RSNplusBeim Giro Vingegaard-Herausforderer Nummer 1

Gall kommt der Benchmark immer näher

Von Tom Mustroph vom Corno alle Scale

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Felix Gall (Decathlon – CMA CGM) lieferte sich auf der 9. Giro-Etappe ein packendes Duell mit Jonas Vingegaard (Visma - Lease a Bike, hi.), das der Däne dann doch souverän für sich entschied | Foto: Cor Vos

18.05.2026  |  (rsn) – Es war ein erneut großer Tag für Jonas Vingegaard (Visma – Lease a Bike). Der Däne holte seinen zweiten Etappensieg bei diesem Giro d’Italia und kam auch dem Rosa Trikot näher. Es war aber auch ein ziemlich guter Tag für Felix Gall (Decathlon – CMA CGM). Der Österreicher kristallisiert sich als Herausforderer Nummer 1 heraus und ist eindeutig der zweitstärkste Kletterer in diesem Feld. Mit seiner Performance auf der 9. Etappe und auch dem Ergebnis war er rundum zufrieden.

“Wir wollten heute die Fluchtgruppe kontrollieren, so dass das Finale härter ausgefahren wird, was zu meinem Vorteil ist. Das war dann auch so“, sagte er zu RSN. ___STEADY_PAYWALL___

Sein Team spannte sich in fast kompletter Mannschaftsstärke vor das Peloton und hielt die Fluchtgruppe an der ganz kurzen Leine. Eingangs des einzigen Anstiegs des Tages zeigten sich zwar auch die Visma-Mannen von Vingegaard vorn. Gern gaben sie das Tempozepter dann aber wieder an Decathlon ab.

“Schon früh in der Etappe ging im Feld die Nachricht herum, dass Decathlon heute etwas probieren wollte. Deshalb hat uns das nicht überrascht. Es war auch vorteilhaft für uns“, beschrieb Vismas Sportlicher Leiter Marc Reef gegenüber RSN die Situation. Aus seiner Sicht übernahmen seine Männer das Heft des Handelns, als die Decathlon-Truppe am Ende ihrer Kräfte war.

Auf der 9. Giro-Etappe übernahm Galls Decathlon-Equipe Verantwortung und hielt die Fluchtgruppe an der kurzen Leine. | Foto: Cor Vos

Vingegaard setzte dann den letzten Akzent. Gall versuchte zu folgen, hielt auch eine Weile mit, musste dann aber den Dänen ziehen lassen. Enttäuscht darüber wirkte er nicht. Auf die Frage von RSN, ob er sich in diesem Jahr näher an der Benchmark im Radsport fühlt, die von Pogacar und Vingegaard gesetzt wird, antwortete er mit einem ganz klaren und überzeugten “Ja“.

Generell ist der Osttiroler mit seiner Form und auch dem modifizierten Saisonaufbau glücklich. “Ich habe die letzten Monate sehr gut trainiert und dieses Jahr schon drei Höhentrainingslager gemacht. Ich habe mehr trainiert und bin weniger Rennen gefahren. Ich habe ohne Tour generell ein anderes Programm und eine andere Vorbereitung“, erzählte er und bilanzierte: “Ich hätte nicht gedacht, dass ich in so guter Form da bin.“

Für den Giro nimmt er sich jetzt einen Podestplatz in Rom vor – was auch seinen grundsätzlichen Ambitionen für 2026 entspricht. “Das Ziel für diese Saison ist das Podium, beim Giro oder der Vuelta. Ein Grand Tour-Podium wäre der nächste Schritt in meiner Karriere“, meinte Gall.

Gegen Jonas Vingegaard (Visma – Lease a Bike) war letztlich auch Gall machtlos, mit Rang zwei an der Bergankunft konnte er aber ausgesprochen zufrieden sein. | Foto: Cor Vos

Nach der ersten Woche in Bulgarien und Italien ist er fest im Soll. Der 28-Jährige wähnt gegenüber der Konkurrenz, also der außer Vingegaard, auch das Momentum auf seiner Seite. “Psychologisch war das wichtig, vor dem Zeitfahren noch ein paar Abstände zur Konkurrenz herausgefahren zu haben“, meinte er. Und generell sieht er sich auf einem sehr guten Weg beim Giro. “Es war nach der Etappe zum Blockhaus wieder eine Bestätigung“, konstatierte Gall.

Ein wenig verwundert war er allerdings darüber, dass ihm und Vingegaard niemand anderes zu folgen vermochte. “Es hätte mich nicht überrascht, wenn wir zu fünft oder sechst angekommen wären“, bezog er sich auf das Etappenfinale. Im Vergleich mit dem Rest des Pelotons steht Gall derzeit besser da als er selbst erwartet hatte.

Jetzt gilt es, den Höhenflug zu konsolidieren

Sein Rückstand auf den zweitplatzierten Vingegaard – der wiederum 2:24 Minuten hinter dem Rosa Trikot von Afonso Eulalio (Bahrain Victorious) liegt – beträgt lediglich 35 Sekunden. Dagegen hat Gall gegenüber dem gesamtvierten Jai Hindley (Red Bull – Bora – hansgrohe) ein Polster von immerhin 1:33 Minuten.

Jetzt kommt es für ihn und sein Team darauf an, den Höhenflug zu konsolidieren und nach dem Ruhetag auch ein gutes Zeitfahren hinzulegen.

 

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