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08.06.2026 | (rsn) - Für die deutschen Kontinental-Teams brachte die vergangene Rennwoche extreme Kontraste zwischen triumphaler Trikotjagd und dramatischem Sturzpech. Während das Team Lotto - Kern-Haus - Outlet Montabaur bei der französischen Ronde de l'Oise (2.2) ein fulminantes Ausrufezeichen setzte, erlebten die hiesigen Mannschaften bei der Internationalen Oberösterreich Rundfahrt (2.2) und der hochkarätig besetzten Tour de Wallonie (2.Pro) in Belgien eine sportliche Achterbahnfahrt der Gefühle.
Das absolute Highlight der Woche lieferte Lotto in den französischen Departements: Mit einer geschlossenen Mannschaftsleistung kletterte Joshua Huppertz nach einem packenden Finale auf den sechsten Gesamtrang, während sein Teamkollege Silas Koech nach einer extrem engagierten Fahrweise gleich zwei Wertungstrikots mit nach Hause nahm. Ganz anders stellte sich die Situation in Belgien oder auf den Bergen Oberösterreichs dar, wo schwere Massenstürze und Defekte die Ambitionen im Keim erstickten.
Bei der viertägigen Ronde de l'Oise lief für die Equipe von Lotto - Kern-Haus - Outlet Montabaur fast alles nach Plan. Bereits auf der 1. Etappe setzte Silas Koech das erste Ausrufezeichen, als er sich in der Fluchtgruppe des Tages festsetzte, das Bergtrikot eroberte und im Tagesfinale einen starken sechsten Platz einfuhr. Das glänzende Teamergebnis rundete Jonathan Malte Rottmann mit Rang neun ab. Nachdem Koech seine Führung in der Bergwertung auf dem dritten Teilstück weiter ausbaute und Joshua Huppertz dort Achter wurde, schlug im großen Finale die Stunde der Routiniers.
Rundfahrt erfolgreich beendet: Das gesamte Team Lotto – Kern-Haus – Outlet Montabaur von der Ronde de l'Oise | Foto: Team
Huppertz sprintete auf der 4. Etappe auf ein starkes Podium und sicherte sich Rang drei, was ihm im Gesamtklassement den sechsten Platz einbrachte. Koech machte das Double perfekt und stand am Ende sowohl als Gewinner des Bergtrikots als auch der Kombinationswertung fest. Außerdem sicherte er sich den neunten Gesamtrang. "Wir hatten rund um die Oise vier Etappen, bei denen es das Ziel war, sowohl auf den einzelnen Etappen als auch im GC eine Rolle um die besten Plätze zu spielen", resümierte der Sportliche Leiter Steffen Beck gegenüber RSN hochzufrieden. Ein starker vierter Platz in der Mannschaftswertung unterstrich den geschlossenen Auftritt.
Ein gänzlich anderes Bild zeichnete sich auf den harten Etappen der Oberösterreich-Rundfahrt ab. Für eine positive Überraschung sorgte hier die Mannschaft Benotti - Berthold. Auf der schweren Königsetappe zeigte Eric Meinberg eine fahrerische Glanzleistung: Er löste sich am ersten harten Anstieg in einer umkämpften Spitzengruppe und hielt sich dort eindrucksvoll bis zur Schlussrunde. Im Finale verpasste Kapitän Patrick Reißig am letzten Anstieg aufgrund von Positionierungsproblemen zwar den Anschluss nach ganz vorne, rettete jedoch einen soliden 21. Gesamtrang ins Ziel. "Summa summarum sind wir nicht unzufrieden. Die Jungs haben am Berg einen guten Job gemacht, und das Team ist wieder ein Stück zusammengewachsen", zog Lars Wackernagel gegenüber RSN ein positives Fazit mit Blick auf das anstehende Bundesliga-Wochenende, bei dem auch Calvin Dik eine tragende Rolle spielen soll.
Viel Schatten gab es in Österreich hingegen bei MaxSolar - Raymon. Die Rundfahrt stand von Beginn an unter keinem guten Stern, als Kapitän Lachlan McNabb auf der 1. Etappe zur Rennhälfte schwer stürzte und alle Gesamtklassement-Hoffnungen begraben musste. Auf dem zweiten Teilstück schien Sprinter Jan Münzer auf bestem Weg zu einer Top-10-Platzierung, wurde jedoch 100 Meter vor dem Ziel in einen Massensturz verwickelt. Zuvor hatte Jose Maria Garcia bereits nach neun Kilometern einen Defekt erlitten. Da die Kommissare eine Barrage errichteten, musste er über 100 Kilometer lang im abgehängten Feld kämpfen. Dank der Helferdienste von Maximilian Roth schloss Garcia die einminütige Lücke bei der Bergwertung wieder und erreichte zeitgleich mit dem Feld das Ziel.
