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25.07.2026 | (rsn) – Richard Carapaz (EF Education – EasyPost) hat die Königsetappe der 113. Tour de France über 171 Kilometer von Bourg d'Oisans nach Alpe d'Huez für sich entschieden, bei seinem zweiten Tagessieg hat er aber vom Sturzpech von Sepp Kuss (Visma – Lease a Bike) profitiert. Der US-Amerikaner kam an der Spitze liegen auf den letzten sieben Kilometern gleich zweimal zu Fall und musste kurz darauf den Ecuadorianer noch an sich vorbeiziehen lassen.
Auf der Zielgeraden jagte auch noch der erneut starke Remco Evenepoel (Red Bull – Bora – hansgrohe) an Kuss vorbei und sicherte sich mit 26 Sekunden Rückstand Platz zwei vor Kuss (+0:31) und dem UAE-Duo Tadej Pogacar und Isaac Del Toro, die mit 1:05 Minuten Rückstand Arm in Arm jubelnd die Ziellinie überquerten.
Sechster und damit bester Franzose wurde Lenny Martinez (Bahrain Victorious / +1:07), wogegen sein Landsmann Paul Seixas (Decathlon – CMA CGM) am letzten Anstieg des Tages den Anschluss an die kleine Favoritengruppe verlor und mit 2:55 Minuten Rückstand Rang zehn belegte.
"Es war eine traumhafte Tour für mich. In Barcelona wusste ich nicht, dass wir um das Gesamtklassement mitkämpfen werden. Wir haben es durchgeschafft und das Trikot und ein paar Etappensiege gewonnen", sagte Carapaz im Flash-Interview.
Auch der 26-jährige Evenepoel war mit seiner Leistung zufrieden. "Ich habe gemacht, was ich konnte. 20 Sekunden entfernt vom Etappensieg, Zweiter in der Gesamtwertung, zwei Etappensiege und ein paar zweite und dritte Plätze - das ist eine supergute Tour. Ich bin sehr glücklich für mich und das Team. Ich möchte meiner Familie und dem Betreuerstab danken", sagte er im Ziel gegenüber Eurosport.
Der 27-jährige Pogacar, der sich auf der letzten Bergetappe dieser Tour ganz in den Dienst seines fünf Jahre jüngeren Teamkollegen Del Toro stellte, hat nun seinen fünften Gesamtsieg unmittelbar vor Augen. Im Gesamtklassement führt er mit 6:26 Minuten Vorsprung vor Evenepoel, der seinen zweiten Platz in trockene Tücher brachte. Del Toro (+9:42) wird das Schlusspodium in Paris komplettieren. Der 19-jährige Seixas (+11:56) bleibt auf Rang vier vor Martinez (+13:02) und dem Lidl-Trek-Duo Mattias Skjelmose (+14:59) und Juan Ayuso (+17:48). Carapaz folgt mit genau 20 Minuten Rückstand auf Rang acht.
Mads Pedersen (Lidl – Trek) gewann auch den Zwischensprint der Königsetappe und muss damit nur noch in Paris das Ziel erreichen, um das Grüne Trikot mit nach Hause nehmen zu können. Gleiches gilt für Carapaz, der zum zweiten Mal nach 2024 als Bergkönig der Tour ausgezeichnet werden wird. Lidl - Trek behauptete die Führung in der Teamwertung.
Zur alles entscheidenden Königsetappe dieser Tour über drei HC-Berge und insgesamt rund 5.500 Höhenmeter traten bei Temperaturen knapp an die 30 Grad noch 160 Fahrer an. Kurz nach dem Start ging es den 24 Kilometer langen und im Schnitt 5,2 Prozent steilen Col de la Croix de Fer hinauf. Georg Steinhauser (EF Education - EasyPost) und fünf weitere Fahrer bildeten eine frühe erste Gruppe, die jedoch vom aufmerksamen Feld 15 Kilometer vor dem Gipfel wieder gestellt wurde.
Prompt ging Visma – Lease a Bike in die Offensive und initiierte eine rund 15-köpfige Spitzengruppe, zu der neben Carapaz, Valentin Paret-Peintre (Soudal – Quick-Step) und dem Gesamtsiebten Juan Ayuso (Lidl – Trek) auch wieder Steinhauser gehörte. Im nur noch kleinen Feld kontrollierte UAE das Geschehen und ließ die Ausreißer davonziehen. Schon mehr als drei Kilometer vor dem Gipfel attackierte Carapaz und sicherte sich oben die ersten 20 von insgesamt 70 zu holenden Bergpunkten des Tages.
Hinter Paret-Peintre und dem Rest der Ausreißergruppe mit vier Visma-Profis überquerte Pedersen den Scheitelpunkt. Der Däne hatte sich im Anstieg zunächst in das Feld zurückgekämpft und sich dann aus diesem mit Blick auf den nach der Abfahrt anstehenden Zwischensprint gelöst. Auf dem Asphalt endete eine Attacke von Tiesj Benoot (Decathlon - CMA CGM). Der Teamkollege von Seixas hatte sich ebenfalls kurz vor der Bergwertung aus dem Peloton gelöst, stürzte dann aber in der Abfahrt. Allerdings konnte der Belgier das Rennen fortsetzen.
