Im Giro-Zeitfahren dennoch Neunter

Vergesslicher Milesi absolvierte 42 Kilometer in der Eisweste

Von Kevin Kempf

Foto zu dem Text "Vergesslicher Milesi absolvierte 42 Kilometer in der Eisweste"
Lorenzo Milesi (Movistar) absolvierte das Zeitfahren beim Giro mit Eisweste. | Foto: Cor Vos

19.05.2026  |  (rsn) – Wie ein Zeitfahren funktioniert, das weiß Lorenzo Milesi (Movistar) ganz genau. Der 24-jährige Italiener wurde 2023 U23-Weltmeister im Kampf gegen die Uhr und ist ein Spezialist in dieser Disziplin. Wie gut seine Form bei diesem Giro d’Italia ist, zeigte er auf der 4. Etappe, als er auf dem Weg nach Cosenza eine Hauptrolle beim "Movistar-Putsch" spielte. Beim 42 Kilometer langen Zeitfahren am Dienstag musste also mit ihm gerechnet werden. Und tatsächlich zeigte Milesi ein sehr cooles Rennen!

Allerdings anders, als er es sich gedacht hatte. “Ich habe vergessen, die Eisjacke auszuziehen“, meinte Milesi nach Eurosport-Nachfrage im Interview. Die gesamte Distanz hatte er – ansonsten voll auf Aero getrimmt – mit der wenig windschnittigen Kühlweste absolviert. “Ich habe es gemerkt, als ich startete. Ich musste weiterfahren und konnte ich sie nicht mehr ausziehen“, erklärte er weiter.

Trotzdem landete Milesi in Massa mit 2:40 Minuten Rückstand auf Position neun. Nicht schlecht, aber: “Ohne wäre es definitiv besser gelaufen“, urteilte der Zeitfahrspezialist. “Heute habe ich eine Lektion gelernt“, fügte er an.

“Dass das bei der Mannschaft keinem aufgefallen ist, ist schon ein Kardinalfehler“, urteilte Jens Voigt im Velo Club. Rolf Aldag erläuterte, wie so ein Fehler passieren konnte. “Das war ein Fehler in der Übergabe“, so der 57-Jährige. Beim Aufwärmen am Bus sei die Eisweste normal, um die "Core-Temperatur" niedrig zu halten. Aber spätestens am Start, wo ein anderer Pfleger auf die Profis wartet, hätte das kühlende Kleidungsstück auffallen müssen. “Da hätte man es ihm abnehmen müssen“, befand Aldag.

Wind oder Eis, Hauptsache Weste

Die Eisweste wurde im Laufe der 48:33 Minuten langen Fahrt übrigens zur Wasserweste, denn gefroren war im Ziel nichts mehr. “Nein, definitiv nicht“, bestätigte Milesi, der mit seinem Faux-Pas nicht allein dasteht. Beim Auftaktzeitfahren zur Tour de France 2022 in Kopenhagen, unterlief Geraint Thomas ein ganz ähnliches Missgeschick, als der Brite versehentlich mit seiner Windweste von der Rampe rollte, das Podium in Paris schaffte er trotz des 18. Platzes in Dänemark.

Ein ähnliches Endergebnis ist für Milesi beim Giro unmöglich. Aber mit seiner guten Form – und ohne Eisweste – hat er noch etwas vor: “In den nächsten Tagen werde ich wieder etwas probieren“, kündigte er an. Und dann soll es noch weiter nach vorn gehen am Tag nach der Hauruck-Vorstellung nach Cosenza: Die turbulente 5. Etappe beendete er beim Sieg von Igor Arrieta (UAE – Emirates – XRG) nämlich als Vierter.

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