Red Bull erreicht Podiumsplatz beim Giro d´Italia

Trotz Krankheit und Rückschlägen: Der “andere“ Kapitän kommt durch

Von Jan Zesewitz

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Jai Hindley (Red Bull - Bora - hansgrohe) steht zum dritten Mal auf dem Podium beim Giro d´Italia | Foto: Cor Vos

01.06.2026  |  (rsn) – Jai Hindley blickte glücklich vom Podium des Giro d’Italia auf Rom. Zum dritten Mal durfte er nach der Schlussetappe mit überdimensionierten Gläsern, Trophäe und Blumen geehrt werden. Nach Platz zwei im Jahr 2020 und dem Sieg 2022 stand er diesmal auf der kleinsten Stufe. Für Hindley ist das nach vielen Jahren im Radsport eine große Leistung – für sein Team Red Bull – Bora – hansgrohe das Minimalziel nach einem sehr komplizierten Giro.

“Es ist unglaublich schwierig ein solches Resultat in diesen Zeiten im Radsport zu erreichen“, sagte der Australier nach der Siegerehrung. “Es ist eine Weile her, seit ich das letzte Mal beim Giro auf dem Podium stand. Das macht es zu etwas sehr Besonderem für mich, ich bin stolz.“

Hindley kann nicht nur stolz auf seine Leistung sein, er rettete damit auch die Bilanz seines Teams, für das er einst in Italien den ersten Grand-Tour-Sieg in der Geschichte der Raublinger Equipe eingefahren hatte. Diese trat in Bulgarien mit einer Doppelspitze an, bestehend aus Hindley und Giulio Pellizzari. Nicht wenige schätzten den jungen Italiener höher ein, nicht zuletzt nach seinem Sieg bei der Tour of the Alps in Vorbereitung auf die Italien-Rundfahrt.

Pellizzaris “Tour der Leiden“

Das erklärte Ziel: Gemeinsam um Etappensiege kämpfen und dem haushohen Favoriten Jonas Vingegaard (Visma – Lease a Bike) das Leben so schwer wie möglich machen. Das gelang für rund einen Kilometer an der ersten Bergankunft am Blockhaus. Pellizzari musste am Ende aber Lehrgeld für seinen tapferen Versuch bezahlen, am Hinterrad des Dänen zu bleiben. Niemand konnte Vingegaard bei diesem Giro herausfordern, zu Beginn der dritten Woche wurde aus Red Bulls Doppelspitze die Hindley-Show.

In der zweiten Woche wurde das Team und insbesondere Pellizzari von Krankheit gebeutelt. Bei der Bergankunft nach Carí verabschiedete sich der Youngster aus allen Ambitionen in der Gesamtwertung. “Ich bin stolz darauf, hier in Rom angekommen zu sein, vor allem, wenn man bedenkt, wie es mir in den letzten Tagen ging“, sagte Pellizzari gegenüber Cycling Pro Net am Ende seiner “Tour der Leiden“. “Jetzt verschenke ich alles. Ich möchte keine Erinnerung an diesen Giro behalten. Ich werde alle Rückennummern und Trikots verbrennen. Danach denken wir an die nächsten Rennen.“

Viel klarer hätte der 23-Jährige nicht machen können, wie er sich während eines Großteils dieser drei Wochen gefühlt hat. Hindley sprang mit all seiner Erfahrung ein. In der dritten Woche erwies er sich als der klar bessere Kletterer im Vergleich zu Thymen Arensman (Netcompany - Ineos) und verringerte auch den Abstand im Vergleich zu Felix Gall (Decathlon – CMA CGM) und eroberte den letzten Podiumsplatz auf der Königsetappe in den Dolomiten zwei Tage vor dem Ende des Giros.

Der Kapitän aus der zweiten Reihe trumpft auf

Über Hindley wird wenig gesprochen, wenn es um Klassement-Kapitäne beim deutschen Team geht. Das Rampenlicht gehört Florian Lipowitz, Remco Evenepoel, Primoz Roglic und auch Pellizzari als dem potenziell größten Talent im Team. Dass es nun der Australier war, der für die Equipe das Podium sicherte, beeindruckte auch Zak Dempster, den Chief of Sports bei Red Bull – Bora – hansgrohe.

"Das ganze Team kann wirklich stolz auf das sein, was es erreicht hat, vor allem angesichts der Rückschläge und Herausforderungen, denen sich alle stellen mussten“, sagte er. “Die Tatsache, dass Jai es geschafft hat, die Krise zu überstehen, seine ganze Erfahrung einzusetzen, um sich einfach durchzukämpfen ist etwas, worauf man stolz sein kann.“

Das Team geht mit großen Ambitionen in die Grand Tours. Daher kann man mit einem dritten Platz mit großem Abstand zum Sieger nicht restlos zufrieden sein: “Sicher war es ein Giro, bei dem wir uns in manchen Aspekten mehr gewünscht hätten, besonders was die Etappensiege angeht“, sagte Dempster. “Gleichzeitig ist es angesichts des Gesundheitszustands der Jungs die Lektion, die wir gelernt haben: Egal wie aussichtslos die Situation ist, es gibt immer irgendwie einen Ausweg, wenn das Team sich so sehr unterstützt und das Schiff damit über Wasser hält."

Hindley denkt schon an die Tour

Die Unterstützung, die Pellizzari im Giro-Finale Hindley zukommen ließ, kann dafür exemplarisch stehen. Und der Australier zeigte sich direkt nach der Siegerehrung bereit, dem Team etwas zurückzugeben – im Juli bei der Tour de France.

“Ich würde sehr gerne die Tour mit dem Team, das wir da stellen werden, fahren“, erklärte er. “Ich denke, dass es echt cool wäre, Teil dieses Aufgebots zu sein. Aber wir werden sehen, wie es aussieht.“ In Frankreich würde Hindley eine Unterstützerrolle für die Doppelspitze Evenepoel-Lipowitz zuteilwerden.

Mit dem Podiumsplatz beim Giro hat der 30-Jährige auf jeden Fall ein gutes Argument, das er gegenüber seinen Verantwortlichen in den Ring werfen kann. Zudem wäre die Giro-Tour-Doppelbelastung aufgrund seiner recht wenigen Renntage bisher kein Problem: “Wenn ich eine Woche auf der Couch bekomme und dann wieder anfange zu trainieren, dann wäre es schön, die Tour zu fahren“, bekräftigte er seine Ambitionen. Die sportliche Leitung wird seinen Namen auch für Juli vornotiert haben.

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