Benotti-Berthold auf den neuen in Teamfarben lackierten Rennmaschinen. | Foto: Gasparic/ Oberösterreich Rundfahrt
Am harten Abschlusstag ging nur rauf und runter, was dem geschwächten Kader weiter zusetzte. Nachdem Luke Meyer-Eland und Linus Scheitinger bei Kilometer 130 bereits abreißen lassen mussten, verlor vor den Schlussrunden auch McNabb den Anschluss. Garcia musste in der letzten Runde am Berg passen, büßte ein paar Sekunden und beendete das Rennen auf Platz 28. Am Ende blieb ihm Rang 27 im GC, während McNabb sich als 51. ins Ziel schleppte. "Die Rundfahrt war für uns enttäuschend", gab der Teamchef Heinz Kargl gegenüber RSN unumwunden zu.
Das glänzende Abschneiden von MaxSolar - Raymon am vorangegangenen Dienstag bei der Trofeo Alcide De Gasperi (1.2) in Italien stand im krassen Gegensatz dazu. In einer von heftigem Starkregen geprägten zweiten Rennhälfte setzten Garcia und Meyer-Eland eine mutige Attacke. Gemeinsam mit Alexandre Balmer (Solution Tech – Vini Fantini) an der Spitze wurde das Duo erst acht Kilometer vor dem Ziel, an der Kuppe des letzten Berges, wieder gestellt. Im Sprint einer 15-köpfigen Gruppe rettete Garcia immerhin Rang 13 ins Ziel, während Meyer-Eland 27. und McNabb Platz 31. wurde. Der Italiener Filippo D'Aiuto triumphierte.
Das Verletzungspech traf auch das Team Rembe - rad-net hart. Auf der 3. Etappe der Oberösterreich-Rundfahrt befanden sich Miguel Heidemann und Johannes Adamietz nur einen Kilometer vor den letzten beiden Anstiegen in einer hervorragenden Ausgangsposition weit vorne im Feld, als sie brutal zu Boden gerissen wurden. Während für Adamietz das Gesamtklassement damit gelaufen war, konnte Heidemann am darauffolgenden Tag gar nicht erst an den Start gehen. "Am dritten Tag sind leider Miguel und Johannes trotz sehr guter Position im Finale gestürzt", klagte der sportliche Leiter Fabian Peplau gegenüber RSN. "Die anderen Jungs haben das Beste daraus gemacht und taktisch schnell umgestellt. Insgesamt haben wir viel versucht, wurden aber leider nicht belohnt."
Auf absolutem WorldTour-Niveau bewegte sich das Feld bei der belgischen Tour de Wallonie (2.Pro), wo die deutschen Vertreter Bike Aid und Storck - MRW Bau mit offenem Visier agierten, am Ende jedoch die Brutalität des Radsports schmerzhaft zu spüren bekamen. Bei Storck - MRW Bau begann die Woche verheißungsvoll mit einem 14. Platz durch den britischen Sprinter Matthew Walls im selektiven Finale der 1. Etappe. Doch am zweiten Tag folgte das Drama: Ein massiver Sturz riss gleich fünf Storck-Fahrer zu Boden. Walls traf es am härtesten: Mit einem gebrochenen Schlüsselbein, sechs gebrochenen Rippen und einer Lungenverletzung musste er das Rennen aufgeben.
Da auch Klassement-Hoffnung Edgar Cadena die gesamte Woche über mit einer schweren Erkrankung zu kämpfen hatte, war das Team dezimiert. Dennoch zeigten Robin Kull, Jakob Neumann und Paul Keller enormen Kampfgeist. Álvaro Sagrado prägte die Fluchtgruppen auf den Etappen 3 und 5 und wurde am Schlusstag an der Seite von Cross-Spezialist Pim Ronhaar erst zehn Kilometer vor dem Ziel eingeholt. "Wir sind stolz auf den Kampfgeist, den das Team nach diesen Rückschlägen bewiesen hat", betonte Zak Coleman, sportlicher Leiter beim Team Storck - MRW Bau.
Ein beinahe identisches Schicksal ereilte die Equipe von Bike Aid. Die Saarländer zeigten sich über die fünf Teilabschnitte hinweg extrem offensiv: Anton Lennemann besetzte auf der 2. Etappe die Gruppe des Tages, während Kristians Belohvosciks gemeinsam mit Lennemann auf dem vierten Teilstück das Rennen an der Spitze aktiv gestaltete. Belohnt wurde der Aufwand jedoch nicht. Auf der harten 3. Etappe war Nahom Efriem im dezimierten Feld bergauf in einer herausragenden Position dabei, ehe ihn ein schwerer Massensturz um alle Chancen brachte. Das Pech blieb dem Team bis zum letzten Kilometer treu, als ein erneuter Sturz kurz vor dem Zielstrich den stark positionierten Victor Vidal aufhielt, während Kim Heiduk (Netcompany - Ineos) ebenfalls zu Boden ging. "Insofern haben wir leider kein zählbares Ergebnis", bilanzierte Lennemann gegenüber RSN enttäuscht, unterstrich jedoch: "Trotzdem sind wir als Team sehr stark zusammen gefahren und haben versucht, das Rennen aktiv mitzugestalten."