Red Bull erreicht Minimalziel

Hindley kämpft sich beim Giro in die Weltklasse zurück

Von Jan Zesewitz

Foto zu dem Text "Hindley kämpft sich beim Giro in die Weltklasse zurück"
Jai Hindley (Red Bull - Bora - hansgrohe) auf dem Weg zum Giro-Podium hinauf nach Piancavallo. | Foto: Cor Vos

30.05.2026  |  (rsn) – 2020 war der Giro d’Italia der Durchbruch für Jai Hindley, der damals noch im Trikot von Sunweb unterwegs war. Beim Einzelzeitfahren am allerletzten Tag verlor er das Rosa Trikot an Tao Geoghegan Hart, sein zweiter Platz im Endergebnis – plus einem Etappensieg – war sein erstes großes Ausrufezeichen in der Radsportwelt. Zwei Jahre später krönte er sich bei der gleichen Rundfahrt zum ersten Grand-Tour-Sieger der deutschen Bora-Equipe

Noch einmal drei Jahre später ist der Australier zurück auf einem Grand-Tour-Podium, natürlich wieder beim Giro. “Ich habe jetzt lange kein wirkliches Ergebnis in einer Grand Tour liefern können“, sagte ein erschöpfter, aber glücklicher Hindley nach der letzten Bergetappe in Piancavallo am Eurosport-Mikrofon. “Es ist wirklich schön, wieder um das Podium kämpfen zu können, nachdem ich letztes Jahr bei der Vuelta knapp dran war. Die Grand Tours sind für mich das Höchste im Radsport. Und da dann konkurrenzfähig zu sein, ist der Grund, warum ich Rad fahre.“

Hindley konnte nach seinem Giro-Triumph nicht wieder an diesen Erfolg anknüpfen. Der Australier wurde zu einer Art Mitläufer der Klassement-Favoriten, im vergangenen Jahr stürzte er in Neapel bei seiner Lieblingsrundfahrt schwer. Vier Monate später zeigte er bei der Vuelta mit Platz vier aufstrebende Form. Nun konnte er sich und sein ambitioniertes Team mit einem Podiumsplatz belohnen.

Denk: “Etappensieg wäre die Kirsche auf der Torte gewesen“

Der Raublinger Rennstall will – spätestens seit dem Einstieg des Brauseherstellers – bei Grand Tours mehr als konkurrenzfähig sein. Der dritte Platz von Hindley entspricht damit dem Erreichen des Minimalziels für die Equipe. Entsprechend gemischt fällt das Fazit von Manager Ralph Denk einen Tag vor der Schlussetappe in Rom aus: "Klar: Die Kirsche auf der Torte wäre ein Etappensieg gewesen“, sagte er gegenüber Eurosport. “Darum haben wir hart gekämpft. Aber am Ende müssen wir nehmen, was wir kriegen können und ein dritter Platz im Gesamtklassement ist besser als nichts."

Auch aufgrund einiger Krankheitsfälle wurde der Giro zu einer Achterbahnfahrt für Red Bull – Bora – hansgrohe. Vielversprechende Bergetappen der Doppelspitze Hindley und Giulio Pellizzari mischten sich mit Ernüchterung: Podiumskandidaten am Blockhaus (Hindley Dritter vor Pellizzari), hinter den Besten in Corno alle Scale (Hindley Platz 9, Pellizzari 22.), wieder obenauf in Pila im Aosta-Tal (Hindley 3., Pellizzari 5.), schließlich der spektakuläre Einbruch von Pellizzari nach Carí (49.) und Hindley, der sich in der dritten Woche als der stärkere Fahrer im Vergleich zu Thymen Arensman (Netcompany – Ineos) erwies.

Dass es nun der Australier war – und nicht der gefeierte Youngster Pellizzari, der das “Minimalziel" für Bora erreichte, spricht für die Resilienz und Erfahrung Hindleys. Auch Denk freute sich für den 30-Jährigen, der in seinem fünften Jahr bei Red Bull “quasi zur Familie gehört“. “Ich bin superhappy für ihn. Die Erwartungen waren nach seinem Giro-Sieg 2022 sehr hoch. Doch er konnte diesen Grand-Tour-Sieg nicht wiederholen. Jetzt ist er wenigstens wieder auf dem Podium, nachdem der vierte Platz bei der Vuelta schon stark war“, sagte Denk.

Zur Red Bull-Wahrheit gehört auch, dass das Minimalziel vermutlich auch das maximal erreichbare Ziel war. Hindley und Pellizzari lagen in den Bergen auf drei Wochen betrachtet eine Leistungsstufe unterhalb von Dominator Jonas Vingegaard (Visma – Lease a Bike) – so weit erwartbar – aber eben auch ein Stück hinter Felix Gall (Decathlon – CMA CGM).

Bei der Tour de France sollen Remco Evenepoel und Florian Lipowitz für die deutsche Equipe die Lücke zu Vingegaard und dem anderen Dominator, Tadej Pogacar (UAE – Emirates – XRG), schließen. Der Giro zeigte, dass dieses Ziel ein ambitioniertes ist.

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