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31.05.2026 | (rsn) – Leicht gemacht haben es vor allem die Zeitfahrspezialisten den Sprintern auf der Schlussetappe des 109. Giro d’Italia in Rom nicht. Auch wenn es am Ende zum erwarteten Massensprint kam, so mussten sich die Helfer der 'schnellen Männer' in der Ewigen Stadt ganz schön strecken, um das Feld geschlossen auf den Schlusskilometer zu bringen.
Zunächst bildete sich knapp drei Runden vor Schluss ein Quartett mit Rémy Rochas, Rémi Cavagna (beide Groupama – FDJ United) und Victor Campenaerts (Visma – Lease a Bike) sowie Matteo Sobrero (Lidl – Trek), der aber nicht mit durch die Führung ging und nur als Aufpasser für den späteren Sieger Jonathan Milan vorne dabei war.
Als dieses Quartett eine Runde später gestellt wurde, lancierte Filippo Ganna (Netcompany – Ineos) eine Attacke und sofort sprang erneut Sobrero ans Hinterrad, dem dann außerdem Jasper Stuyven (Soudal – Quick-Step) folgte. Und obwohl weder Sobrero noch Stuyven, der den Aufpasser für Paul Magnier spielte, auch nur einen Meter mit durch die Führung gingen, riss Ganna mit seinen zwei 'Anhängern' auf den folgenden acht Kilometern eine Lücke von 20 Sekunden zum jagenden Hauptfeld auf.
“Was Ganna heute gemacht hat, habe ich schon seit vielen, vielen Jahren nicht mehr gesehen", zog Lidl – Treks Sportlicher Leiter Bernhard Eisel nach dem Rennen den Hut vor dem Italiener. "Der hat das ganze Feld auseinandergenommen!"
Eisel gab am Eurosport-Mikrofon zu, dass man zwischenzeitlich nicht mal mehr sicher war, ob das Trio noch zurückzuholen sei, als die Lücke zwölf Kilometer vor Schluss immer weiter aufging. Doch auf der Schlussrunde zogen vor allem die Unibet – Rose Rockets eindrucksvoll durch und holten Ganna mit seinen Beschattern drei Kilometer vor dem Ziel wieder ein.
Eisel, euphorisiert vom Sieg seines Schützlings Milan, war dennoch ob der Leistung von Ganna völlig aus dem Häuschen: "Am Ende hat er es ja einfach zum Spaß gemacht – und das ist umso beeindruckender! Der hat da einfach Freude dran", meinte der Österreicher am Eurosport-Mikrofon und erklärte die Konstellation des Trios an der Spitze mit Lidl-Fahrer Sobrero, der mit Gannas Schwester Carlotta liiert ist, sowie Soudals endschnellem Anfahrer Stuyven:
"Er (Ganna) wusste ja, dass er ein Familienmitglied am Hinterrad hat und auch Jasper noch hinten dranhängt, der definitiv schneller ist als er im Sprint. Er wusste also genau: Wenn er es durchzieht, wird er Dritter. Deshalb war uns schon klar, dass er sich irgendwann denken wird: Was mach' ich hier eigentlich?!"
Ob Ganna tatsächlich auf den letzten fünf Kilometern rausnahm oder ihm die Kräfte ausgingen, als Lukas Kubis für die Rockets im Hauruckverfahren zwischen vier und drei Kilometern vor Schluss die letzten acht Sekunden zufuhr, ist natürlich nicht zu beweisen.