“Sie wollten mich nicht in der Gruppe haben“

Als Pellizzari schwächelte, schmolz Ciccones Siegchance dahin

Von Paul Grosch

Foto zu dem Text "Als Pellizzari schwächelte, schmolz Ciccones Siegchance dahin"
Giulio Ciccones Bemühungen blieben unbelohnt. | Foto: Cor Vos

17.05.2026  |  (rsn) – Es will bisher einfach nicht klappen mit einem Etappensieg beim diesjährigen Giro d’Italia für Giulio Ciccone (Lidl – Trek). Auf der 9. Etappe hinauf zum Corno alle Scalle sah es lange so aus, als könnte der Italiener endlich als Ausreißer gewinnen. Doch nach Attacken der Klassementfahrer fuhr Jonas Vingegaard (Visma - Lease a Bike) zu seinem zweiten Etappensieg.

Unterwegs hatte Ciccone alles probiert, um sich absetzen zu können. Doch erst nach mehr als 100 Kilometern konnte er sich aus dem Hauptfeld lösen und zur Spitzengruppe aufschließen, die er im Schlussanstieg hinter sich ließ. Aber 1,8 Kilometer vor dem Ziel wurde der Solist von Vingegaard und Felix Gall (Decathlon - CMA CGM) überholt. Am Ende wurde er mit fast einer Minute Rückstand Elfter.

Ciccone: “Decathlon wollte mich nicht in der Gruppe haben“

Im Interview mit Eurosport im Ziel sah er sich erneut als Opfer gezielter Tempoarbeit gegen ihn. “Sogar heute wollte Decathlon mich vom Start weg nicht in der Gruppe haben“, sagte er. Dabei hatte er in den Tagen davor extra dafür gesorgt, dass sein Rückstand im Gesamtklassement fast zehn Minuten betrug, um von den GC-Teams mehr Freiheiten zu erhalten. Die wurden ihm aber nicht gewährt. Nach einigen erfolglosen Attacken auf den flachen Anfangskilometern ließ Ciccone trotzdem nicht locker und 74 Kilometer vor dem Ziel, am nicht kategorisierten Monte della Capanna, der einzigen kleinen Steigung vor dem Schlussanstieg, kam er weg.

Diesmal ließen ihn auch die Decathlon-Helfer gewähren. Der Abstand zur Gruppe des Tages betrug zu diesem Zeitpunkt etwas mehr als zwei Minuten – entscheidend für Ciccones Attacke: “Das Tempo im Feld fand ich nervig. Ich hatte nichts zu verlieren und die Ausreißer waren nah dran.“ Mit Unterstützung von Toon Aerts (Lotto – Intermarché) und seinem Landsmann Diego Ulissi (XDS – Astana) schaffte er es etwa 15 Kilometer später, kurz vor dem Zwischensprint in Marzabotto, nach vorne aufzuschließen. Das kostete jedoch Kraft.

“Es hat mich viel Energie gekostet, aber ich fühlte mich am Schlussanstieg trotzdem gut“, bestätigte er im Ziel. “Ich habe versucht, alles zu geben. Die Lücke war aber nicht groß genug.“ Ciccone griff an der vorletzten Bergwertung an und hatte zusammen mit Einer Rubio (Movistar) zu Beginn des Schlussanstiegs noch fast zwei Minuten Vorsprung auf das Hauptfeld.

Pellizzaris Schwäche änderte das Szenario

Vielleicht wäre er durchgekommen. Doch als Giro-Mitfavorit Giulio Pellizzari (Red Bull – Bora – hansgrohe) plötzlich nicht mehr mithalten konnte, änderte sich das Szenario. Visma – Lease a Bike und Decathlon – CMA CGM drückten aufs Tempo, um den schwächelnden Konkurrenten abzuhängen. Da die Verfolger näherkamen, setzte sich Ciccone schon 7,6 Kilometer vor dem Ziel von seinem Begleiter ab. Doch sein Vorsprung schmolz weiter. Spätestens nach Galls Attacke fuhr Ciccone auf verlorenem Posten. Trotzdem war er der Beste aus der Gruppe des Tages.

Schon am Tag zuvor hatte Ciccone vergeblich Anlauf genommen, in die Ausreißergruppe zu kommen. “Ich habe ein paar Mal versucht zu springen, aber ich war im Klassement zu weit vorn“, sagte Ciccone nach der Etappe. Im Finale büßte er dann absichtlich Zeit ein, um künftig von den GC-Teams mehr Freiheiten zu bekommen. "Morgen beginnt für mich ein neuer Giro“, sagte er nach dem achten Tagesabschnitt.

Auch wenn es mit dem Etappensieg noch nicht klappte, erfolglos verlief der Giro bislang nicht für den Italiener. Auf der 5. Etappe nutzte er seine Chance und schlüpfte durch Bonussekunden erstmals ins Rosa Trikot. Damit erfüllte er sich einen Traum. Am nächsten Tag musste er das Trikot jedoch an Afonso Eulalio (Bahrain Victorious) abgeben.

Auch in den nächsten Tagen wird er weiter um Etappensiege kämpfen. Nach dem Zeitfahren am Dienstag könnte wieder eine Ausreißergruppe auf dem Weg nach Chiavari eine Chance bekommen. Nach seiner heutigen Leistung wäre Ciccone dort einer der Favoriten. Er hat die Hoffnung jedenfalls noch nicht aufgegeben: “Eine der nächsten Etappen, wenn wir am Anfang einen Berg haben, liegt mir viel besser. Dann wird es schwerer für die anderen, zu kontrollieren.“

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