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27.05.2026 | (rsn) - Michael Valgren (EF Education – EasyPost) hat die 17. Etappe des Giro d’Italia gewonnen. Zwischen Cassano d'Adda und Andalo war er nach 202 Kilometern der Beste von insgesamt 29 Ausreißern. Im letzten Kilometer setzte er sich von seinen fünf verbliebenen Begleitern ab. Andreas Leknessund (Uno-X Mobility) wurde mit drei Sekunden Rückstand erneut Zweiter. Weitere drei Sekunden später sprintete Damiano Caruso (Bahrain Victorious) schneller als Aleksandr Vlasov (Red Bull – Bora – hansgrohe) und Einer Rubio (beide Movistar). Igor Arrieta (UAE – Emirates – XRG) wurde mit 14 Sekunden Rückstand Sechster. Das Rosa Trikot bleibt auf den Schultern von Jonas Vingegaard (Visma – Lease a Bike).
Für Valgren ist es der zweite Saisonsieg nach einem Tageserfolg bei Tirreno-Adriatico (2.UWT). Außerdem ist es der größte Triumph seiner “zweiten Karriere“. Der 34-Jährige hatte 2018 dem Omloop Het Nieuwsblad (1.UWT) und das Amstel Gold Race gewinnen, bei der WM 2021 holte er Bronze. Dann stürzte er 2022 bei der Route d’Occitanie (2.1) einen Abhang hinunter. Dabei zog er sich und unter anderem einen Beckenbruch zu. Im April 2023 kehrte er nach 10 Monaten zurück – allerdings war er inzwischen ins Devo-Team abgestellt worden, aus dem er 2024 wieder in die WorldTour aufstieg.
Was ihm in seiner ersten Karriere immer verwehrt blieb, ist ein Etappensieg bei einer Grand Tour. “Ich habe so etwas auf meinem Lebenslauf vermisst. Ich denke, ich habe mir das verdient. Meine Karriere war bisher sehr gut, aber ich brauchte unbedingt diesen Grand-Tour-Etappensieg. Zum Glück ist es heute in Italien passiert“, freute er sich im Ziel-Interview.
“Letztes Jahr hatte ich große Hoffnungen auf eine gute Etappe bei der Tour. Deshalb hat mein Sohn einen Pokémon-Ball in den Teamfarben gemacht. Das ist seitdem mein Glücksbringer“, erklärte Valgren er den Gegenstand, den er bei der Überquerung der Ziellinie und in diesem Moment in die Kamera hielt. Auf die Frage, warum er als potenziell Schnellster des Sextetts überhaupt einen Angriff wählte, hatte er eine überraschende Antwort parat: “Es ist eine lustige Sache. Die Leute denken, dass ich schnell bin, aber in Wirklichkeit bin ich eher langsam. Heute Morgen hat mich Adam Blythe nach meiner Spitzenleistung gefragt. Die ist lächerlich peinlich, um ehrlich zu sein.“
Fünfmal war Leknessund als Ausreißer unterwegs, dreimal beendete er das Rennen vor dem Peloton – jedes Mal als Zweiter. “Ich glaube, ich bin heute ein sehr gutes Rennen gefahren bis zum letzten Kilometer. Mein Plan war über die Kuppe zu attackieren, ich war aber etwas zu weit vorn in der Gruppe. Valgren hat dann gemacht, was ich mir vorgenommen hatte“, analysierte der Norwegische Meister. “Ich hatte einen Plan, kam aber zu spät“, fügte er sichtlich enttäuscht an.
Der einzige Deutsche in der Gruppe des Tages war Florian Stork (Tudor). Der Nordrhein-Westfale verpasste im Finale den Sprung zum Nonett, das den Tagessieg unter sich ausmachte. Mit 1:44 Minuten Rückstand erreichte er das Ziel als Elfter.
Vingegaard verteidigte die Poleposition und auch das Blaue Trikot. Im Klassement liegt der Däne vier Etappen vor Ende der Rundfahrt weiter 4:03 Minuten vor Felix Gall (Decathlon – CMA CGM) und 4:27 vor Thymen Arensman (Netcompany – Ineos). Jhonatan Narvaez (UAE – Emirates – XRG) holte sich als Ausreißer das Ciclamino zurück. Afonso Eulalio (Bahrain Victorious) bleibt bester Jungprofi.
Eine siebenköpfige Gruppe konnte sich nach 40 hart umkämpften Kilometern entscheidend absetzen. Manuele Tarozzi (Bardiani – CSF – 7 Saber), Valgren, Remi Cavagna (Groupama – FDJ United), Alessandro Tonelli (Polti – VisitMalta), Jan Christen (UAE – Emirates – XRG), Niklas Larsen (Unibet – Rose Rockts) und Leknessund fuhren vom Feld davon.
