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29.05.2026 | (rsn) – Als Jai Hindley den Giro d’Italia 2022 mit Bora – hansgrohe gewann, war er mit Wilco Kelderman und Emanuel Buchmann Teil des legendären Dreizacks. Im Trikot von Red Bull – Bora – hansgrohe ging er in der aktuellen Ausgabe der Italien-Rundfahrt im “Zweizack“ mit Giulio Pellizzari an den Start und es sieht aus, als würde es für den Australier zum Podiumsplatz reichen.
Auf den 151 Kilometern zwischen Feltre und den Piani di Pezze erreichte Hindley das Ziel als Sechster, wodurch er im Klassement vor der letzten Bergetappe an Thymen Arensman (Netcompany – Ineos) auf Rang drei vorbeizog. “Wir sind unglaublich zufrieden mit dem Ergebnis. Natürlich ist der Weg noch lang. Da müssen wir auf alles vorbereitet sein. Aber unsere Ausgangsposition ist gut, das Team ist stark und Giulio auch wieder gesund. Das ist wichtig. Wir freuen uns auf morgen“, meine der Sportliche Leiter Oliver Cookson gegenüber Eurosport.
Pellizzari war im Finale eine Schlüsselfigur für die Raublinger, auch wenn er das anders sah. “Ich habe ihm (Hindley, d.Red.) nicht richtig viel helfen können, aber wenn man sich die letzten Tage ansieht, war es genug“, urteilte er unnötig selbstkritisch am Mikrofon von CyclingPro.net. Tatsächlich hatte er in seiner neuen Domestiken-Rolle aus der Gruppe kommend im Schlussanstieg seinen Kapitän aus der Patsche geholfen. Der konnte nämlich Felix Gall (Decathlon – CMA CGM) und Jonas Vingegaard (Visma – Lease a Bike) auf den letzten drei Kilometern nicht folgen. Als er auf seinen italienischen Teamkollegen traf, zog der ihn wieder zum Duo heran und machte bis zum Teufelslappen Tempo, um dem abgehängten Arensman noch mehr Rückstand mitzugeben.
Als Pellizzari ausscherte, war es an Hindley. “Ich habe am Ende einfach versucht, mein Tempo zu fahren. Dieser letzte Anstieg war wirklich noch mal hart“, meinte der gegenüber Eurosport. Im Schlussspurt verlor er vier Sekunden auf Gall und Vingegaard, auf Arensman hingegen gewann er 1:02 Minuten. Seinem neugewonnenen Helfer zollte er Respekt.
“Giulio war ziemlich krank während des Giros. Deswegen hat er seine Chance im Gesamtklassement verloren. Ich sehe es nicht als selbstverständlich an, was er heute gemacht hat. Vor allem, weil es für ihn auch mental nicht das einfachste Rennen war. Wir hatten insgesamt auch nicht den einfachsten Giro mit einigen Krankheiten“, so Hindley.
Bei seinem Tag in der Gruppe verfolgte Pellizzari Plan A und Plan B. “Das Ziel war, die Etappe aus der Gruppe heraus zu gewinnen. Wenn Jai meine Hilfe brauchen würde, sollte ich auf ihn warten. Das habe ich dann gemacht, als ich merkte, dass der Sieg für mich unmöglich war“, erklärte Pellizzari, warum er sich als Relaisstation zur Verfügung stellte. “Das eine schließt das andere nicht aus. Man muss immer das Gleichgewicht finden und gut kommunizieren“, lobte Cookson.
Ob das allerdings immer perfekt geklappt hatte, ist fraglich. Ben Zwiehoff hatte erneut gute Beine und blieb lange bei den Favoriten, bis er am Passo Giau plötzlich an die Spitze der Gruppe beordert wurde und dort Visma – Lease a Bike ablöste. Wenig später verschärfte Pellizzari vorn das Tempo. So versuchte ein Red-Bull-Fahrer der Favoritengruppe, die von einem Red-Bull-Fahrer angeführt wurde, weiter davonzufahren.
Der Effekt der Arbeit, die Red Bull Visma abgenommen hatte, war letztendlich, dass Zwiehoff Magnus Sheffield (Netcompany – Ineos) über Bord geworfen hatte, bevor er dem US-Amerikaner selbst folgte. Hindley war in der noch etwas mehr als zehn Profis umfassenden Gruppe folglich allein, bis er im Schlussanstieg auf Pellizzari stieß.
Dann aber klappte die Taktik perfekt und das Ergebnis kann sich sehen lassen. “Es war ein harter Tag mit wirklich epischen Anstiegen. Ich bin stolz auf die Jungs, wie sie heute gefahren sind. Es war auch ein verrückter Tag auf taktischer Ebene mit den ganzen GC-Fahrern in der Ausreißergruppe“, meinte Hindley. Platz 1 und 2 sollten für den 30-Jährigen außer Reichweite sein. Arensman liegt aber nur 29 Sekunden hinter ihm. “Manchmal ist es gut, der Jäger zu sein. Jetzt sind wir aber zufrieden und bereit für morgen“, blickte Cookson voraus.
Zufrieden, fast schon euphorisch klang auch der wiedererstarkte Pellizzari, der am Samstag eine weitere Chancen auf einen Tageserfolg hat. “Ich bin voll gefahren und ich muss mich bei den Fans neben der Strecke bedanken. Ich hatte Gänsehaut, es war fantastisch. Durch sie hatte ich mehr Kraft, als ich eigentlich hatte“, erzählte der Italiener, der auf der 20. Etappe ebenfalls auf die Unterstützung seiner Landsleute zählen kann. Und vielleicht darf auch Zwiehoff mal den Relaisstation-Doppelplan ausführen. Der Essener wurde auf Platz 31 an den Piani di Pezze erneut bester Deutscher.