RSNplusOliver “rücksichtslos in mich reingefahren“

Heiduks stärkste Periode endete im Krankenhaus

Von Kevin Kempf

Foto zu dem Text "Heiduks stärkste Periode endete im Krankenhaus"
Kim Heiduk (Netcompany – Ineos) bei der Wallonien-Rundfahrt | Foto: Cor Vos

07.06.2026  |  (rsn) – “Road Captain will auch persönliche Freiheiten“, lautete die Zeile über dem RSN-Jahresranglisten-Artikel zu Kim Heiduk (Netcompany – Ineos) letzten Dezember. Der Deutsche hat 2026 29 Tage im Rennsattel verbracht. Auf den ersten 18 führte er vor allem die Rolle des Road Captains aus, doch bei der Classique Dunkerque (1.Pro), den Vier Tage von Dünkirchen (2.Pro) und der Wallonien-Rundfahrt (2.Pro) bekam er zuletzt die gewünschten persönlichen Freiheiten.

Diese elf Renntage endeten mit starken Resultaten und 265 UCI-Punkten - zehn mehr als Heiduk in seinen gesamten vier Profijahren bei Ineos von 2022 bis 2025 einfuhr. Doch sie endeten auch im Krankenhaus. “Ich hoffe, dass ich bald nach Hause kann“, meinte er gegenüber RSN einen Tag nach seiner Schlüsselbein-OP.

Rollentausch taugt

___STEADY_PAYWALL___

Obwohl der Abschluss der Periode kaum schlechter hätte laufen können, blickte der 26-Jährige positiv auf sie zurück. “Es hat extrem viel Spaß gemacht, in Dünkirchen und Wallonien auf Ergebnis zu fahren. Ich hatte die dazugehörige Form, um das zu rechtfertigen. Das ist schon etwas, das ich gern immer mal wieder machen würde, wenn die Beine mitspielen. Die Rolle als Leader statt die des Road Captains zu übernehmen, das taugt mir richtig“, befand er.

2022 wurde Kim Heiduk Profi bei den Ineos Grenadiers | Foto: Cor Vos

Die Classique Dunkerque schloss er als Siebter ab, die Vier Tage und Wallonien als Sechster. An den elf Renntagen sammelte Heiduk sieben Top-Ten-Ergebnisse. In Belgien hatte er sogar Axel Laurance und Tobias Foss als Helfer an seiner Seite – große Namen bei den Briten. Doch Ansprüche auf eine bleibende Rolle als Kapitän hegt der Deutsche nicht. “Ich habe gezeigt, dass ich da solide unterwegs sein kann. Ich brauche es aber auch nicht die ganze Zeit. Eine Mischung aus beidem ist perfekt für mich“, meinte er mit Blick auf seinen Status als Road Captain. “Deswegen bin ich richtig happy, dass ich die Chance bekam und sie auch nutzen konnte, auch wenn kein Sieg rausgesprungen ist“, fügte er an.

Mit dem ersten Profisieg hat es auch in Frankreich und Belgien nicht geklappt. Ein zweiter Platz hinter Laurence Pithie (Red Bull – Bora – hansgrohe) auf der 3. Etappe der Tour de Wallonie war das höchste der Gefühle. “Das macht mich nicht traurig. Natürlich hätte ich gern gewonnen, das war das Ziel des Ganzen. Ich habe mir selber bewiesen, dass ich auf dem Level sein kann und um den Sieg fighten kann. Das motiviert mich eher, als dass es mich ärgern würde, dass es nicht gereicht hat“, urteilte er. “Irgendwann kommt der Sieg. Ich mache weiter und irgendwann ist es unausweichlich“, Heiduk lachte kurz. “Hoffe ich zumindest.“

Kurvige Zielgeraden

Auch in den nächsten Wochen wird Heiduk die 0 nicht aus der eigenen Bilanz putzen können. Denn die Wallonien-Rundfahrt beendete er mehr als 19 Minuten nach dem Sieger Ben Oliver (Modern Adventure) – und das mit nur einem intakten Schlüsselbein. Mit dem Neuseeländer war der Baden-Württemberger rund 200 Meter vor dem Ziel zusammengestoßen. “Ich habe mir nur einmal grob angeguckt, was da passiert ist. Ich weiß aber, dass man nicht so viel sieht vom Sprint“, erklärte er. Genau zum Zeitpunkt des Sturzes gab es in der Live-Sendung einige fehlende Sekunden beim Schnitt von der Heli- auf die Zielkamera. Der Hubschrauber zeigte den Kontakt der Fahrer, die Zielkamera im nächsten Moment die letzten paar Meter des Sprints. Erst nachträglich wurden bessere Bilder gezeigt.

