Stürze, Neutralisation und Vingegaard-Attacke

Silva schlägt auf zweitlängster Giro-Etappe Stork im Sprint

Von Kevin Kempf

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Guillermo Thomas Silva (XDS -Astana, li.) hat die 2. Giro-Etappe vor Florian Stork (Tudor, re.) gewonnen. | Foto: Cor Vos

09.05.2026  |  (rsn) – Das zweitlängste Teilstück des 109. Giro d’Italia (2.UWT) von Burgas nach Veliko Tarnovo über 221 Kilometer endete nach überwiegend ereignisarmen Verlauf auf den letzten 25 Kilometern im Chaos. Wegen eines Massensturzes musste das Rennen neutralisiert werden, nach dem Neustart griff am letzten Berg Jonas Vingegaard (Visma – Lease a Bike) mit Giulio Pellizzari (Red Bull – Bora – hansgrohe) und Lennert Van Eetvelt (Lotto – Intermarché) am Hinterrad an. Als das Trio auf dem letzten Kilometer gestellt wurde, kam es zum Sprint einer rund 30-köpfigen Gruppe.

Dabei setzte sich der Uruguayer Guillermo Silva (XDS – Astana) knapp vor dem deutschen Tudor-Profi Florian Stork durch. Auf dem dritten Rang beendete der Italiener Giulio Ciccone (Lidl – Trek) das Rennen vor seinen Landsleuten Christian Scaroni (XDS – Astana) und Pellizzari. Mit dem größten Erfolg seiner Karriere übernahm der 24-jährige Silva außerdem das Rosa Trikot von Auftaktsieger Paul Magnier (Soudal – Quick-Step).

Silva ist sowohl der erste Uruguayer, der eine Giro-Etappe gewann, als auch der erste im Rosa Trikot. “Es war ehrlich gesagt ein unerwarteter Sieg hier bei meinem ersten Giro d’Italia. Ich bin sprachlos. Ich wusste, dass meine Form gut ist, aber es ist immer schwer, eine Etappe in einer Grand Tour zu gewinnen“, so der zweimalige Meister seines Landes, der 2025 bei seiner ersten dreiwöchigen Rundfahrt Achter einer Vuelta-Etappe wurde. Vor drei Wochen bestritt der XDS-Profi sein bisher letztes Rennen, die Tour of Hainan (2.Pro), wo er zwei Etappen und die Gesamtwertung für sich entschied.

Stork wie im Vorjahr knapp am Etappensieg vorbei

Schon dort zeigte Silva – nicht zum ersten Mal - gute Kletter- und Sprintqualitäten. Die halfen ihm auch bei seinem Giro-Triumph. “Im Finale war es auch Glück. Aber wir hatten ein starkes Team. Scaroni war sehr aktiv und mein Job war es, einfach ruhig zu bleiben und auf meinen Sprint auf den letzten Metern zu warten“, sagte er im Ziel-Interview über das Finale.

Glück hatte er allerdings, dass das Spitzentrio auf den letzten 1500 Metern zu pokern begann. “Ich war nicht sicher, ob wir Vingegaard noch einholen, aber Scaroni hat ein sehr hartes Tempo angeschlagen“, lobte er seinen Helfer, der ihm noch den Sprint anzog und selbst Vierter wurde.

Nur knapp verpasste dagegen der 29-jährige Stork den bisher größten Erfolg seiner Karriere. “Ich bin schon einmal Zweiter geworden beim Giro (2025, 15. Etappe, d. Red.). Aber heute ist auch ein bisschen Enttäuschung dabei, weil es nicht nur um die Etappe ging, sondern auch um das Rosa Trikot. Das wäre ein großes Ding gewesen, aber es ist ja erst der zweite Tag“, zog der Etappenzweite gegenüber Eurosport ein letztlich doch positives Fazit.

Doch im Ziel galt die Aufmerksamkeit vor allem den gestürzten Fahrern. Am schlimmsten hatte es dabei UAE – Emirates – XRG erwischt. Adam Yates war der Erste, der in einer Kurve auf regennasser Fahrbahn wegrutschte und gegen die Leitplanke prallte. Der Brite riss zahlreiche andere Fahrer mit sich mit, direkt hinter ihm kamen auch seine Teamkollegen Jay Vine und Marc Soler zu Fall. Für den Australier und den Spanier war das Rennen beendet, beide wurden im Krankenwagen abtransportiert.

