“Dieser Jonas erinnert mich an den von 2022 und 2023“

Unsterblich und doch ein Mensch: Vingegaards Tränen in Rom

Von Christoph Niederkofler

Foto zu dem Text "Unsterblich und doch ein Mensch: Vingegaards Tränen in Rom"
Jonas Vingegaard mit seinen Kindern Hugo und Frida. | Foto: Cor Vos

31.05.2026  |  (rsn) - Mit seinem eingetüteten Gesamtsieg beim Giro d’Italia (2.UWT) machte sich Jonas Vingegaard (Visma – Lease a Bike) unsterblich: Der 29-Jährige stieg zum achten Fahrer der Geschichte auf, der bei allen Grand Tours zum Triumphator avancierte. Seit Sonntag steht sein Name in einer Reihe mit Bernard Hinault und Eddy Merckx – im Ziel der 21. Etappe war die lebende Legende aber zuallererst Mensch.

Wenige Momente nachdem Vingegaard die Ziellinie überquerte, stand im rosaroten Trubel erst einmal seine Familie im Rampenlicht. Seine Lebenspartnerin Trine Marie empfing den Dänen gemeinsam mit den Kindern Frida und Hugo, Küsschen und Umarmungen durften freilich nicht fehlen.

Einige Minuten später waren sogar seine Qualitäten als Vater gefragt, als Hugo im Lichtgewitter der auf die Vingegaards gerichteten Kameras ein paar Tränchen vergoss. Wie in den zurückliegenden drei Wochen löste der frischgebackene Gesamtsieger auch diese Aufgabe souverän – und wurde anschließend selbst von seinen Gefühlen übermannt.

___STEADY_PAYWALL___

"Sie sind einfach immer da für mich"

"Es ist wirklich großartig. Das ist etwas, wovon ich mein ganzes Leben geträumt habe", erklärte ein sichtlich nachdenklicher Vingegaard im Flash-Interview nach Etappenende. "Jetzt fehlen mir einfach die Worte." In den Straßen Roms, der Ewigen Stadt, das Maglia Rosa zu tragen, sei eine einzigartige Ehre gewesen. Seine Familie an diesem historischen Tag an seiner Seite zu wissen, ließ ihn schließlich mit den Tränen kämpfen. "Das macht es noch besonderer und treibt mir die Tränen in die Augen", sagte er mit brüchiger Stimme. "Sie sind einfach immer da für mich."

Jonas Vingegaard freut sich über die Trofeo Senza Fine, den Pokal des Gesamtsiegers beim Giro d'Italia. | Foto: Cor Vos

Mit dem Rosa Trikot in der Tasche richtet sich der Blick nun natürlich auf die am 4. Juli in Barcelona startende Tour de France. Eines steht fest: Vingegaard will es seinem Erzrivalen Tadej Pogacar (UAE - Emirates – XRG) gleichtun und wie der Slowene vor zwei Jahren das Double aus Giro und Tour schaffen.

Richard Plugge sieht seine Equipe dafür gerüstet: "Wir wollen dieses Gefühl wieder erleben. Das Gelbe Trikot ist das Beste, was es gibt", meinte der passend zum Giro-Sieg, wie schon im Vorjahr beim Triumph von Simon Yates, erneut in einen rosaroten Blazer gekleidete Visma-Teamchef im Interview mit Eurosport. "Bei der Tour wird er nur noch stärker sein, weil wir alles danach ausgerichtet haben, dass er dort seinen Peak erreicht. Wir freuen uns darauf."

Bei Vingegaard läuft alles nach Plan

Ein wahrgewordener Traum, das Familienglück in Rom – die Gefühle von Vingegaard können vielerlei Gründe haben. Eine Träne verdrückte der Superstar aber wohl auch, weil sich zum ersten Mal seit seinem Gesamtsieg bei der Tour de France 2023 ein besonderes Gefühl einstellte: Endlich läuft alles nach Plan.

"Ich werde Euch das sagen, was ich schon zu seiner Frau meinte: Dieser Jonas erinnert mich an den Jonas aus den Jahren 2022 und 2023", hob Nathan Van Hooydonck bei Eurosport hervor. In jenen Saisons zählte der 30-jährige Belgier zu den Helfern, die Vingegaard bei dessen Gesamtsiegen in Frankreich unter die Arme griffen. "Er ist so gelassen, ruhig und gefasst. Bei diesem Giro war er einfach ein Killer, hat immer dann gewonnen, wenn er es sich vorgenommen hatte."

