Pellizzari platzt beim Giro in der Schweiz

Vingegaard in einer eigenen Liga: Erster Sieg im Rosa Trikot

Von Kevin Kempf

Foto zu dem Text "Vingegaard in einer eigenen Liga: Erster Sieg im Rosa Trikot"
Jonas Vingegaard (Visma - Lease a Bike) feiert seinen vierten Giro-Etappensieg. | Foto: Cor Vos

26.05.2026  |  (rsn) – Vierte Bergankunft, vierter Sieg von Jonas Vingegaard (Visma – Lease a Bike). Der Däne war auch auf der 16. Etappe des Giro d’Italia nicht zu schlagen. Nach nur 113 Kilometern in der Schweiz zwischen Bellinzona und Cari war er im Rosa Trikot 1:09 Minuten schneller im Ziel als Felix Gall (Decathlon – CMA CGM). Der Österreicher gewann einen lang gefahrenen Vierersprint vor Jai Hindley (Red Bull – Bora – hansgrohe), Thymen Arensman (Netcompany – Ineos) und Derek Gee-West (Lidl – Trek).

Wer dachte, Visma und Vingegaard würden es ob ihres großen Vorsprungs und drei Etappensiegen mit Blick auf die Tour de France ruhiger angehen lassen, sah ich sich schon kurz nach dem Start getäuscht. "Meine Teamkollegen und ich waren sehr motiviert auf den Etappensieg heute. Wir wollten versuchen, im Rosa Trikot zu gewinnen", sagte er im Sieger-Interview. Seine Mannschaft arbeitete hart und ließ den Ausreißern des Tages keine Chance. Im Schlussanstieg spielten nur die Favoriten eine Rolle.

“Sie haben das Feld verkleinert und ich musste dann den Rest machen“, so Vingegaard. Als er mehr als sechs Kilometer vor dem Ziel angriff, waren nur noch vier Gegner bei ihm. Von denen war dem Dänen keiner gewachsen. “Es war sehr schön, hier zu fahren und die Unterstützung von den Fans zu haben. Für mich ist das hier ein ganz besonderer Ort in der Schweiz, den ich sehr gut kenne.“ Warum das so ist, das erklärte der Mann in Rosa aber nicht.

Gall probierte kurz, Vingegaard bei dessen Angriff zu folgen, gab den Versuch aber schnell auf und ließ sich in die Verfolgergruppe zurückfallen. “Ich habe meine Kräfte am Hinterrad der anderen gut einteilen können. Dann habe ich einfach versuchen müssen, noch mal zum Schluss für die Bonussekunden zu fahren“, erzählte er am Eurosport-Mikrofon.

Einen starken Auftritt zeigte erneut Ben Zwiehoff (Red Bull – Bora – hansgrohe), der zu den letzten 15 bis 20 Profis in der Favoritengruppe gehörte, als er loslassen musste. Als 22. wurde er bester Deutscher mit 7:58 Minuten Rückstand.

Im Klassement gab es einige Verschiebungen. Giulio Pellizzari (Red Bull – Bora – hansgrohe) platzte auf den ersten Metern des Schlussanstieges. Auch Afonso Eulalio (Bahrain Victorious) und Ben O’Connor (Jayco – AlUla) mussten die Favoritengruppe früh fahren lassen. Der Portugiese schlug sich als Elfter mit 3:04 Minuten Rückstand achtbar. Zwei Plätze und 44 Sekunden dahinter erreichte auch der Australier das Ziel. Für den Red-Bull-Profi aus Italien platzten dagegen die Träume vom Giro-Podium nach dieser Etappe lautstark: Er büßte 18:06 Minuten ein.

Vingegaard liegt im Gesamtklassement nun 4:03 Minuten vor Gall. Arensman (+ 4:27) kletterte auf den dritten Rang vor Hindley ( + 5:00) und Eulalio (+ 5:40), der bester Nachwuchsfahrer bleibt. Der Däne Vingegaard ist auch Führender in der Bergwertung. Paul Magnier (Soudal – Quick-Step) verteidigte das Maglia Ciclamino des Punktbesten, ihm näherte sich aber Ausreißer Jhonatan Narvaez (UAE – Emirates – XRG) in der Ausreißergruppe des Tages beim Zwischensprint bis auf zwei Zähler.

