Stuyven pilotiert Franzose zum dritten Etappensieg

Magnier bezwingt die Muro und krallt sich sein Ciclamino

Von Felix Mattis und Marc Zeiringer

Foto zu dem Text "Magnier bezwingt die Muro und krallt sich sein Ciclamino"
Paul Magnier (Soudal - Quick-Step) hat das Maglia Ciclamino zurück. | Foto: Cor Vos

28.05.2026  |  (rsn) – Paul Magnier (Soudal – Quick-Step) hat sich in Pieve di Soligo seinen dritten Tageserfolg beim Giro d'Italia 2026 (2.UWT) gesichert. Der Franzose setzte sich auf der 18. Etappe nach 168 Kilometern im Sprint vor den Italienern Edoardo Zambanini (Bahrain Victorious), Jonathan Milan (Lidl – Trek) und Francesco Busatto (Alpecin – Premier Tech) sowie dem Neuseeländer Corbin Strong (NSN) durch.

Mit dem unerwarteten Tageserfolg auf einer Etappe, die im Vorfeld kaum jemand den Sprintern zugetraut hatte, krallte sich Magnier die nächsten 50 Zähler für die Punktewertung und nahm so auch das Maglia Ciclamino Jhonatan Narvaez (UAE – Emirates – XRG) wieder ab.

Der Ecuadorianer galt aufgrund der nur zehn Kilometer vor Schluss zu überquerenden und über 1,2 Kilometer im Schnitt zwölf Prozent steilen Muro Di Ca' Del Poggio als Top-Favorit auf den Tagessieg, kam am Ende aber nur als 18. über den Zielstrich, weil die Top-Sprinter widererwarten doch mit den Besten in den Zielort kamen.

"Ich hatte nicht erwartet, heute meinen dritten Sieg zu holen. Das macht es noch schöner. Ich muss mich bei meinem Team für das Vertrauen in mich bedanken", strahlte Magnier im Sieger-Interview.

"Heute früh hatte ich selbst noch gar kein Vertrauen. Ich wurde am ersten Anstieg sogar abgehängt. Ich habe danach versucht, mich zu konzentrieren. Meine Teamkollegen haben mir am letzten Anstieg geholfen und dafür gesorgt, dass es ein Sprint wird. Darum bin ich unglaublich glücklich, dass ich heute gewonnen habe", so der 22-Jährige weiter, dem es schwerfiel, seinen Sprint und das Finale richtig zu schildern:

"Durch das Adrenalin kann ich mich gar nicht ans Finale erinnern. Ich kann nur meinem Team danken, dass sie alles zusammengebracht haben und Jasper (Stuyven) ist ein fantastisches Leadout gefahren. Ich könnte nicht stolzer sein!"

An der Spitze der Gesamtwertung gab es keine Verschiebungen. Die Top 10 um das Rosa Trikot von Jonas Vingegaard (Visma – Lease a Bike) und dem Gesamtzweiten Felix Gall (Decathlon – CMA CGM) blieben beisammen und kamen im ersten Feld zeitgleich an.

Vingegaard führt auch weiter die Bergwertung an. Der Portugiese Afonso Eulalio (Bahrain Victorious) stürzte rund 50 Kilometer vor Schluss in der Verpflegungszone, kam aber wieder zurück, attackierte im Finale an der Muro sogar und erreichte das Ziel ebenfalls im Hauptfeld, so dass er weiterhin das Weiße Trikot trägt.

So lief die 18. Etappe des Giro d'Italia:

Die Etappe durch die Prosecco-Region begann überraschend gemächlich: Entgegen des erwarteten großen Kampfes um eine große Ausreißergruppe gab es zunächst nur wenige Attacken. Nachdem Filippo Magli (Bardiani – CSF – 7 Saber) und Johan Jacobs (Groupama – FDJ United) wegfuhren und nach zehn Kilometern bereits 40 Sekunden Vorsprung hatten, schien es so, als ob die Gruppe des Tages fixiert wäre.