Dann schlug Hooydonck wieder den Bogen zu den an diesem Sonntag so allgegenwärtigen Emotionen des Dänen, welche ihn wohl so sehr als Mensch zeichneten, wie es Vingegaard sonst nur selten zulässt. Wie sich dieser Flow bei Vingegaard ausdrückt? "Man merkt es einfach daran, wie er sich im Teambus verhält oder wenn er bei Fans, Gästen oder Sponsoren unterwegs ist – ihn beschäftigt das nicht so sehr, sondern er lässt sich darauf ein", meinte sein ehemaliger Teamkollege.

"Manchmal sind die Fahrer in solchen Situationen ein bisschen aufgekratzt, jede Frage könnte eine zu viel sein. Das habe ich bei ihm aber nie gespürt. Das zeigt, wie sehr er mit sich im Reinen ist."

Die Bilder aus Rom bestätigten diesen Eindruck – und schufen ein Bild von Vingegaard, das weit über seine sportliche Unsterblichkeit hinausgeht. In Frankreich könnte es um eine Facette reicher werden.

Mehr Informationen zu diesem Thema

24.09.2026Giro-Hilfe für Carapaz: De Bondt kommt ohne Strafe davon

(rsn) – Der Radsportweltverband UCI wird keine Sanktionen gegen Dries De Bondt wegen eines möglichen Regelverstoßes beim Giro d’Italia 2025 aussprechen. Das gab die UCI nach ihrer jährlichen Si

12.06.2026Blikra kämpfte sich mit mehreren Frakturen durch den Giro

(rsn) – Nach seinem schweren Sturz zum Auftakt des Giro d’Italia (2.UWT) quälte sich Erlend Blikra (Uno-X Mobility) durch die erste Grand Tour seiner Karriere, die er dann nach der 11. Etappe ver

05.06.2026Rex sicherte sich mit “Gesichtskirmes“ Kollegenrespekt

(rsn) – Nicht jedes Painface ist gleich. Während jenes von Lennart Jasch (Tudor) als “großartig“ und “fotogen“ bezeichnet wurde, sorgte das Gegenteil beim Giro d’Italia bei einem anderen

03.06.2026Tudor fährt beste Grand-Tour-Bilanz seiner Geschichte ein

(rsn) – Tudor und der Giro d’Italia, das ist seit Bestehen des Teams eine besondere Beziehung. Die Italienrundfahrt war 2024 die erste Grand Tour, an der die Mannschaft aus der Schweiz per Wildcar

01.06.2026“Großer Schritt nach vorne“: Magnier feiert jetzt auch Qualitätssiege

(rsn) – In seiner Gesamtheit war der Giro d’Italia 2026 nicht gerade einer für die Sprinter. Lediglich vier Etappen endeten in einem echten Massensprint. Hier und da – wie in Neapel – verhi

01.06.2026Trotz Krankheit und Rückschlägen: Der “andere“ Kapitän kommt durch

(rsn) – Jai Hindley blickte glücklich vom Podium des Giro d’Italia auf Rom. Zum dritten Mal durfte er nach der Schlussetappe mit überdimensionierten Gläsern, Trophäe und Blumen geehrt werden.

01.06.2026Antiwerbung zur besten Sendezeit auf lieblosen Parcours

(rsn) – Es ist Sonntag. Der gemeine Mensch hat frei und nicht viel zu tun. Er schaltet seinen Fernsehempfänger ein und richtet die Antenne so aus, dass er anderen Menschen bei dem zusehen kann, was

31.05.2026“Erlösung“ auf den letzten Drücker: Lidl - Trek in Feierlaune

(rsn) - Obwohl Max Walscheid mit seiner Prognose falsch lag, kam er im Interview nach dem Zieleinlauf der letzten Etappe des Giro d’Italia aus dem Grinsen gar nicht mehr raus. Den angekündigten Spr

31.05.2026Das Strafenregister beim Giro d´Italia / 21. Etappe

(rsn) - Die Liste an potenziellen Vergehen, derer ein Profi, Teamstaff oder andere am Rennen Beteiligter im Laufe einer Rundfahrt bezichtigt werden kann, ist lang. Genauso lang wie das Regelwerk der

31.05.2026Gall freut sich auf Kurzurlaub in Rom und “nichts zu tun“

(rsn) – Obwohl ihm die tiefe Abendsonne im Gesicht stand, war dem Giro-Zweiten Felix Gall (Decathlon – CMA CGM) in der Mixed Zone nach der Siegerehrung das Dauergrinsen nicht zu nehmen. Kein Wund

31.05.2026Eisel über Gegner Ganna: “Er hat das zum Spaß gemacht - beeindruckend!“

