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10.06.2026 | (rsn) - Langsam läuft es wieder bei Lidl - Trek. Nach einem eher schwachen Frühjahr, das die Mannschaft trotz ihres starken Klassikeraufgebots ohne Podium bei einem der Monumente beendete, fuhr die deutsche Equipe einen guten Mai. Jakob Söderquist gewann eine Etappe und die Gesamtwertung der Ungarn-Rundfahrt. Beim Giro d’Italia landete Derek Gee-West auf dem starken fünften Gesamtrang, Giulio Ciccone sicherte sich das Bergtrikot und Jonathan Milan gewann die Schlussetappe in Rom.
Im Juni legte nun Quinn Simmons (Lidl - Trek) mit einem Sieg auf der 4. Etappe der Tour Auvergne-Rhones-Alpes (2.UWT) nach. Der amtierende US-amerikanische Meister gewann souverän den Sprint der Ausreißer und bescherte seinem Team den zwölften Saisonsieg. In einem spannenden Finale konnte sich die Gruppe des Tages mit nur vier Sekunden Vorsprung vor dem heranstürmenden Feld ins Ziel retten. Damit gab es, abgesehen vom Mannschaftszeitfahren, bei der Tour-Generalprobe bisher ausschließlich Ausreißersiege. ___STEADY_PAYWALL___
Wie eng es am Schluss zuging, hatte der Sieger selbst gar nicht im Blick: "Ehrlich gesagt weiß ich nicht, wie knapp es war. Ich habe nie nach hinten geschaut. Als wir mit noch 70 zu fahrenden Kilometern nur noch anderthalb Minuten Vorsprung hatten, habe ich eigentlich nicht mehr daran geglaubt. Ich wollte einfach einen harten Tag an der Spitze verbringen und habe mich voll dafür eingesetzt. Ich habe noch nie einen Sprint gewonnen. Das ist sehr cool”, erzählte Simmons im Ziel-Interview.
Dass der Junioren-Weltmeister von 2019 diesen Sprint für sich entscheiden konnte, erklärte er sich tatsächlich mit dem Finale seiner wöchentlichen Winterausfahrt in Durango: "Wir haben daheim eine Gruppenausfahrt, die ich im Winter jede Woche mache und die sehr ähnlich endet wie heute. Ich weiß, dass ich nicht besonders explosiv bin, für 30 Sekunden gibt es jedoch nicht viele Fahrer, die schneller sind als ich. Ich habe heute daran gedacht und das Finale hat sich fast genauso angefühlt.“
Das hügelige, aber nicht zu schwere Profil der 4. Etappe lag dem US-Amerikaner, der bisher alle seine Siege als Ausreißer holte. | Foto: Cor Vos
Auf den letzten Kilometern ergriff auch Simmons in der Ausreißergruppe die Initiative. Rund acht Kilometer vor dem Ziel zog der ehemalige Skibergsteiger das Tempo an und zwang seine Fluchtkollegen, nochmal vollen Einsatz zu zeigen. Diesen lieferte dann vor allem Pablo Castrillo (Movistar), der mit einer beeindruckenden Führung die Spitze des Rennens knapp vor den Verfolgern auf den letzten Kilometer brachte. Sein Teamkollege Raúl García Pierna landete am Schluss auf dem fünften Rang.
Für Simmons, der Finn Fisher - Black (Red Bull - Bora - hansgrohe) und Matteo Vercher (TotalEnergies) schließlich auf die Plätze zwei und drei verwies, ist die Rundfahrt der erste Renneinsatz nach zweimonatiger Pause, die er in den USA verbrachte. Er bewies damit erneut, dass er sich auch fernab der europäischen Radsportszene auf Rennen vorbereiten kann und keine Rennen zum "Warmfahren" benötigt.
"Ich hatte eine gute Vorbereitung dank meiner Trainer und dem Team. Ich komme direkt aus den USA, und immer wenn ich das mache, fahre ich auf einem sehr hohen Level. Ich habe schon oft gezeigt, dass ich weiß, wie ich mich auf die großen Rennen vorbereiten muss – es ist bisher nur einige Male an der Ausführung gescheitert. Heute konnte ich es allen mal zurückzahlen”, erklärte er im Ziel.
Große Priorität genießt bei Simmons traditionell das Meistertrikot. Wie im letzten Jahr bei seinem Erfolg bei der Tour de Suisse betonte er im Ziel erneut, wie stolz ihn der Sieg in den Nationalfarben mache. Die Anmerkung des Interviewers, dass dies eine seiner letzten Chancen im aktuellen Trikot sein könnte, konterte er zwinkernd jedoch selbstbewusst: "Es gibt noch ein paar Etappen hier, oder? Aber klar, man weiß nie, wann die letzte Möglichkeit ist, in einem Nationaltrikot zu gewinnen. Man muss es sich jedes Jahr aufs Neue verdienen. Ich bin so stolz, in diesem Trikot für diese Mannschaft und diese Jungs zu fahren. Diese Flagge in Europa wehen zu lassen, ist für mich wunderschön", fügte er an
Trotz des persönlichen Jubels vergaß Simmons nicht, die starke Mannschaftsleistung und besonders auch den vierten Platz im Teamzeitfahren hervorzuheben: "Wir können sehr stolz auf die gestrige Fahrt sein. So knapp dran zu sein, mit nur zwei echten Zeitfahrspezialisten, zeigt die Qualität von uns allen. Wir sind noch voll im Spiel und haben vor dem Wochenende zwei Fahrer ganz vorne im Kampf um die Gesamtwertung dabei. Wir alle haben in dieser Woche viel Selbstvertrauen aufgebaut.“
Simmons Auftritt wäre auch ohne das Meistertrikot nicht unbedingt unauffällig. | Foto: Cor Vos
Mit Blick auf die anstehenden Aufgaben und die nahende Tour de France schickte Simmons während des Interviews auch eine Adresse an die Sportliche Leitung. Auf die Frage, ob nun das Ticket für Frankreich gelöst sei, zeigte er schmunzelnd auf seine Trainer: "Du musst sie fragen, aber ich denke, ich habe mein Ticket gelöst.”
Tatsächlich steht Simmons im vorläufigen Aufgebot seines Teams für die drei Wochen in Frankreich. Zuvor geht es aber wieder zurück in die USA. Dort, das betonte Simmons nochmals, will er sein Meistertrikot verteidigen. “Danach können wir über die Tour sprechen”