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24.05.2026 | (rsn) – Die 37, die im Ergebnis der 14. Etappe des Giro d’Italia vor dem Namen Ben Zwiehoff steht, ist nicht sonderlich beeindruckend. Der Red-Bull-Fahrer hatte 16:24 Minuten auf den Sieger Jonas Vingegaard (Visma – Lease a Bike) verloren. Was das Ergebnis nicht zeigt, ist die Leistung, die der Deutsche abgerufen hatte. Denn als er den Kontakt zu den Favoriten verlor, war die Gruppe nur noch 15-20 Athleten groß. Am Start des 15. Teilstücks der Rundfahrt in Voghera sprach RSN mit dem Kletterer.
“Es ist immer ein Traum von mir gewesen, bei den großen Rennen bei den besten Bergfahrern dabei zu sein“, erzählte Zwiehoff. Er war äußerst glücklich über seinen Auftritt vom Vortag. Bei ihm ging es bislang nicht um Ergebnisse, sondern um Helferdienste. “Gestern war es auch extrem wichtig, dass ich da war, weil wir vor dem letzten Berg Giulio und Jai noch mal komplett mit allem versorgen konnten. Denen hat es in keiner Sekunde zu irgendwas gefehlt“, resümierte er zufrieden.
___STEADY_PAYWALL___Jai Hindley beendete die Etappe als Dritter, Giulio Pellizzari kam fünf Sekunden später und zwei Plätze hinter dem Australier ins Ziel. Im Klassement rangiert das Duo auf den Positionen fünf und sechs – das anvisierte Podium ist noch möglich. Gestern verloren beide Zeit auf Vingegaard und Felix Gall (Decathlon – CMA CGM), Thymen Arensman (Netcompany – Ineos) und Afonso Eulalio (Bahrain Victorious) hängten sie aber ab – und das auch mithilfe Zwiehoffs.
Ben Zwiehoff (Red Bull - Bora - hansgrohe) in seiner typischen Rolle | Foto: Cor Vos
“Ich habe das schon ein paar Mal gesagt, dass solche Tage für Helfer extrem dankbar sind, weil man da einen Unterschied machen kann – und das ist cool für mich“, freute sich der Essener, der bei seiner geografischen Nähe zu den Niederlanden scheinbar auch die Sprache des westlichen Nachbarn etwas kennengelernt hat. “Ich habe mich selbst geflikt“, sagte er. "Flikken" - so nennt der Niederländer umgangssprachlich das “Reinlegen“ – im Idealfall eines anderen.
Dieser Idealfall war beim Deutschen aber nicht eingetreten. “Ich habe für alle Flaschen organisiert und selbst habe ich mir keine mitgebracht. Deswegen war es bei mir eine Frage der Zeit, bis der Ofen überhitzt“, schilderte er sein Problem, das aber vielleicht doch keines war: “Ich würde das nicht so nennen. Ein Problem wäre es gewesen, wenn die Leader nichts gehabt hätten. Es war alles so, wie es sein sollte. Ob ich dann noch zwei Kilometer länger mit durchhalte, ändert am Ende auch nicht so viel. Von daher hat das gut gepasst“, urteilte er. Also doch der Idealfall, wenn es ums "flikken" geht.
Auf der 14. Etappe fuhr Zwiehoff ein starkes Rennen. | Foto: Cor Vos
Und so erklärte sich der große Rückstand des 32-Jährigen durch einen erhitzten Ofen – und Vernunft: “In so einem Moment muss man dann auch vernünftig sein. Auch wenn dann nur noch 15-20 Mann übrig sind, muss man auf die nächsten Tage gucken und die Kräfte schonen.“ Und das tat Zwiehoff mit einer guten Portion Nächstenliebe, die am heißen Tag oft im Peloton zu sehen war.“ Ich habe hier und da in unserer Gruppe noch ein Eis verteilt, wenn wir eins übrig hatten. Da hilft man sich aus.“
Ob des starken Resultats am 14. Tag und inzwischen wieder gut runtergekühlt blickte der beste Deutsche im Klassement hoffnungsvoll auf die letzten sieben Etappen. “Wir wollen daran anknüpfen, was wir gestern losgetreten haben. Wir träumen nach wie vor vom Podium, das ist ja logisch“, meinte er. “Da werden wir alle gefragt sein, dass wir am einen oder anderen Tag, wenn Visma mit dem Vorsprung zufrieden ist, wir vielleicht wieder die Initiative ergreifen. Ich warte da schon noch einiges an Feuer“, verriet er. Ob er die Initiative im Feld oder davon ergreifen will, ließ er dabei offen.