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29.05.2026 | (rsn) – Es geht hin und her auf dem Podium des Giro d'Italia. Kurz vor Schluss scheint nun Thymen Arensman (Netcompany – Ineos) derjenige zu sein, der im Dreikampf um die zwei Plätze neben Dominator Jonas Vingegaard (Visma – Lease a Bike) auf dem Treppchen in Rom in die Röhre schauen wird. Der Niederländer musste seinen dritten Gesamtrang bei der Bergankunft in Piani di Pezzè am Ende der Königsetappe durch die Dolomiten für Jai Hindley (Red Bull – Bora – hansgrohe) räumen.
1:02 Minuten verlor Arensman nach 151 Kilometern und rund 5.000 Höhenmetern auf den Australier, 1:06 Minuten auf Felix Gall (Decathlon – CMA CGM) und Vingegaard. Damit fehlen dem Ineos-Leader nun 1:30 Minuten zu Gall und 29 Sekunden zu Hindley im Gesamtklassement. Außerdem rückte Derek Gee-West (Lidl – Trek) als Etappenzweiter und neuer Gesamtfünfter bis auf 58 Sekunden an ihn heran.
Doch Arensmans Blick richtet sich weiter nach vorne, nicht nach hinten. "Das Ziel ist erst in Rom, deswegen musst du immer weiterkämpfen. Ich habe heute alles gegeben. Darauf kann ich stolz sein", meinte er im Ziel am Eurosport-Mikrofon erschöpft, während sein Sportlicher Leiter Leonardo Basso etwas weiter auf dem Team-Parkplatz in der Kurzanalyse zusammenfasste: "Gall und Hindley waren heute etwas stärker, wir hatten etwas mehr zu kämpfen. Aber trotzdem: 30 Sekunden aufs Podium – wir machen weiter, was wir tun und haben morgen noch eine Chance."
Im fünf Kilometer langen und im Schnitt fast zehn Prozent steilen Schlussanstieg von Alleghe hinauf nach Piani di Pezzè wollte Arensman eigentlich sogar Druck ausüben. Das zumindest legte die Konstellation nahe, wie man in die Rampe hineinfuhr: Egan Bernal führte die Favoritengruppe ums Eck in die ersten Rampen und schlug ein hohes Tempo an, was Arensman mit Stolz erfüllte, wie er später sagte: "Es ist sehr speziell, Egan als Helfer zu haben. Er hat den Giro und die Tour gewonnen und teilt mit mir hier seine Erfahrung – ich fühle mich geehrt, dass dieser Champion für mich fährt."
Doch das Tempo von Bernal konnte kurz darauf ein anderer Helfer der Podiumskandidaten toppen: Knapp 4,5 Kilometer vor Schluss gab Gregor Mühlberger (Decathlon – CMA CGM) mit Kapitän Gall am Hinterrad auf der linken Straßenseite Vollgas, spannte sich vor die Gruppe und nahm dem Ineos-Duo das Zepter aus der Hand.
Bernal musste abreißen lassen und von Meter zu Meter tat das Tempo des Österreicher-Pakets auch Arensman weh. Er litt am Ende der Gruppe deutlich sichtbar, und als nach knapp einem Kilometer Führungsarbeit Mühlberger den Weg frei machte und Gall attackierte, ging vor Arensman die Lücke auf. Hindley konnte sich gerade noch an Gall und Vingegaard herankämpfen, aber Arensman verlor von nun an auf den letzten 3,5 Kilometern bis ins Ziel kontinuierlich an Boden und musste sich vom Podestplatz erstmal verabschieden. "Es war ziemlich schwer heute", gab Arensman zu. "Ich habe nur noch versucht, so schnell wie möglich zu fahren."
Am Freitag hat "so schnell wie möglich" nicht gereicht, doch der Samstag ist ein neuer Tag. Nach der Dolomiten-Kletterpartie mit sechs schweren Anstiegen wartet auf der entscheidenden Bergetappe noch zwei Mal die 14,5 Kilometer lange und im Schnitt 7,8 Prozent steile Rampe nach Piancavallo – mit Spitzen bei 14 Prozent. Ob die Arensman besser liegt, als das Teilstück am Freitag? Das kann man so wohl überhaupt nicht differenzieren. Doch Basso erklärte, dass es ohnehin um etwas anderes gehe:
"In diesen Tagen kommt es nur noch darauf an, wie man sich erholt und ob man mental bereit ist, morgen wieder zu leiden. Niemand startet morgen frisch in die Etappe und man muss sich noch einmal ans Limit pushen", so der Italiener. "Das Szenario hat sich natürlich komplett gedreht. Heute Morgen haben wir darüber gesprochen, konservativer zu sein und morgen müssen wir Zeit rausholen. Das ist ein ganz anderes Mindset! Aber es geht auch immer noch um die Beine. Wenn jemand in Piancavallo einen schwachen Moment hat, muss man das nutzen."