Zunächst versuchte noch Matyas Kopecky (Unibet – Rose Rockets) vergeblich hinzufahren. Doch am ersten nicht kategorisierten Berg nach 20 Kilometern wachte der Großteil der Fahrer auf und lancierte Attacke um Attacke im Sekundentakt. Nach 25 Kilometern war somit das Duo wieder gestellt und es begann eine längere Phase, in der es viele versuchten, sich aber niemand absetzen konnte.

Mattias Bais und Geburtstagskind Andrea Mifsud vom Team Polti – VisitMalta konnten sich nach 40 Kilometern dann endlich vom attackierenden Peloton absetzen. Sie fuhren über einige Kilometer nur wenige Sekunden zu zweit vor dem Hauptfeld. Nach Kilometer 65 bekamen sie Begleitung von James Shaw (EF Education – EasyPost) und wenige Minuten später auch von Jonas Geens (Alpecin – Premier Tech). Damit hatte sich nach letztlich doch langem Kampf die Gruppe des Tages gefunden – nur kleiner als erwartet.

Das Streckenprofil der 18. Etappe beim Giro d'Italia. | Foto: Cor Vos

Die Teams Lidl – Trek und NSN übernahmen daraufhin die Tempoarbeit im Feld und kontrollierten den Abstand auf relativ niedrigem Niveau. Tatsächlich wollten sie das Rennen offen halten, weil sie ihren Sprintern Milan und Strong einen Sprint im Ziel trotz der Muro zutrauten. Bais gewann vor Mifsud die erste Bergwertung in Fastro (3. Kat.) nach 85 Kilometern. Der Vorsprung der vier Ausreißer pendelte sich bei rund anderthalb Minuten ein. Am Zwischensprint in Guia, 35 Kilometer vor dem Ziel, lag das Quartett noch immer an der Spitze. Dahinter war Narvaez im Ciclamino zwar der Schnellste aus dem Feld, bekam dafür aber nur noch einen einzigen Punkt.

15 Kilometer davor war es in einer Verpflegungszone zum Sturz von Eulalio gekommen, der danach rund eine Minute zurücklag, mit Hilfe seines Teamfahrzeugs aber trotzdem bald wieder zurückkam – und dann das Etappenfinale prägte. Denn nachdem 22 Kilometer vor dem Ziel drei der vier Ausreißer gestellt waren und auch Geens nach dem Red-Bull-Kilometer kurze Zeit später eingeholt wurde, rückte die Muro Di Ca' Del Poggio in den Fokus.

Eulalio attackiert doppelt, aber die Sprinter sind da

Es kam zum High-Speed-Positionskampf in der Anfahrt zur in den Anstieg hineinführenden Rechtskurve, wobei die Teams Unibet – Rose Rockets, Visma – Lease a Bike, Netcompany – Ineos und Lidl – Trek den besten Job machten. In der Steilrampe dann setzte Eulalio, zur Überraschung vieler, die erste Attacke. Zwar wurde er von Vingegaard höchstselbst wieder gestellt, doch das hohe Tempo der Kletter-Asse sorgte dafür, dass sich eine 16-köpfige Gruppe auf der Kuppe, wo der Mann in Rosa den Bergpreis mitnahm, vom Rest des Feldes absetzen konnte.

Sechs Kilometer vor dem Ziel attackierte Johannes Kulset (Uno-X Mobility) aus dieser Gruppe heraus. Er nahm erneut Eulalio mit. Das Duo fuhr rund fünf Sekunden Vorsprung heraus. Doch nachdem die Vingegaard-Gruppe in der Abfahrt von einem größeren Feld um die Sprint-Asse Magnier und Milan eingeholt worden war, blieben auch Kulset und Eulalio nicht mehr lange vorne.

Geschlossen ging es auf den recht technischen Schlusskilometer, auf dem Soudal – Quick-Step durch Stuyven einen Parade-Leadout für Magnier zeigte – nachdem sich der Belgier etwas Platz verschafft hatte, indem er NSN's Alessandro Pinarello mit der Hand zur Seite schob. Stuyven führte den Franzosen durch die Kurven und lancierte auf der Zielgeraden, die eher ein langer Linksbogen war, dessen Sprint, so dass Magnier nur noch vollenden musste. Milan kam nicht mehr um Zambanini herum und musste sich, von etwas zu weit hinten kommend, mit Rang drei begnügen.

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