Die Aufnahmen, die die Rennkommissare sahen, verleiteten sie dazu, dem Netcompany-Fahrer zu verwarnen. “Die Gelbe Karte habe ich dafür bekommen, dass ich einen Ticken nach innen gezogen bin. Aber im selben Moment ist es aber auch eine Rechtskurve. Es ist immer das gleiche, es führt zu immer zur gleichen Diskussion“, ärgerte sich Heiduk. Das Problem der leicht abknickenden Zielgeraden führte schon zur Änderung des Finales beim Scheldeprijs (1.Pro) – und nicht nur dort zu vielen Stürzen.

Bei der Tour de Wallonie trug Heiduk einen Tag lang das Leadertrikot. | Foto: Cor Vos

“Solange es Kurven im Finale gibt, ist es die natürliche Art und Weise, dass, wenn man vorne ist, man einfach die Kurve fährt. Das habe ich versucht zu machen, ohne jemandem die Tür zuzumachen oder sonstige Sachen. Ich bin aber auch der Meinung, dass der, der gewonnen hat, ziemlich rücksichtslos in mich reingefahren ist und dafür dann nichts bekommen hat“, so Heiduk. “Am Ende ist es die Jury, die das entschieden hat und dagegen kann ich nichts machen.“

Heiduk akzeptiert die Strafe der UCI, ist sich selbst aber keiner Schuld bewusst. “Ich habe niemanden kommen sehen. Deswegen hat es mich direkt so vom Rad gerissen. Ich habe nicht gesehen, dass irgendjemand von hinten kommt oder in mich reinfährt. Damit hatte ich null gerechnet und ich wurde unvorbereitet getroffen“, erinnerte er sich. Für ihn liegt die Hauptverantwortung bei Oliver, der statt Verletzungen und Gelber Karte zwei Siege mit nach Hause nahm.

Gefährliche Streckenführung

“Meiner Meinung nach hat er versucht, durch mich durchzufahren. Aber wenn ich versuche, da zu urteilen, bringt das auch nichts. Die Jury hat entschieden und dann ist das so. Einige Leute sehen es vermutlich so und andere anders“, so Heiduk. Überhaupt war der Gesamtsechste des Rennens kritisch über die Strecke. “Man geht aus der Abfahrt in den Sprint. Zum Ziel geht es leicht ansteigend hoch, aber wir sind extrem schnell. Weil keine Anfahrer mehr zur Verfügung stehen, gibt es dann einen Stau von vorn und von hinten kommen Leute mit mehr Speed und die können nicht durch. Dann gibt es die leichte Rechtskurve“, Heiduk blies einmal aus.

Jene Rechtskurve führte zum Sturz. “Es war ein harter Impact, auch auf dem Kopf. Im Gesicht habe ich ebenfalls ein paar Verletzungen davongetragen. Ich bin aber froh, dass es keine Gehirnerschütterung ist. Da bekommt man immer mal mit, dass Leute länger zu kämpfen haben“, erzählte Heiduk. Ins Gedächtnis springt diesbezüglich sofort die Geschichte von Taco van der Hoorn (Lotto – Intermarché). “Mit dem Schlüsselbein und Abschürfungen kann ich ganz gut leben. Das kann ich ganz gut akzeptieren“, resümierte er, bevor er abschließend nach vorn blickte: “Ich fokussiere mich darauf zurückzukommen und habe da im Team und privat super Unterstützung. Deswegen mache ich mir keine Sorgen.“

RADRENNEN HEUTE

    WorldTour

  • Tour Auvergne - Rhone-Alpes (2.UWT, FRA)
  • Radrennen Männer

  • Tour de Cameroun (2.2, CMR)
  • Classique of Mauritius (1.2, 000)
  • Oberösterreich Rundfahrt (2.2, AUT)
  • Ronde de l`Oise (2.2, FRA)
  • Coppa della Pace (1.2u, ITA)
  • Vuelta Ciclista a Venezuela (2.2, VEN)
  • Brussels Cycling Tour (1.Pro, BEL)