RSNplusEvenepoels Beine im Lüttich-Finale “etwas müde“

Denk: “Wir wollten mehr, aber zwei waren besser“

Von Joachim Logisch aus Lüttich und Kevin Kempf

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Das Podium von Lüttich-Bastogne-Lüttich | Foto: Cor Vos

26.04.2026  |  (rsn) – Red Bull – Bora – hansgrohe schließt die Ardennenwoche mit Platz drei bei Lüttich-Bastogne-Lüttich (1.UWT) ab. Verantwortlich dafür war Remco Evenepoel, der nach der Flandern-Rundfahrt (1.UWT) zum zweiten Mal in dieser Saison bei einem Monument auf dem Podium stand und mit dem Amstel Gold Race (1.UWT) auch ein WorldTour-Rennen in den Ardennen für sich entschieden hat. 

Der Sieg in Lüttich war ebenfalls angestrebt und schien möglich, denn zeitweise lag der Belgier mit 52 anderen Fahrern fast vier Minuten vor dem Feld mit Tadej Pogacar (UAE – Emirates – XRG) und Paul Seixas (Decathlon – CMA CGM).

“Wir sind einfach extrem schnell vom Start losgefahren und irgendwer hat dann gemeint, er müsste nicht hinterherfahren. Dann war halt ein Loch im Feld. Der Fight für die Gruppe war aber immer noch in vollem Gange, dementsprechend schnell war es dann auch“, kommentierte Nico Denz gegenüber RSN die Szene kurz nach dem Start des Rennens. Der Deutsche war der einzige Teamkollege von Evenepoel, der es in die große Gruppe geschafft hatte. Dass laut Tobias Johannessen (Uno-X Mobility) und Maximilian Schachmann (Soudal – Quick-Step) ein Sturz das Feld geteilt hatte, war Denz entgangen.

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Der 32-Jährige leistete danach aber ganze Arbeit. Die Gruppe lief zunächst rund und behauptete rund 20 Kilometer lang rund 30 Sekunden Vorsprung, ehe die Schwere dann deutlich aufging, weil das Feld die Jagd zwischenzeitlich aufgegeben hatte. “Auf dem Hinweg nach Bastogne war die Motivation von anderen Teams noch ein bisschen größer“, deutete Denz im Gespräch an, dass nach dem Wendepunkt weniger gut zusammengearbeitet wurde. “Ich habe leider nicht ganz verstanden, warum man da nicht ein bisschen mehr investiert hat, weil es war ja eigentlich nur Remco als großer Favorit vorne“, fügte er an.

Nico Denz führt die Ausreißergruppe an. | Foto: Cor Vos

Doch vielleicht war genau das das Problem, denn von den 51 Fahrern der anderen Teams konnte sich keiner Hoffnungen auf den Sieg machen, solange Evenepoel dabei war. Allerdings hätten sich die Aussichten im Falle eines Zusammenschlusses nicht verändert. “Ich hätte erwartet, dass einigen diese Situation passt. Trotzdem war das wohl irgendwie nicht so“, resümierte Denz. “Von Bastogne an waren wir nachher noch zu dritt, die gefahren sind. Ich bin so hart und so schnell gefahren, wie ich konnte. Der Berg bei La Roche-en-Ardenne war dann leider 500 Meter zu lang für mich.“

Hinten hatte sich inzwischen UAE – Emirates – XRG formiert – und die beste Mannschaft der Welt fuhr die Lücke nach rund 175 Kilometern zu. Das Rennen konnte von vorn beginnen – und das tat es an der Redoute 34 Kilometer vor dem Ziel. Nach nur wenigen ansteigenden Metern dort war klar, dass Evenepoel nicht mehr die nötigen Reserven hatte: “Ich war eigentlich ganz gut positioniert, aber die Beine waren schon etwas müde. Schon am Fuß der Steigung ging es mir zu schnell. Ich blieb aber ruhig und habe gehofft, dass ich noch irgendwie aufs Podium komme“, sagte der Belgier im Ziel-Interview.

Auf dem gedrehten und gewendeten Papier waren zwei stärker

Pogacar dagegen stürmte kurz danach mit Seixas zu einer neuen Rekordzeit an der Redoute und ließ alle Konkurrenten weit hinter sich. In der Verfolgergruppe konnte sich Evenepoel halten – und mit ihm Jai Hindley. Der Olympiasieger selbst sorgte wenig später für das Tempo. “Es wurde viel auf mich geachtet, aber ich habe eigentlich die Karte Jai Hindley gespielt“, erklärte Evenepoel.

Mit einem starken Sprint sicherte sich Evenepoel Platz drei. | Foto: Cor Vos

Der Australier versuchte sich auf einem Terrain, das ihm nicht sonderlich liegt, dann sogar davonzustehlen. Lange dauerte der Versuch nicht und so kamen 22 Profis zusammen auf die Zielgerade. Evenepoel setzte früh zum Sprint an und zeigte auf beeindruckende Weise allen Konkurrenten sein Hinterrad. “Der dritte Platz ist schön für die Mannschaft, ich muss zufrieden sein“, bilanzierte er letztendlich.

Auch Teamchef Ralph Denk schlug am RSN-Mikrofon in eine ähnliche Kerbe: “Wir wollten mehr, aber es waren zwei besser. Das muss man neidlos anerkennen, da muss man gratulieren, somit bleibt nur Platz drei für uns. Das war das Beste, was wir heute hier draus hätten machen können.“, bilanzierte er. “Wir hätten das Blatt drehen und wenden und wenden und drehen können, es hätte sich nichts geändert“, meinte er weiter. 

Durch den ungeplanten Angriff zu Beginn des Rennens hatte Red Bull das Blatt am Sonntag ganz sicher gedreht und gewendet.

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