Hinten wurde erst nach weiteren zehn Kilometern das Tempo reduziert, nachdem kurz zuvor eine weitere Gruppe bestehend aus Lorenzo Milesi (Movistar), Mick van Dijke (Red Bull – Bora – hansgrohe), Frank van den Broek (Picnic – PostNL) und Mattia Bais (Polti – VisitMalta) weggefahren war. Am Fuße des ersten Berges hatte die Spitzengruppe eine Minute Vorsprung auf die Verfolger sowie zwei Minuten auf das Hauptfeld herausgefahren.
Das Streckenprofil der 17. Etappe des Giro d’Italia | Foto: Veranstalter
Visma – Lease a Bike übernahm das Zepter im Hauptfeld, trotzdem fuhr eine weitere größere Gruppe mit unter anderem Narvaez, Tobias Bayer (Alpecin – Premier Tech), Giulio Ciccone (Lidl – Trek), Enric Mas (Movistar) und Stork weg. Kurz vor der Bergwertung kamen die ersten Verfolger heran. Die Gruppe Narvaez folgte an der Kuppe auf 45 Sekunden, das Hauptfeld auf 1:45 Minuten.
Die Spitzengruppe begann kurz danach den Anstieg zur zweiten Bergwertung des Tages am Cocca di Lodrino (3.Kat.). Die Verfolger kamen der Spitze immer näher, weswegen sich Cavagna entschied, eine Attacke zu setzen. Kein Kontrahent machte Anstalten ihm zu folgen, wodurch an der Bergwertung nach etwa 85 Kilometer Renndistanz der Franzose 45 Sekunden Vorsprung auf die inzwischen zusammengeschlossene Verfolgergruppe mit insgesamt 28 Fahrern hatte. Das Peloton lag zu diesem Zeitpunkt bereits über vier Minuten zurück.
Der Groupama-Fahrer baute seinen Vorsprung auf 2:30 Minuten aus, doch auf dem Weg zum Zwischensprint 58 Kilometer vor dem Ziel nach einem Anstieg in Roncone verlor Cavagna viel an Vorsprung. 500 Meter vor dem Wertungsstrich wurde er sogar von den Verfolgern eingeholt. Arrieta bereitete den Sprint ideal für Narvaez vor, womit der Ecuadorianer zwölf Zähler holte und somit die Führung im Maglia Ciclamino mit zehn Punkten Vorsprung auf Paul Magnier (Soudal – Quick-Step) übernahm.
Mit noch 46 zu fahrenden Kilometern war die Harmonie in der Spitzengruppe weg. Auf den nächsten 20 Kilometern viele verschiedene Attacken gefahren, wodurch sich die unterschiedlichsten Gruppenkonstellationen ergaben. Eingangs der letzten 25 Kilometer lag eine zehnköpfige Gruppe mit Juan Pedro Lopez, Rubio (beide Movistar), Vlasov, Mick Van Dijke (beide Red Bull – Bora – hansgrohe), Gianmarco Garofoli (Soudal – Quick-Step), David de la Cruz (Pinarello – Q36.5), Caruso, Valgren, Arrieta und Andreas Leknessund (Uno-X Mobility) an der Spitze des Rennens.
Mit noch 18 zu fahrenden Kilometern gingen die Attacken wieder los. Vor allem Rubio versuchte es vermehrt und konnte so bis auf Valgren und Arrieta zunächst alle Verfolger abschütteln. Zwölf Kilometer vor dem Ziel, etwa zwei Kilometer vor der vorletzten Bergwertung, war er dann nur noch mit Valgren gemeinsam unterwegs. Dahinter hatte sich eine vierköpfige Verfolgergruppe mit Vlasov, Caruso, Leknessund und Arrieta gebildet, die an der Bergwertung 15 Sekunden Rückstand auf die Spitze hatte. Nach der Abfahrt und einer kurzen flachen Passage veränderte sich dieser Abstand bis zum Start des Schlussanstiegs nicht.
2,7 Kilometer vor dem Ziel setzte Rubio eine weitere Attacke, doch der Däne biss sich an seinem Hinterrad fest. Mit dem Ass eines starken Sprints im Ärmel machte Valgren wenig Tempoarbeit, weshalb zunächst Arrieta, dann aber auch Leknessund, Caruso und Vlasov wieder aufschließen konnten. Nach einer erfolglosen Tempoverschärfung von Caruso 1,5 Kilometer vor der Ziellinie nahmen alle sechs Fahrer die Geschwindigkeit zurück und bereiteten sich auf einen Sprint vor.
Diese Situation nutzte Valgren mit einer Attacke am Teufelslappen aus. Keiner seiner Kontrahenten zeigte nur ansatzweise das Verlangen zu folgen. Der EF-Fahrer fuhr zum Etappensieg, während dahinter weitergekämpft wurde. Leknessund setzte als Erster nach und wurde dafür mit dem zweiten Platz belohnt.
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