So lief die 16. Etappe des Giro d’Italia:

Trotz großer Hitze schenkten sich die Fahrer beim flachen Start der Etappe nichts. Es wurde direkt angegriffen und nach einem erfolglosen Versuch von Maximilian Walscheid (Lidl – Trek) setzte sich wenig später sein Teamkollege Tim Torn Teutenberg mit zehn Begleitern ab. Der Deutsche ging nicht mit in die Führung, stattdessen versuchte seine Mannschaft hinten die maximal 45 Sekunden große Lücke zu schließen. Als die noch 30 Sekunden betrug, steckten die Deutschen auf, was Igor Arrieta (UAE – Emirates – XRG) eingangs der letzten 90 Kilometer zum Angriff nutzte.

Der Spanier löste sich mit 22 anderen Profis und aus dieser Gruppe wurde versucht, zur Spitze zu springen, was den ersten Fahrern 85 Kilometer vor dem Ziel am Fuß des ersten Anstieges des Tages gelang. Visma – Lease a Bike kontrollierte das Geschehen nun im Hauptfeld und blieb mehrere Minuten 20 bis 50 Meter hinter den Ausreißern. Es fand ein reger Austausch von vorn nach hinten und vice versa statt, bevor der Versuch komplett beendet wurde. Kurz vor der Bergwertung am Torre (3.Kat.) griffen sechs Fahrer an, unter ihnen Giulio Ciccone (Lidl – Trek), der sich die Punkte sicherte, und Narvaez.

Das Streckenprofil der 16. Etappe des Giro d’Italia | Foto: Veranstalter

Sieben Fahrer schafften kurz darauf den Anschluss und die 13-köpfige Spitzengruppe begann 72 Kilometer vor dem Ziel 30 Sekunden vor dem Peloton mit dem Leontica (2.Kat.). Dort wurde auf beiden Seiten schnell gefahren; aus den Dreizehn wurden Fünf und dann doch wieder Zehn. Josh Kench (Groupama – FDJ United), Jan Christen (UAE – Emirates – XRG) und Juan Pedro Lopez (Movistar) hatten den Anschluss verloren. Ciccone gewann den voll gefahrenen Sprint vor Einer Rubio (Movistar) und Jardi-Christiaan van der Lee (EF Education – EasyPost), das von Tim Rex (Visma – Lease a Bike) angeführte Feld lag eine Minuten zurück.

Bei der folgenden, zweiten Auffahrt zum Torre dezimierte sich die Gruppe weiter. Ciccone, Rubio, Chris Harper (Pinarello – Q36.5), Narvaez und Diego Ulissi (XDS – Astana) behaupteten sich vorn. Gegen den Lidl-Fahrer wurde beim Bergsprint 59 Kilometer vor dem Ziel weniger Widerstand geleistet als zuvor, die Meute folgte hier auf 1:35 Minuten.

Am 50-Kilometer-Banner kamen die Athleten zum zweiten Mal zum Leontica. Dort trennten die beiden Gruppe 1:15 Minuten - es ging bei den Favoriten also weiter sehr schnell. Ciccone gewann drei Kilometer später erneut den Sprint, wobei Ulissi über Bord ging. Das Feld wies einen Rückstand von 1:45 Minuten auf – dort war weiterhin Rex an der Spitze. Im Quartett wurden Narvaez 38 Kilometer vor dem Ziel beim Zwischensprint keine Steine in den Weg gelegt und er strich die anvisierten zwölf Punkte für die Ciclamino-Wertung ein.

Die Etappe gehört den Favoriten

Auf dem meist flachen Weg zum Schlussanstieg bekam Visma Unterstützung von Decathlon – CMA CGM. Narvaez hatte seine Mission erfüllt und ließ laufen, später streckte auch Ciccone die Waffen und vor dem Red-Bull-Sprint am Fuße des zwölf Kilometer langen Schlussanstieges ließ Harper Rubio hinter sich. Das fand aber nur noch 45 Sekunden vor dem inzwischen dezimierten Peloton statt.

Während seine Teamkollegen mit Tempo in den Berg reinfuhren, ließ Pellizzari eine Lücke. Mit noch 9,5 zu fahrenden Kilometern gerieten auch Eulalio und O’Connor Probleme an. Davide Piganzoli (Visma – Lease a Bike) veranstaltete nun ein Ausscheidungsfahren bis zu Kilometer 6,6. Dann attackierte Vingegaard seine vier verbliebenen Kontrahenten. Weder Gall, noch Arensman und Bernal oder Hindley konnten folgen.

Während Vingegaard konkurrenzlos seine Kreise zog, versammelten sich sechs Fahrer hinter ihm. Von denen waren 1,5 Kilometer vor dem Ziel Arensman, Hindley und Gall die stärksten. Gee-West kam noch einmal zurück, doch mit einem langen Sprint holte sich Gall den zweiten Platz vor Hindley. Von Pellizzari dagegen war bis ins Ziel nichts mehr zu sehen.

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