Vingegaard gewinnt den Giro d’Italia 2026

Milan und Lidl dürfen in Rom endlich jubeln

Von Guido Scholl

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Große Erleichterung im Ziel bei Jonathan Milan (Lidl – Trek) | Foto: Cor Vos

31.05.2026  |  (rsn) - Auf den letzten Drücker hat Lidl – Trek noch den ersehnten Etappensieg beim 109. Giro d’Italia eingefahren: Der Italiener Jonathan Milan sprintete auf der ansteigenden Zielgerade nach 133 Kilometern in und um Rom als Erster über den Zielstrich und verwies seinen Landsmann Giovanni Lonardi (Polti – VisitMalta) auf den zweiten Platz. Das Podium machte der Franzose Paul Penhoët (Groupama – FDJ United) komplett.

Platz vier ging an Dylan Groenewegen (Unibet – Rose Roeckets) vor Geburtstagskind Madis Mihkels (EF Education – EasyPost). Der Este wurde am Schlusstag des Giro 23 Jahre alt. Der im Vorfeld neben Milan als Favorit gehandelte Paul Magnier (Soudal – Quick-Step) spielte auf der ansteigenden Zielgeraden trotz guter Teamunterstützung keine Rolle. Der junge Franzose, der bereits drei Teilstücke und das Maglia Ciclamino dieses Giro gewonnen hatte, wurde am Schluss Elfter.

“Ich bin super happy, den Giro so zu beenden. Ich bin wirklich stolz auf alles, was wir erreicht haben in diesen drei Wochen“, gab der sichtlich erleichterte Tagessieger im Interview zu Protokoll. Statt aufzugeben, habe das Team immer weitergekämpft und an diesen Sieg geglaubt. Entsprechend euphorisch war die Stimmung bei der deutschen Equipe – Max Walscheid, der als letzter Milan-Helfer 44. und damit bester Deutscher wurde, jubelte sogar noch ausgelassener als sein Sprintkapitän.

Jonas Vingegaard (Visma – Lease a Bike) erlebte einen ruhigen letzten Tag im Rosa Trikot. Mit dem Gesamtsieg bei der Italien-Rundfahrt hat der Däne nun alle drei Grand Tours gewonnen. Der Österreicher Felix Gall (Decathlon – CMA CGM) behielt seinen zweiten Platz ebenso wie der Australier Jai Hindley (Red Bull – Bora - hansgrohe) seinen dritten. Auch sonst ergaben sich in den Top 10 keine Veränderungen mehr. Hindleys Helfer Ben Zwiehoff beendete die Rundfahrt als bester Deutscher auf Platz 31.

Der frisch gebackene Giro-Sieger gab sich im Ziel ungewohnt emotional. “Das ist etwas, wovon ich mein ganzes Leben geträumt habe. Das jetzt wirklich zu schaffen, ist etwas wirklich Besonderes“, sagte Vingegaard. Als der 29-Jährige auf seine Familie zu sprechen kam, die er im Ziel in die Arme schließen konnte, stiegen ihm sogar Tränen der Rührung in die Augen: “Sie sind immer da für mich.“ Der Kuss auf den Lenker blieb somit aus – diesmal war wieder Körperkontakt möglich.

Der Portugiese Afonso Eulalio (Bahrain Victorious) brachte das Weiße Trikot des besten Nachwuchsfahrers sicher ins Ziel. Bereits vor der Etappe waren das Bergklassement zugunsten von Giulio Ciccone (Lidl – Trek) und die Punktwertung zugunsten von Magnier entschieden.

Als bestes Team ging Visma – Lease a Bike aus der Italien-Rundfahrt hervor. 151 von 184 in Bulgarien gestartete Fahrer beendeten den Giro d’Italia 2026. Zur letzten Etappe war Sean Flynn (Picnic – PostNL) nicht mehr angetreten. Nach Informationen seiner Mannschaft hatte sich der Brite eine Infektion eingefangen.

So lief die 21. Etappe des Giro d’Italia:

Die ersten 20 Kilometer der Etappe waren eine reine Tour d’Honeur mit Bummeltempo und den üblichen Schnappschüssen reserviert. In der Anfahrt zum Zwischensprint, der gut 108 Kilometer vor dem Ziel abgenommen wurde, erhöhte Visma – Lease a Bike die Pace auf Renntempo. Den Bonussprint sicherte sich Filippo Turconi (Bardiani – CSF – 7 Saber) durch eine Attacke. Anschließend führte Visma das geschlossene Feld in Richtung Rom.

In der Mitte der ersten von acht 9,5 Kilometer langen Schlussrunden begann eine Phase mit zahlreichen Attacken, an denen sich unter anderem Nico Denz (Red Bull - Bora - Hansgrohe) beteiligte. Es bildete sich schließlich ein Duo: Ben Turner (Netcompany – Ineos) und Andrea Mifsud (Polti – VisitMalta) bauten allerdings keinen nennenswerten Vorsprung auf und wurden kurz vorm Red-Bull-Kilometer wieder gestellt. Dort hatte Igor Arrieta (UAE – Emirates – XRG) die Nase vorn und sicherte sich diese Sonderwertung.

Das Streckenprofil der 21. Etappe des Giro d’Italia | Foto: Veranstalter

Als nächstes probierten es Rémy Rochas (Groupama – FDJ United) und Tobias Bayer (Alpecin – Premier Tech) 45 Kilometer vor dem Ende. Sie hielten sich bis zur viertletzten Zielpassage vor dem Feld, dann musste Bayer abreißen lassen. Stattdessen sprangen Victor Campenaerts (Visma - Lease a Bike), Rémy Cavagna (Groupama – FDJ United) und Matteo Sobrero (Lidl – Trek) zu Rochas. Auf dem Papier eine ernstzunehmende Konstellation, doch Sobrero ging nicht durch die Führung.

Bei der drittletzten Zielpassage war auch diese Flucht beendet. Als nächster Griff Ganna an. Doch das Zeitfahr-Ass hatte mit Jasper Stuyven (Soudal – Quick-Step) und abermals Sobrero gleich zwei Bremsklötze am Rad. Trotz der eigentlich aussichtslosen Situation zog Ganna voll durch und wurde mit den beiden Begleitern erst 3000 Meter vor dem Ende gestellt.

Stuyven führte das Peloton dann auf den letzten Kilometer. Doch Magnier hatte an der finalen Steigung hinauf zum Ziel früh Probleme. Groenewegen ging von seinem Hinterrad an die Spitze, doch dann flog Milan noch klar vorbei – mit seinen Teamkollegen feierte der Italiener den lang ersehnten Tagessieg ganz besonders überschwänglich.

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