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12.06.2026 | (rsn) - Etappensieg und Gelbes Trikot an einem Tag. Welch ein Triumph für Red Bull – Bora – hansgrohe bei der Tour Auvergne-Rhône-Alpes. Er kam völlig überraschend, damit hatten auch die Raublinger nicht rechnen können. Sogar in der Endabrechnung der Gesamtwertung scheint für das Team nun einiges möglich.
Ohne ihre großen Stars Remco Evenepoel und Florian Lipowitz war das Team mit dem einzigen Ziel gestartet, Etappensiege zu erringen. Am sechsten Tag hat Maxim van Gils das jetzt abgehakt. Dass Luke Tuckwell gleichzeitig mit einem recht großen Vorsprung das Gelbe Trikot eroberte, ist die unerwartete Kirsche auf der Torte.
Der Belgier Van Gils war 2025 zu Red Bull gewechselt und hatte seine drei bisherigen Siege für das deutsche Team eher bei kleineren Rennen eingefahren. Doch beim ehemaligen Critérium du Dauphiné war der 26-Jährige am Ende einer der stärksten Fahrer der Ausreißergruppe, in der sich zwischenzeitlich 60 Fahrer befanden hatten. Darunter drei weitere Profis vom Team Red Bull – Bora – hansgrohe, dessen Taktik voll aufging. ___STEADY_PAYWALL___ "Wir hatten vor ein paar Tagen darüber geredet. Deshalb hatte ich vor zwei Tagen bei der Sprintetappe extra sechs Minuten verloren, um heute in die Ausreißergruppe kommen“ zu können,“ sagte Van Gils im Flash-Interview direkt nach der Zieleinfahrt. “Ich habe es auch Callum (Thornley) die ganze Woche schon gesagt, dass wir es am Freitag schaffen werden.“
Maxim van Gils (rechts) gewann den Sprint um den Etappensieg. | Foto: Cor Vos
Zum Red-Bull-Quartett in der riesigen Spitzengruppe gehörten der Schotte Thornley, Gianni Vermeersch, Tuckwell und Van Gils, wobei Tuckwell eigentlich gar nicht in die Ausreißergruppe gehen sollte, da er der bestplatzierte Fahrer der deutschen Mannschaft mit einem Rückstand von 1:20 Minuten auf Alex Baudin (EF Education – EasyPost) im Gelben Trikot gewesen war.
Da er sich aber nun vorne befand, machte sich Tuckwell nützlich und sorgte am vorletzten Anstieg für Tempo, um seinem Teamkollegen Van Gils den Weg zum Sieg zu bereiten. Das Hauptziel war, die Spitze deutlich auszudünnen. “In einer großen Gruppe ist es immer sehr taktisch. Deshalb wollten wir am letzten Anstieg die Gruppe kleiner machen. Nach meiner Attacke habe ich dann auf Luke gewartet“, erklärte Van Gils.
Als sein australischer Teamkollege wieder bei ihm angekommen war und die Teampoarbeit übernommen hatte, konnte sich Van Gils erholen, um später im Zielsprint Tobias Halland Johannessen (Uno-X Mobility) souverän zu bezwingen.
Ein Fahrer feiert den Etappensieg, ein Teamkollege streift das Führungstrikot über - ein seltener Coup für Red Bull, die eine perfekte Ausgangssituation zum maximalen Erfolg nutzen konnten.
Luke Tuckwell setzte am letzten Anstieg das Tempo für van Gils. | Foto: Cor Vos
“Mein Sportdirektor hat mir gesagt, dass ich Spaß haben soll und etwas Verrücktes versuchen soll“, sagte Tuckwell in der Mixed Zone. Wie genau es der Australier in die Gruppe des Tages schaffte, konnte er selbst nicht richtig erklären. “Ich weiß nicht genau, wie es passiert ist, aber als ich zurückgeblickt habe, habe ich einige Klassementfahrer in der ersten Reihe gesehen. Die haben die Lücke dann aber nicht zugefahren.“
Das war ideal für Tuckwell, Van Gils und das Red Bull-Team. Sie konnten ihre zahlenmäßige Überlegenheit voll ausspielen. Zunächst gingen sie aber in Deckung. “Ich habe zu Luke gesagt, dass wir uns hinten verstecken sollten“, erklärte Van Gils in der Mixed Zone. “Ansonsten wären die anderen Teams vielleicht nicht voll gefahren.“ Dafür war die GC-Position von Tuckwell zu gut. Auch andere Fahrer wie der Deutsche Georg Steinhauser (EF Education – EasyPost) hatten Teamkollegen in der Gruppe, die Vermeersch und Co. bei der Tempoarbeit halfen.
“Ich denke, es war heute die perfekte Kombination aus Bergfahrern und Schleppern dabei, was sehr selten vorkommt in so einer großen Gruppe. Es waren immer fünf bis zehn Fahrer, die voll gefahren sind“, sagte er. Der Abstand zum Hauptfeld wurde immer größer, da Decathlon - CMA CGM, das Team des Topfavoriten Paul Seixas, keinen Fahrer vorne hatte, musste sie zunächst praktisch alleine die Nachführarbeit übernehmen. Vor den letzten zwei Anstiegen betrug der Vorsprung noch mehr als vier Minuten.
Daran hatte die Führungsarbeit von Red Bull einen großen Anteil. “Gianni (Vermeersch) hat bis zum ersten Anstieg des Tages einen unglaublichen Job gemacht“, lobte van Gils. “Callum (Thornley) hat es über den Anstieg geschafft. Im Tal konnte er dann seinen Job machen. Er ist eine Maschine. Wegen des großen Vorsprungs konnten wir nicht nur um den Etappensieg fahren, sondern auch um das Gelbe Trikot.“
Gianni Vermeersch vergrößerte den Vorsprung der Ausreißer vor dem ersten Anstieg. | Foto: Cor Vos
Zur unverhofften Chance verhalf auch, dass sich Teams wie Netcompany – Ineos und Lidl – Trek wegen Tuckwell keine Sorgen machten. Sie glaubten offensichtlich, dass der Australier im Gesamtklassement für ihre Kapitäne keine Gefahr darstellen würde. Möglicherweise kam dazu, dass durch die vielen Attacken zu Beginn es für die Sportlichen Leiter in den Begleitfahrzeugen schwer war, den Überblick zu behalten.
Nach den etwas seltsam anmutenden Taktiken zwischen Lipowitz und Primoz Roglic bei der diesjährigen Baskenland-Rundfahrt oder der Tour de France im vergangenen Jahr, bei der beide nicht wirklich zusammengearbeitet hatten und Red Bull keinen Tageserfolg erzielen konnte, sorgte Van Gils bei der Tour Auvergne-Rhône-Alpes nun dafür, dass die Raublinger bereits zwei Etappen vor Schluss etwas Zählbares in der Hand und beste Aussichten haben.
Luke Tuckwell führt nach der 6. Etappe das Gesamtklassement an. | Foto: Cor Vos
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