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19.07.2026 | (rsn) – Remco Evenepoel hat dem Team Red Bull – Bora – hansgrohe auf der ersten Alpenetappe der Tour de France 2026 (2.UWT) den ersehnten Tageserfolg beschert. Der Belgier setzte sich im Sprint eines Trios am Ende der 11,3 Kilometer langen und im Schnitt 9 Prozent steilen Schlusssteigung zum Plateau de Solaison vor Tadej Pogacar und dessen Teamkollege Isaac Del Toro (beide UAE – Emirates – XRG) durch.
Florian Lipowitz (Red Bull – Bora – hansgrohe) kam am Hinterrad von Paul Seixas (Decathlon – CMA CGM) mit 58 Sekunden Rückstand als Tagesfünfter bei der Bergankunft an. Sechster wurde der Franzose Lenny Martinez (Bahrain Victorious / + 1:58) vor Mattias Skjelmose (Lidl – Trek / + 1:58) aus Dänemark und dem Spanier Juan Ayuso (Lidl – Trek / + 2:00) sowie dem Briten Adam Yates (UAE – Emirates – XRG / + 2:00).
Überschattet wurde der Alpen-Auftakt aber durch das Sturz-Aus von Jonas Vingegaard (Visma – Lease a Bike), der rund 23 Kilometer vor dem Ziel in einer Rechtskurve weggerutscht war und das Rennen mit sich später bestätigendem Verdacht auf Schlüsselbeinbruch aufgeben musste.
Evenepoel gelang es mit seinem Sieg, seinen Kritikern zu beweisen, dass er auch an schweren Anstiegen die Besten schlagen kann. "Es ist unglaublich, ich zittere buchstäblich vor Gefühlen. Es war ein höllischer Tag. Am Anfang fühlte ich mich richtig schlecht, aber dann ging es immer besser. Ich meine – Sie müssen verstehen: Ich habe den besten Fahrer aller Zeiten geschlagen", sagte er im Sieger-Interview. Für ihn sei es ein Riesenfortschritt, dass er dem Tempo von Pogacar folgen konnte.
Pogacar hatte knapp acht Kilometer vor dem Ziel das Tempo angezogen und damit die Favoritengruppe innerhalb eines Kilometers auf drei Mann zusammenschrumpfen lassen: sich selbst, Evenepoel und Del Toro. Danach fuhr der Mann in Gelb alles von vorne und arbeitete offensichtlich für seinen mexikanischen Teamkollegen, der auf dem Schlusskilometer dann zwei Mal attackierte, Evenepoel aber nicht abschütteln konnte. Dann begann der Belgier seinen Sprint und flog dem Sieg entgegen – mit Pogacar am Hinterrad, der nicht mehr zum Überholen ansetzte.
Nach der Bedeutung des Sieges gefragt, präzisierte der Zeitfahr-Weltmeister und -Olympiasieger: "Das ist die erste richtige Bergetappe, die ich aus der GC-Gruppe heraus gewonnen habe. Das zeigt, dass ich einen weiteren Schritt gemacht habe. Es ist unglaublich, diese schöne Etappe zu gewinnen und mit diesem Gefühl in den Ruhetag zu gehen." Er hoffe nun, sich gut erholen zu können, um am Dienstag im Kampf gegen die Uhr einen weiteren Tagessieg zu holen.
Das Vingegaard-Aus traf dessen Team aus zweierlei Hinsicht hart. Einerseits war die Equipe allein auf den Kapitän und dessen Abschneiden im Gesamtklassement ausgelegt. Außerdem fühlte sich der zweimalige Tour-Sieger offenbar besser als in den vergangenen Tagen, weshalb er seine Helferriege früh arbeiten ließ. Sein sportlicher Leiter Frans Maassen bestätigte nach dem Rennen gegenüber Eurosport, dass Vingegaard den Etappensieg anpeilte, ehe er jäh aus dem Rennen genommen wurde.
Pogacar konnte eine Kollision mit den kurz vor ihm gestürzten Fahrern knapp vermeiden. Im Ziel-Interview wirkte der Slowene nachdenklich: "Es ist wirklich, wirklich, wirklich traurig zu sehen, dass Jonas raus ist. Seit 2021 haben wir immer um den Gesamtsieg gekämpft. Am Anfang hatten wir vielleicht nicht das beste Verhältnis, aber in den letzten zwei Jahren wurden wir gute Rivalen. Rivalen und Konkurrenten, die sich respektieren, aber ich denke, auch irgendwie Freunde. Die Tour wird ohne ihn nicht dieselbe sein", so der Slowene.
Zu den Verlierern der Etappe gehörte – wenn auch in ganz deutlich geringerem Maße - die Doppelspitze des Teams Lidl – Trek. Skjelmose wurde mit 1:57 Minuten Rückstand Tages-Siebter, Ayuso landete drei Sekunden weiter zurück auf Rang acht. Der Spanier büßte somit wertvolle Zeit im Kampf um die Nachwuchswertung ein. Das Weiße Trikot übernahm der neue Gesamtdritte Del Toro, der nun 27 Sekunden Vorsprung zu Seixas und eine Minute zu Ayuso aufweist.
In der Gesamtwertung führt Pogacar nun mit 5:00 Minuten Vorsprung vor Evenepoel und 5:58 Minuten vor Del Toro. Seixas (+ 6:23) und Lipowitz (+ 6:48) komplettieren die Top 5 vor Ayuso (+ 7:25), Skjelmose (+ 9:38) und Martinez (+ 10:28).
