“Finde das Tabu darum sehr ärgerlich“

De Buyst vor Comeback nach Herzrhythmusstörungen

Von Felix Mattis

Foto zu dem Text "De Buyst vor Comeback nach Herzrhythmusstörungen"
Jasper De Buyst (Lotto - Intermarché) | Foto: Cor Vos

28.05.2026  |  (rsn) – Jasper De Buyst (Lotto – Intermarché) hat in dieser Saison bislang lediglich acht Renntage bestritten: Er fuhr im Februar die UAE Tour und Ende April den Flèche Wallonne, den er aber nicht beendete. Der Grund? Herzrhythmusstörungen setzten den Belgier im Frühjahr gleich zweimal außer Gefecht.

Nun aber sei er bereit, zurückzukehren, erklärte De Buyst in einem Interview mit Het Laatste Nieuws. Am 14. Juni beim Muur Classic wolle er sein Comeback geben, danach auch die Belgien-Rundfahrt ( 17.-21. Juni) und die Belgischen Meisterschaften (28. Juni) bestreiten. "Im Juli, August, September und Oktober werde ich beweisen, dass ich immer noch meinen Platz im Peloton habe", sagte De Buyst, dessen Vertrag bei Lotto – Intermarché am Saisonende ausläuft.

Beim Belgier traten Ende Februar Herzrhythmusstörungen auf und er unterzog sich daher am 9. März einer Operation – einer sogenannten Ablation. Nur fünf Tage nach diesem relativ unkomplizierten Eingriff, bei dem die für die Störungen verantwortlichen Zellen verödet wurden, konnte De Buyst wieder zurück aufs Rad. Zumindest sprach da zunächst nichts dagegen.

De Buyst kehrte dann im April beim Flèche Wallonne ins Renngeschehen zurück, beendete den Ardennen-Klassiker aber vorzeitig. Und tagsdrauf kamen die Rhythmusstörungen bei einer Streckenbesichtigung für Lüttich-Bastogne-Lüttich zurück, wie er nun in einem Interview mit Het Laatste Nieuws erzählte. "Nach 20 Minuten hatte ich wieder Probleme – seltsamerweise nicht bergauf, sondern bergab", so der 32-Jährige da. "Zuerst fiel mein Puls auf 80 Schläge pro Minute, nur um dann in kürzester Zeit wieder auf 120 anzusteigen."

Eine weitere Ablation wurde zwar nicht nötig, doch es schien klar: Das entstandene Narbengewebe von der Verödung hatte sich noch nicht ganz erholt, also musste De Buyst nochmal pausieren.

"Im März wurden vier Kreise um die Venen in meiner Herzwand verödet. Das so entstandene Narbengewebe brauchte mehr Zeit zum Anhaften, und Verödungen führen immer zu lokalen Entzündungen und Flüssigkeitsansammlungen. Das bedeutete, dass es länger dauerte, bis mein Herz wieder belastet werden konnte", erzählte De Buyst. "Eine angepasste Medikation und zwei Wochen Ruhe reichten aus, um meinen Herzrhythmus wieder zu stabilisieren. Seitdem habe ich keinerlei Beschwerden mehr."

De Buyst will aufklären: "Das Etikett 'Herzpatient' schreckt die Leute ab"

Sein Herz sei "grundsätzlich kerngesund" und er habe auch keine Angst, jetzt wieder Rennen zu fahren, betonte De Buyst. Nun sei es ihm wichtig, auch etwas Aufklärungsarbeit zu betreiben: "Ich bin froh, dass ich das jetzt öffentlich machen kann, und ich finde das Tabu darum sehr ärgerlich. Zuerst dachte ich: 'Ich behalte das lieber für mich, denn der Rennsport ist eine konservative Welt, und das Etikett 'Herzpatient' schreckt die Leute ab.' Selbst als ich Freunden erzählte, dass ich eine Herzoperation hatte, rissen sie die Augen auf", sagte er und erklärte, dass es im Peloton viel häufiger Patienten wie ihn gibt, die eine Ablation durchführen ließen:

"Fahrer, die zwei Wochen nach einer Ablation wieder Rennen fahren konnten, müssen das nicht melden. Sie sagen einfach, sie seien eine Zeit lang krank gewesen, und niemand kennt den wahren Grund. In meinem Fall waren drei Monate zu lang, um sich hinter einer Krankheit zu verstecken, aber warum sollte ich das tun? Indem ich offen darüber spreche, hoffe ich, anderen zu helfen. Es gibt Fahrer, die ohnehin dasselbe durchmachen werden."

"Glaube, dass ich immer noch einer der besten Anfahrer sein kann"

De Buyst hofft, dass sich seine Geschichte nicht negativ auf seine Chancen in Sachen Vertragsverlängerung oder Kontrakt bei einem anderen Team auswirkt. "Die Realität ist, dass ein Sternchen hinter meinem Namen steht. Ich hoffe, ein Team ist bereit, mir eine weitere Chance zu geben, denn ich glaube, dass ich immer noch einer der besten Anfahrer der Welt sein kann", meinte De Buyst.

"Wer fuhr letztes Jahr beim ersten Massensprint der Tour de France 500 Meter vor dem Ziel an der Spitze des Pelotons? Dasselbe gilt für die Vuelta. Nennt mir fünf Fahrer, die das Jahr für Jahr konstant schaffen."

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