(rsn) – Leicht gemacht haben es vor allem die Zeitfahrspezialisten den Sprintern auf der Schlussetappe des 109. Giro d’Italia in Rom nicht. Auch wenn es am Ende zum erwarteten Massensprint kam,

31.05.2026Plugge: “Normalerweise trage ich diesen Blazer nicht“

(rsn) – Die Schlussetappe des 109. Giro d´Italia (2.UWT) ist in Rom mit dem erwarteten Massensprint zu Ende gegangen – auch wenn Filippo Ganna (Netcompany – Ineos) die Sprinter-Teams mit seinem

Weitere Radsportnachrichten

19.10.2026Neuausrichtung in der Movistar-Führungsetage

(rsn) - In wenigen Worten zu vermelden, deshalb aber nicht weniger wichtig: In unserer Rubrik "Kurz gemeldet" fasst die Redaktion von radsport-news.com die Kurznachrichten des Tages aus der Welt des R

19.10.2026Picnic - PostNL und Jayco - AlUla ohne Lizenz für 2027

(rsn) - Picnic – PostNL kommt nicht zur Ruhe. Nach den Vorwürfen einer “Angstkultur“ in der niederländischen Equipe und einer länger anhaltenden sportlichen Erfolgsflaute fehlt das Team auf

19.10.2026Giro-Sieger Geoghegan Hart findet neues Team

(rsn) - In unserem ständig aktualisierten Transferticker informieren wir Sie regelmäßig über Personalien aus der Welt des Radsports. Ob es sich um Teamwechsel, Vertragsverlängerungen oder Rücktr

19.10.2026Degenkolb äußert sich zur “Angstkultur“ bei Picnic

(rsn) – John Degenkolb hat sich zu den Berichten in der NOS und im Podcast “In de Waaier“ zur “Angstkultur“ bei seinem Team Picnic – PostNLgeäußert unud seine eigene Sicht der Dinge wie

19.10.2026Bernaudeau zuversichtlich: “Werden nächstes Jahr bei der Tour sein“

(rsn) – Die Zukunft des Teams TotalEnergies über diese Saison hinaus bleibt ungewiss, bei der französischen Equipe macht sich aber Zuversicht breit. Ein Nachfolger des scheidenden Hauptsponsors i

19.10.2026Pogacar spricht über seine Ziele für 2027

(rsn) – Tadej Pogacar (UAE – Emirates – XRG) hat seine drei Hauptziele für das Jahr 2027 bekannt gegeben. Seine Saison endete vorzeitig mit einem schweren Sturz auf der 8. Etappe der Vuelta a E

18.10.2026Evenepoel zerlegt in Les Herbiers die Konkurrenz

(rsn) – Remco Evenepoel (Red Bull – Bora – hansgrohe) hat in seinem letzten Einsatz der Saison eine weitere Kostprobe seiner Überlegenheit im Zeitfahren abgegeben. Der viermalige Weltmeister in

18.10.2026McNulty jubelt erstmals im Regenbogentrikot

(rsn) – Brandon McNulty (UAE – Emirates – XRG) hat zum Abschluss der italienischen Straßensaison die Veneto Classic (1.Pro) gewonnen und souverän seinen ersten Sieg im Regenbogentrikot gefeie

18.10.2026Merlier weist auch am Schlusstag Groenewegen in die Schranken

(rsn) – Tim Merlier (Soudal – Quick-Step) hat sich zum Abschluss der Eneco Tour (2.1) seinen zweiten Tagessieg gesichert. Der 33-jährige Belgier holte sich die 5. Etappe über 149,2 Kilometer run

18.10.2026WM-Vierter Simmons beendet seine Saison mit einem Sieg

(rsn) - Quinn Simmons (Lidl – Trek) hat sich mit einem Sieg in die Winterpause verabschiedet. Der US-Meister entschied den 33. Japan Cup (1.Pro) nach 144,2 Kilometern rund um Utsunomiya im Duell vor

18.10.2026Teutenberg erobert Bahn-Gold am WM-Schlusstag in Shanghai

(rsn) - Mit einem vollständigen Medaillensortiment bestehend aus Gold durch Tim Torn Teutenberg im Ausscheidungsrennen, Silber von Lea Sophie Friedrich im Keirin sowie Bronze durch Roger Kluge und Mo

18.10.2026Weltmeisterin Grabosch wollte nur nicht wieder Vierte werden

(rsn) – Bei der Nationalhymne kamen Paulina Grabosch die Freudentränen. Die Sprinterin stand zum ersten Mal in ihrer Karriere ganz allein auf dem obersten Podiumsplatz bei Bahn-Weltmeisterschaften.

RADRENNEN HEUTE

    Radrennen Männer

  • Tour of Mentougou (2.2, CHN)