gut zusammengearbeitet wurde.
Wir hatten Vertrauen in unsere Jungs, und sie haben einen unglaublichen Job gemacht. Das ganze Team kann stolz darauf sein, wie wir gefahren sind. Mit nur drei Fahrern haben wir die Lücke recht deutlich verkleinert. Natürlich gibt es Momente, in denen man nervös wird, weil man jemanden wie Remco nicht einfach so fahren lassen kann.
Mit einer Attacke im Sitzen ließ Pogacar Seixas schließlich hinter sich | Foto: Cor Vos
Sie haben versucht, Seixas mit einer Attacke im Stehen abzuschütteln, geklappt hat es aber dann im Sitzen. Haben Sie sich darüber Gedanken gemacht?
Pogacar: ”Darüber denke ich nicht nach. Mal fährt man im Stehen, mal im Sitzen. Am Ende zählt nur, wie viel Druck man aufs Pedal bringt.
Können Sie noch etwas über Ihr Debut bei der Tour of Romandie (ab Dienstag, d. Red.) sagen?
Pogacar: ”Ich bin diese Rundfahrt noch nie gefahren und freue mich sehr darauf. Es ist eine schöne Gegend, ich kenne sie ein wenig. Ich freue mich darauf, wieder ein großes Etappenrennen zu bestreiten. Ziel ist vor allem der Übergang von den Klassikern zurück zu den Rundfahrten. Danach stehen noch Recon-Fahrten, ein bisschen Urlaub und dann die Vorbereitung auf die Tour de France an.”
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