Baudin verteidigt bei Auvergne-Rhone-Alpes Gelb

Charmig ist der Beste der zehn Ausreißer

Von Marc Zeiringer und Kevin Kempf

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Anthon Charmig (Uno-X Mobility) feiert seinen zweiten Profisieg. | Foto: Cor Vos

08.06.2026  |  (rsn) – Anthon Charmig (Uno-X Mobility) hat auf der 2. Etappe der Tour de Auvergne-Rhone-Alpes (2.UWT) für den sechsten Saisonsieg seiner Mannschaft gesorgt. Der Däne war der Beste von ursprünglich zehn Ausreißern und schüttelte seine letzten beiden Begleiter an der finalen Steigung ab. Henri-Francois Renard-Haquin (Picnic – PostNL) belegte mit 41 Sekunden Rückstand den zweiten Platz. Er war im Sprint schneller als Vlad Van Mechelen (Bahrain Victorious), Raul Garcia Pierna (Movistar) und Clement Braz Afonso (Groupama – FDJ United).

Das Feld wurde nach 234 Kilometern mit 3:13 Minuten Rückstand vom Tagesneunten Finn Fisher-Black (Red Bull – Bora – hansgrohe) ins Ziel in Le Puy-en-Velay geführt. Mit dabei war auch Alex Baudin (EF Education – EasyPost), der damit das Gelbe Trikot verteidigte.

Für Charmig war es der zweite Sieg seiner Karriere, nachdem er 2022 bei einer Hügelankunft bei der Tour of Oman (2.Pro) triumphiert hatte. “Es ist ein unglaubliches Gefühl. Ich bekomme nicht so viele Chancen jedes Jahr und muss diese dann nutzen“, freute sich der 28-Jährige im Ziel-Interview. “Ich komme gerade direkt von einem vierwöchigen Höhentrainingslager. Wir hatten eine gute Zeit dort. Um Motivation zu sammeln, ist es das perfekte Umfeld. Das sieht man auch in den Ergebnissen“, erklärte er weiter.

Bei einem mehrwöchigen Trainingslager im Mai und Juni denkt man natürlich direkt an ein großes Rennen im Juli: “Ich hoffe, dieses Ergebnis ist gut für die Fahrerauswahl. Jetzt ist es aber wichtig, einmal diesen Sieg zu genießen“, wiegelte er die Frage nach einer möglichen Tour-de-France-Nominierung ab. Dass er bereit ist für seine zweite Grande Boucle nach 2023, zeigte er aber auf den 234 Kilometern des Tages.

“Es war heute eine sehr sehr lange Etappe. Es war sehr wichtig, die Energie für den letzten Moment zu sparen. Der vorletzte Anstieg war etwas zu lang für meine Fähigkeiten. Ich habe versucht, geduldig zu bleiben und nicht in Panik zu verfallen, als sie wegfuhren“, analysierte der im Winter von XDS - Astana zurück zu Uno-X gewechselte Profi. “Vor allem mit Benjamin Thomas hatte ich eine gute Zusammenarbeit, um zurückzukommen. Der finale Anstieg war perfekt für mich. Das war richtig gut“, resümierte er zufrieden.

Georg Steinhauser (EF Education – EasyPost) verbrachte zur Verteidigung des Gelben Trikots viel Zeit im Wind. Bester Deutscher wurde in seinem bisher längsten Radrennen Lennart Jasch (Tudor), der seinen ersten Wettkampf als Profi bestreitet, auf Rang 29. Mit ihm erreichten im 66-köpfigen Feld auch Lennard Kämna (Lidl – Trek) und Emanuel Buchmann (Cofidis) das Ziel.

Im Klassement führ Baudin weiter 32 Sekunden vor Ramses Debruyne (Alpecin – Premier Tech) und dem mit dem Belgier zeitgleichen US-Amerikaner Kevin Vermaerke (UAE – Emirates – XRG). Der Tagesachte Nadav Raisberg (NSN) übernahm das Punktetrikot von Baudin, Braz Afonso entriss seinem Landsmann das Bergtrikot. Der behauptete die Führung in der Nachwuchswertung.