Das Streckenprofil der 20. Etappe der Tour de France. | Foto: Veranstalter
Ebenfalls in der Abfahrt schlossen die Verfolger, zu denen Steinhauser nicht mehr gehörte, zu Carapaz und Paret-Peintre auf. Am Zwischensprint nach 66,5 Kilometern sicherte sich Pedersen kampflos die maximal möglichen 25 Punkte, wodurch der 30-Jährige nur noch das Ziel in Paris erreichen muss, um das Grüne Trikot mit nach Hause zu nehmen.
Das Feld ließ es etwas gemächlicher angehen und hatte am Sprint schon fast drei Minuten Rückstand. Im Anstieg zum Col du Télégraphe fielen Pedersen, Paret-Peintre und weitere Fahrer aus der Spitze zurück. Von Ben Healy (EF Education – EasyPost) angeführt, erreichte die noch zehnköpfige Spitzengruppe die Bergwertung der 1. Kategorie, an der sich Carapaz ohne Gegenwehr zehn weitere Zähler sicherte. Der Vorsprung auf das Feld hatte sich zur Etappenmitte auf mehr als vier Minuten vergrößert.
Neben Carapaz, Healy und Ayuso gehörten zur Spitze noch das Visma-Duo Sepp Kuss und Davide Piganzoli, Thymen Arensmann und Tobias Foss (beide Netcompany – Ineos), Evenepoels Teamkollege Jai Hindley, Seixas-Helfer Matthew Riccitello sowie der Norweger Tobias Halland Johannessen (Uno-X Mobility). Auch im gleich danach folgenden Col du Galibier sorgte Healy vorn für das Tempo, wogegen im Feld UAE Unterstützung von Bahrain erhalten hatte – schließlich war Gesamtrang fünf von Martinez durch Ayuso gefährdet.
Knapp sieben Kilometer vor dem Gipfel hatte Healy seine Arbeit erledigt, während im Feld Pogacars Teamkollege Felix Großschartner nun Adam Yates in der Tempoarbeit ablöste. Fünf Kilometer vor dem mit 2.642 Metern höchsten Punkt der Tour konterte Carapaz eine halbherzige Tempoverschärfung von Ayuso, zwei Kilometer später schafften jedoch Kuss, Hindley und Riccitello den Anschluss.
Während Carapaz sich am Galibier weitere 20 Punkte – und das Souvenir Henri Desgrange - sicherte und damit auch das Bergtrikot klarmachte, übernahm Pogacar in der Favoritengruppe zwei Kilometer vor dem Gipfel die Spitze. Dem Mann im Gelben Trikot konnten nur noch Evenepoel, Seixas, Del Toro und Martinez folgen. Das Quintett überquerte den Gipfel viereinhalb Minuten hinter der Spitze, in die sich Ayuso wieder zurückgekämpft hatte.
In der Abfahrt vergrößerte sich die Favoritengruppe noch um Mattias Skjelmose (Lidl – Trek), Maxim Van Gils (Red Bull – Bora – hansgrohe und Seixas‘ Teamkollegen Nicolas Prodhomme. Bis in den Col de Sarenne hinein stellte sich Pogacar an der Spitze der Verfolgergruppe in den Dienst seines Teamkollegen Del Toro und verringerte den Rückstand auf die Spitze, aus der Riccitello in der Abfahrt zurückgefallen war, auf unter drei Minuten.
Im unteren Teil des 12,8 Kilometer langen Anstiegs schüttelten Hindley und Kuss zunächst Ayuso und kurz darauf auch Carapaz ab, ehe der Australier dem Tempo des Vuelta-Siegers von 2023 nicht mehr folgen konnte. Doch das Duo kämpfte sich wieder zurück, während in der Favoritengruppe nun Prodhomme und der zurückgefallene Riccitello für Tempo sorgten.
Doch nach einem Antritt durch Del Toro verlor Seixas den Anschluss und bildete mit Ayuso und Skjelmose ein Verfolgertrio. Aus der Spitzengruppe fiel Hindley erneut zurück, auch Carapaz hatte mächtig zu kämpfen und erreichte die letzte Bergwertung dieser Tour 20 Sekunden nach Kuss, kämpfte sich in einer Gegensteigung aber wieder näher an den Spitzenreiter heran.
Hindley wartete dahinter auf die Gruppe mit seinem Teamkollegen Evenepoel, Pogacar, Del Toro und Martinez, die wiederum eine Minute vor Seixas und der Lidl-Trek-Doppelspitze lag.
Kuss lag mit 15 Sekunden Vorsprung auf Carapaz alleine an der Spitze, als er sieben Kilometer vor dem Ziel nach einem Tunnel das erste Mal stürzte. In der Abfahrt zur gestrigen Strecke versteuerte sich Kuss kurz darauf ein weiteres Mal und landete nach einer Kurve in einem die Strecke begrenzenden Fangnetz.
Carapaz zog am demoralisierten Kuss vorbei und sicherte sich seinen zweiten Etappensieg bei dieser Tour. Dahinter attackierte im Schlussanstieg Evenepoel 2,7 Kilometer vor dem Ziel, Pogacar blieb bei Del Toro, der dem Tempo des Belgiers nicht folgen konnte. Evenepoel zog mit einem starken Finish noch an Kuss vorbei, verpasste aber den Etappensieg um 26 Sekunden.
Arm in Arm und lachend überquerten kurz darauf Pogacar und Del Toro die Ziellinie und feierten gemeinsam das Gelbe Trikot des Slowenen und den Podiumsplatz von Tour-Debütant Del Toro, der auch das Weiße Trikot gewann.
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