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31.05.2026 | (rsn) - Mit seinem eingetüteten Gesamtsieg beim Giro d’Italia (2.UWT) machte sich Jonas Vingegaard (Visma – Lease a Bike) unsterblich: Der 29-Jährige stieg zum achten Fahrer der Geschichte auf, der bei allen Grand Tours zum Triumphator avancierte. Seit Sonntag steht sein Name in einer Reihe mit Bernard Hinault und Eddy Merckx – im Ziel der 21. Etappe war die lebende Legende aber zuallererst Mensch.
Wenige Momente nachdem Vingegaard die Ziellinie überquerte, stand im rosaroten Trubel erst einmal seine Familie im Rampenlicht. Seine Lebenspartnerin Trine Marie empfing den Dänen gemeinsam mit den Kindern Frida und Hugo, Küsschen und Umarmungen durften freilich nicht fehlen.
Einige Minuten später waren sogar seine Qualitäten als Vater gefragt, als Hugo im Lichtgewitter der auf die Vingegaards gerichteten Kameras ein paar Tränchen vergoss. Wie in den zurückliegenden drei Wochen löste der frischgebackene Gesamtsieger auch diese Aufgabe souverän – und wurde anschließend selbst von seinen Gefühlen übermannt.
___STEADY_PAYWALL___"Es ist wirklich großartig. Das ist etwas, wovon ich mein ganzes Leben geträumt habe", erklärte ein sichtlich nachdenklicher Vingegaard im Flash-Interview nach Etappenende. "Jetzt fehlen mir einfach die Worte." In den Straßen Roms, der Ewigen Stadt, das Maglia Rosa zu tragen, sei eine einzigartige Ehre gewesen. Seine Familie an diesem historischen Tag an seiner Seite zu wissen, ließ ihn schließlich mit den Tränen kämpfen. "Das macht es noch besonderer und treibt mir die Tränen in die Augen", sagte er mit brüchiger Stimme. "Sie sind einfach immer da für mich."
Jonas Vingegaard freut sich über die Trofeo Senza Fine, den Pokal des Gesamtsiegers beim Giro d'Italia. | Foto: Cor Vos
Mit dem Rosa Trikot in der Tasche richtet sich der Blick nun natürlich auf die am 4. Juli in Barcelona startende Tour de France. Eines steht fest: Vingegaard will es seinem Erzrivalen Tadej Pogacar (UAE - Emirates – XRG) gleichtun und wie der Slowene vor zwei Jahren das Double aus Giro und Tour schaffen.
Richard Plugge sieht seine Equipe dafür gerüstet: "Wir wollen dieses Gefühl wieder erleben. Das Gelbe Trikot ist das Beste, was es gibt", meinte der passend zum Giro-Sieg, wie schon im Vorjahr beim Triumph von Simon Yates, erneut in einen rosaroten Blazer gekleidete Visma-Teamchef im Interview mit Eurosport. "Bei der Tour wird er nur noch stärker sein, weil wir alles danach ausgerichtet haben, dass er dort seinen Peak erreicht. Wir freuen uns darauf."
Ein wahrgewordener Traum, das Familienglück in Rom – die Gefühle von Vingegaard können vielerlei Gründe haben. Eine Träne verdrückte der Superstar aber wohl auch, weil sich zum ersten Mal seit seinem Gesamtsieg bei der Tour de France 2023 ein besonderes Gefühl einstellte: Endlich läuft alles nach Plan.
"Ich werde Euch das sagen, was ich schon zu seiner Frau meinte: Dieser Jonas erinnert mich an den Jonas aus den Jahren 2022 und 2023", hob Nathan Van Hooydonck bei Eurosport hervor. In jenen Saisons zählte der 30-jährige Belgier zu den Helfern, die Vingegaard bei dessen Gesamtsiegen in Frankreich unter die Arme griffen. "Er ist so gelassen, ruhig und gefasst. Bei diesem Giro war er einfach ein Killer, hat immer dann gewonnen, wenn er es sich vorgenommen hatte."
Dann schlug Hooydonck wieder den Bogen zu den an diesem Sonntag so allgegenwärtigen Emotionen des Dänen, welche ihn wohl so sehr als Mensch zeichneten, wie es Vingegaard sonst nur selten zulässt. Wie sich dieser Flow bei Vingegaard ausdrückt? "Man merkt es einfach daran, wie er sich im Teambus verhält oder wenn er bei Fans, Gästen oder Sponsoren unterwegs ist – ihn beschäftigt das nicht so sehr, sondern er lässt sich darauf ein", meinte sein ehemaliger Teamkollege.
"Manchmal sind die Fahrer in solchen Situationen ein bisschen aufgekratzt, jede Frage könnte eine zu viel sein. Das habe ich bei ihm aber nie gespürt. Das zeigt, wie sehr er mit sich im Reinen ist."
Die Bilder aus Rom bestätigten diesen Eindruck – und schufen ein Bild von Vingegaard, das weit über seine sportliche Unsterblichkeit hinausgeht. In Frankreich könnte es um eine Facette reicher werden.