UAE - Emirates beklagt vier verletzte Fahrer

Yates selber zog sich heftig blutende Gesichtsverletzungen zu und erreichte das Ziel 13:46 Minuten nach dem Sieger. Mit Antonio Morgado war ein weiterer UAE-Profi zu Boden gegangen. Der Portugiese büßte sieben Minuten. Vom besten Team der Welt erreichte nur Jan Christen das Ziel mit der Spitzengruppe. Der Schweizer schloss als erster im Finale die Lücke zum Spitzentrio, um schließlich Achter zu werden.

Zu den 34 Fahrern der ersten Gruppe gehörte noch ein weiterer Deutsche. Felix Engelhardt (Jayco – AlUla) überquerte den Zielstrich auf Rang 18.

Das Gesamtklassement führt Silva nun vier Sekunden vor Stork und dem zeitgleichen Egan Bernal (Netcompany – Ineos Grenadiers) an. Das Weiße Trikot übernahm der Uruguayer von Margado. Der Spanier Diego Pablo Sevilla (Polti – VisitMalta) baute seinen Vorsprung im Kampf um das Bergtrikot weiter aus. Magnier verteidigte die Führung in der Punktewertung, Movistar rückte an die Spitze der Teamwertung vor.

So lief die 2. Etappe des Giro d’Italia:

Sevilla setzte bei der Verteidigung seines Bergtrikots voll auf Angriff und löste sich wie zum Auftakt direkt nach dem Start, diesmal mit seinem italienischen Teamkollegen Mirco Maestri, der auch schon beim Giro und anderen Rennen viele Ausreißer-Kilometer sammeln konnte. Dem Duo wurde ein maximal sechs Minuten großer Vorsprung gegönnt.

Der Mann im Blauen Trikot sicherte sich am Byala Pass (3.Kat.) und am kurz darauf folgenden Vratnik Pass (3.Kat.) jeweils neun Bergpunkte. Am letztere, 90 Kilometer vor dem Ziel, lag das Duo noch zwei Minuten vor dem Feld, das allerdings auf der durch den einsetzenden Regen nassen Abfahrt Vorsicht walten ließ und so wieder Boden verlor. In der Ebene wurde der Abstand vor allem von Ryan Mullen (NSN) erneut auf zwei Minuten reduziert.

Das Streckenprofil der 2. Etappe des Giro d‘Italia | Foto: Veranstalter

Als das Tempo im Peloton angezogen wurde, schmolz der Abstand schnell zusammen und 27 Kilometer vor dem Ziel war es um das Polti-Duo geschehen. Vier Kilometer später schreckte ein schlimmer Massensturz das Feld auf. Rund 30 Fahrer gingen in einer regennassen Abfahrt zu Boden, die meisten davon konnten das Rennen schnell fortsetzen, Vine, Soler und der Norweger Adne Holter (Uno-X Mobility) aber mussten in Krankenwagen abtransportiert werden.

Das Rennen wurde neutralisiert und nach fünf Kilometern direkt vor dem Red Bull Sprint erneut gestartet. Bernal und Netcompany - Ineos Grenadiers waren hellwach und der Kolumbianer sicherte sich mit noch 15 zu fahrenden Kilometern sechs Bonussekunden, sein Teamkollege Thymen Arensman holte sich derer vier.

Erneut sorgt ein Massensturz für Chaos

Am folgenden Berg schlug Visma – Lease a Bike durch Davide Piganzoli ein Tempo an, das unter anderem für Magnier zu hoch war. Elf Kilometer vor dem Ziel attackierte Vingegaard, nur Pellizzari und Van Eetvelt konnten mit Mühe folgen, kurz darauf erreichte das Trio die letzte Bergwertung des Tages.

Anschließend baute es vor allem dank Vingegaard seinen Vorsprung auf bis zu 20 Sekunden aus, doch an einem letzten steilen Stich kurz vor dem Teufelslappen begann man zu taktieren. Jan Christen, zuvor noch am letzte Berg abgehängt, schaffte den Anschluss und kurz danach jagte auch die rund 30-köpfige Verfolgergruppe heran, so dass es zur Sprintentscheidung kam.

Scaroni lancierte dabei seinen Teamkollegen Silva, Stork kam links vom Uruguayer stark auf, am Ende fehlten dem Deutschen aber rund 20 Zentimeter zum größten Erfolg seiner Karriere.

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