So lief die 2. Etappe der Auvergne-Rhone-Alpes:

Auf dem Weg zur ersten Bergwertung des Tages am Col de Chatain (2.Kat.), nach 20 Kilometern, hatte sich aus zwei frühen Fluchtgruppen ein Quintett mit Anthon Charmig (Uno-X Mobility), Alex Diaz (Caja Rural – Seguros RGA), Raisberg, Benjamin Thomas (Cofidis) und Renard-Haquin gebildet. Thomas gewann die Bergwertung, 30 Sekunden später folgte das Peloton.

Kurz darauf setzte sich eine weitere fünfköpfige Gruppe mit Garcia Pierna, Van Mechelen, Baptiste Veistroffer (Lotto – Intermarché), Jordan Jegat (TotalEnergies) und Braz Afonso vom Feld ab, wonach das Peloton das Tempo deutlich reduzierte. Am Col de la Croix de Toutes Aures (3. Kat.) nach 35 Kilometern fanden beide Gruppen zusammen. Die Ausreißer lagen zu diesem Zeitpunkt bereits 5:40 Minuten vorn. Thomas konnte erneut den Bergpreis gewinnen und hatte damit schon sieben Bergpunkte gesammelt.

Das Streckenprofil der 2. Etappe der Auvergne-Rhone-Alpes | Foto: Veranstalter

Anschließend wurde es sehr ruhig. Die nächsten 65 Kilometer änderte sich an der Rennsituation kaum etwas. EF Education – EasyPost, das Team des Gesamtführenden Baudin, hatte die Tempoarbeit übernommen und hielt den Abstand meist bei knapp unter sechs Minuten, da Braz Afonso als bestplatzierte Ausreißer in der Spitzengruppe 5:35 Minuten Rückstand auf das Gelbe Trikot hatte.

Die dritte Bergwertung am Col Robert Marchand wurde erneut zur Beute von Thomas, der nach einer elf Kilometer langen Steigung weitere fünf Zähler sammelte und damit im Kampf um das Bergtrikot nur noch zwei Zähler hinter Baudin lag. Raisberg sicherte sich an der Sprintwertung in Saint-Bonnet-le-Froid zehn Punkte und übernahm in dieser Sonderwertung virtuell die Führung.

Frühe Attacke verkleinert Spitzengruppe

65 Kilometer vor dem Ziel zog EF Education – EasyPost das Tempo etwas an, verringerte den Rückstand schnell auf unter fünf Minuten und hielt damit den Ausgang der Etappe weiter offen. Eingangs der letzten 45 Kilometer, als die Spitzengruppe noch immer 4:45 Minuten Vorsprung hatte, griffen die ersten Fahrer an. Braz Afonso folgte einer Attacke von Veistroffer, womit sich ein neues Führungsduo bildete. Zu diesem Zeitpunkt wurde es immer wahrscheinlicher, dass der Sieger der 2. Etappe nicht aus dem Peloton kommen würde.

Zu Beginn des Anstiegs zur Bergwertung an der Côte des Baraques betrug der Vorsprung des Duos 20 Sekunden auf die Verfolger. Braz Afonso setzte sich kurz danach von Veistroffer ab. An der Bergwertung hatte er 15 Sekunden Vorsprung auf ein Verfolgerduo mit Garcia Pierna und Van Mechelen, das in der Abfahrt wenig später wieder den Anschluss schaffte. Braz Afonso übernahm Dank der gewonnenen fünf Punkte die virtuelle Führung in der Bergwertung. Dahinter bildete sich ein Verfolgerquartett mit Charmig, Jegat, Thomas und Renard-Haquin, das 20 Kilometer vor dem Ziel ebenfalls den Anschluss wiederherstellen konnte.

Am letzten kategorisierten Anstieg setzen sich zunächst Braz Afonso, Garcia Pierna und Charmig vom Rest der Ausreißer ab. 300 Meter vor dem Gipfel erhöhte der Däne erneut das Tempo und konnte sich so entscheidend von seinen Mistreitern lösen. Die versuchten nochmals alles, um hinzukommen, verloren aber auf den nächsten Kilometern viel Zeit, sodass Van Mechelen und Renard-Haquin wieder aufschließen konnten.

Charmig fuhr einem ungefährdeten Sieg entgegen, während dahinter ein spannender Sprint zu sehen war. Van Mechelen zog als Erster an, musste sich auf der Ziellinie aber Renard-Haquin geschlagen geben, der damit Platz zwei belegte und somit das beste Ergebnis seiner Karriere erzielte.

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