Die Bergwertung führt Pogacar mit nun 67 Punkten weiterhin vor Valentin Paret-Peintre (Soudal – Quick-Step / 45 Punkte) und Richard Carapaz (EF Education – EasyPost / 39) an. In der Punktewertung ums Grüne Trikot hat Mads Pedersen (Lidl – Trek) nun 417 Punkte auf dem Konto und damit noch 31 Zähler Vorsprung auf Jasper Philipsen (Alpecin – Premier Tech), der am Zwischensprint etwas Boden gutmachte.
Die Teamwertung gehört weiterhin Lidl – Trek. Der Vorsprung des deutschen Teams auf die Mannen von UAE ist aber auf nur noch 3:19 Minuten zusammengeschrumpft.
Bis zum Zwischensprint, der nach knapp 17 Kilometern abgenommen wurde, gab es keine Angriffe aus dem Feld. Dort schnappte sich Philipsen die 25 Punkte vor Pedersen, Max Kanter (XDS – Astana) und Biniam Girmay (NSN). Bis zum ersten Bergpreis der 3. Kategorie nach rund 37 Kilometern gab es zwar viele Attacken, aber es kam weiter keine Gruppe des Tages zustande. Valentin Paret-Peintre (Soudal – Quick Step) sicherte sich zwei Punkte vor Richard Carapaz (EF Education – EasyPost).
Auch danach dauerte es lange bis zur entscheidenden Attacke. Erst 95 Kilometer vor dem Ziel löste sich eine 24-köpfige Gruppe unter anderem mit Tom Pidcock (Pinarello - Q36.5), Kevin Vauquelin, Egan Bernal (Neitcompany - Ineos), Yannis Voisard (Tudor), Quinn Simmons (Lidl - Trek), Ben Healy (EF Education - EasyPost), Mauro Schmid (Jayco - AlUla), Ewen Costiou (Groupama - FDJ), Bruno Armirail, Victor Campenaerts (Visma - Lease a Bike), Adam Yates (UAE - Emirates - XRG), Raul Garcia und Einar Rubio (Movistar).
Die konnte sich schließlich entscheidend absetzen und baute bis zu 2:30 Minuten Vorsprung auf. Mehr gönnte UAE den Ausreißern nicht, ehe die Pogacar-Equipe rausnahm und Visma – Lease a Bike übernahm und den Abstand auf bis zu drei Minuten anwachsen ließ.
Das Streckenprofil der 15. Etappe der Tour de France:
Im 11,2 Prozent steilen Anstieg zum Col de la Croisette (1. Kategorie) zerfiel die Kopfgruppe, während Pidcock lange das Tempo bestimmte. Knapp zwei Kilometer vor der Bergwertung distanzierte Simmons die wenigen verbliebenen Begleiter. Oben hatte er allerdings nur wenige Sekunden Vorsprung zu Pidcock, Yates, Voisard und Rubio, die in der Abfahrt schnell wieder aufschlossen. Die Favoritengruppe erreichte die Kuppe mit etwas mehr als drei Minuten Rückstand.
Im Anstieg zur Côte du Mont (3. Kategorie) kam zunächst Costiou und dann Schmid zurück zur Spitzengruppe. In der Abfahrt setzte sich der Schweizer sogar allein ab, doch Visma – Lease a Bike reduzierte die Lücke immer weiter. Als die Zwei-Minuten-Marke erreicht war, steuerte Campenaerts eine Rechtskurve circa 23 Kilometer vor dem Ziel fragwürdig an, was zum verhängnisvollen Sturz seines Kapitäns führte. Vingegaard hielt sich, auf dem Boden sitzend, die rechte Schulter und signalisierte schnell per Kopfschütteln, dass die Tour für ihn beendet war.
Im Peloton war nach dem Vorfall kurz die Luft raus. So wuchs der Vorsprung der Ausreißer wieder auf drei Minuten an. Red Bull – Bora – hansgrohe führte die Hauptgruppe in den Schlussanstieg hinein. 9.500 Meter vor dem Ziel schüttelte Simmons erneut seine Konkurrenten ab und fuhr kurz darauf zu Schmid vor und ließ ihn stehen. 8.000 Meter vor dem Ziel heftete sich Pogacar an die Spitze der Favoritengruppe und erhöhte das Tempo, ohne zu attackieren.
Nur Del Toro und Evenepoel konnten mit dem Mann in Gelb mitgehen. Lipowitz fiel gemeinsam mit Ayuso und Seixas zurück. Kurz bevor Simmons 4,7 Kilometer vor dem Ziel eingeholt wurde, kam Yates von vorn zurück und machte Tempo für seine beiden Kapitäne. Anschließend war es erneut Pogacar, der versuchte, Evenepoel loszuwerden, ohne auch Del Toro in Schwierigkeiten zu bringen. In dieser Phase musste Ayuso Seixas und Lipowitz ziehen lassen.
900 Meter vor dem Ziel griff Del Toro an, Evenepoel schloss die Lücke aber sofort. Pogacar klemmte sich anschließend abermals vor das Duo und kontrollierte bis zu Del Toros nächster Attacke. Evenepoel ging erneut mit. Dann eröffnete der Belgier den Sprint und ließ niemanden mehr vorbei. Del Toro kassierte noch sechs Sekunden Rückstand. Weitere 52 Sekunden später führte Seixas Lipowitz über den Zielstrich.
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