Tour de Suisse: Ausreißersieg nach Herzschlagfinale

Grégoire jubelt in Locarno, Pogacar weiter der Dominator

Von Guido Scholl

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Romain Grégoire (Groupama - FDJ United) hat die 2. Etappe der Tour de Suisse (2.UWT) gewonnen. | Foto: Cor Vos

18.06.2026  |  (rsn) - Romain Grégoire (Groupama – FDJ) hat sich als Ausreißer den Sieg auf der 2. Etappe der Tour de Suisse (2.UWT) gesichert. Aus einem Sextett heraus erwies sich der Franzose nach 157 Kilometern rund um Locarno als der deutlich Schnellste. Dabei verwies er den Spanier Marcel Camprubi (Pinarello – Q36.5) und den Niederländer Bart Lemmen (Visma – Lease a Bike) auf die Plätze zwei und drei.

“Es war ein wirklich harter Tag, und wir haben es als Team geschafft, gut in die Gruppe zu kommen. Wir freuen uns sehr, über diesen Sieg“, sagte Grégoire nach seinem zweiten Saisonsieg und dem ersten seines Teams auf WorldTour-Niveau. Er hatte in der Kopfgruppe Ewen Costiou als Helfer dabei, der sich in seinen Dienst stellte. Dann blickte der Franzose bereits nach vorn auf das dritte Teilstück: “Morgen wird es interessant. Es wird wohl einen großen Kampf zwischen den Sprintermannschaften und den Ausreißern geben.“

Der erneut dominante Tadej Pogacar (UAE – Emirates – XRG) hätte im Finale beinahe mit Mathias Vacek (Lidl – Trek) und Afonso Eulalio (Bahrain Victorious), der zur 14-köpfigen Gruppe des Tages gehört hatte, noch den Anschluss an die sechs verbliebenen Ausreißer geschafft. Der Mann in Gelb hatte am letzten Anstieg des Tages angegriffen und alle Konkurrenten außer Vacek abgeschüttelt.

Doch Pogacar blieb in einem Herzschlagfinale “nur“ der achte Platz, wodurch er seinen Vorsprung in der Gesamtwertung aber ausbaute. Der Slowene führt jetzt mit 2:50 Minuten vor Richard Carapaz (EF Education – EasyPost) aus Ecuador und 3:17 Minuten vor dem Italiener Andrea Bagioli (Lidl – Trek).

Mit seinem sechsten Etappenplatz verbesserte sich Vacek (+4:11) in der Gesamtwertung von Rang fünf auf Rang vier. Er war letztlich der einzige Fahrer aus dem Feld, der keine Zeit auf Pogacar einbüßte. “Ich habe mich den ganzen Tag wieder gut gefühlt und wusste deshalb, dass ich wieder ein gutes Rennen fahren kann. Der Kurs lag mir – sogar etwas besser als der gestern. Ich habe wirklich an mich geglaubt. UAE hat das Tempo gemacht, um die Gruppe wieder einzuholen, aber letztendlich war es knapp“, erzählte der Tschechische Meister gegenüber CyclingPro.Net und fügte an: “Ich freue mich aber, dass ich Tadej bergauf folgen konnte. Das klappt nicht jeden Tag. Es war schön, mit ihm da vorn zusammenzuarbeiten.“

Der Brite Finlay Pickering (Jayco - AlUla), der hinter dem Italiener Filippo Zana (Soudal – Quick Step) den fünften Platz belegt hatte, ist nun auch im Gesamtklassement Fünfter - mit 4:41 Minuten Rückstand. Zwischen Vacek und Pogacar hatte Emiel Verstrynge (Alpecin – Deceuninck) das Ziel in Locarno als Siebter erreicht. Auch der Belgier war Teil der Gruppe des Tages gewesen.

Pogacar weiter an der Spitze dreier Wertungen

Deutsche Radprofis spielten erneut keine Rolle. Maximilian Schachmann (Soudal – Quick Step) belegte 3:41 Minuten hinter dem Etappensieger Rang 49. Bester Schweizer war Tudor-Profi Marc Hirschi (+2:03) auf Platz 39. Hirschi bleibt auf Platz 23 bester deutschsprachiger Profi in der Gesamtwertung.

In den Sonderklassements änderte sich nicht viel. Vacek verteidigte sein Weißes Trikot durch die späte Flucht souverän vor Pickering (+0:25). Das Bergklassement führt nach wie vor Pogacar an. Das Gleiche gilt für die Punktewertung, wo nun aber Grégoire mit 18 Zählern gleichauf mit dem Weltmeister liegt. Pogacars UAE-Team bleibt beste Mannschaft der Schweiz-Rundfahrt.

So lief die 2. Etappe der Tour de Suisse:

Es dauerte eine Weile, ehe die Gruppe des Tages stand. Nach vielen erfolglosen Attacken setzten sich 14 Fahrer vom Feld ab. Dabei waren unter anderem der Giro-Sechste Afonso Eulalio (Bahrain Victorious), Grégoire sowie die Routiniers Bauke Mollema (Lidl – Trek) und Julian Alaphilippe (Tudor). Diese Formation wurde aber nie viel weiter als drei Minuten weggelassen. Das Team UAE – Emirates - XRG besorgte den ganzen Tag über die Tempoarbeit.

Zwischenzeitlich gingen der Equipe des Gesamtführenden allerdings die Helfer aus. Zunächst verabschiedete sich Domen Novak von der Spitze, dann Nils Politt und schließlich war auch Tim Wellens nicht mehr in der Lage, den Rückstand zu verringern. Knapp 30 Kilometer vor dem Ziel übernahm für einige Zeit EF Education – EasyPost das Zepter, doch auch dieses Team gab die Verfolgung bald auf. Da hatte die Spitzengruppe noch immer 2:15 Minuten Vorsprung.

Als alles danach aussah, als kämen die Ausreißer durch, spannte sich im ersten von zwei Anstiegen der 3. Kategorie, die das Finale prägten, Brandon McNulty (UAE – Emirates – XRG) vor das Peloton. Dem US-Amerikaner gelang es, den Rückstand bis zur Bergwertung auf gut eine Minute zu reduzieren. Dann übernahm Pogacar selbst die Tempoarbeit.

Das Streckenprofil der 2. Etappe der Tour de Suisse | Foto: Veranstalter

Im letzten Anstieg versuchte der Mann im Gelben Trikot seinen Edelhelfer Jhonatan Narvaez wegfahren zu lassen, indem er hinter ihm eine Lücke aufgehen ließ. Die schloss dann aber Vacek, so dass Pogacar nichts anderes übrig blieb, als ebenfalls nachzufahren. Dann griff er an und ging mit Vacek in die Abfahrt, wo das Duo zu Eulalio aufschloss. Der Portugiese verweigerte allerdings die Nachführarbeit.

Zana, Verstrynge, Lemmen, Pickering, Grégoire und Cabrubi hielten vorn voll dagegen. Sie erreichten den letzten Kilometer noch mit wenigen Sekunden Vorsprung. Dann begannen die Spielchen, so dass die drei Verfolger beinahe noch herangekommen wären. 300 Meter vor dem Ziel fasste sich Grégoire ein Herz und sprintete überlegen zum Sieg. Vacek, Pogacar und Bagioli ließen am Schluss ausrollen und kamen vier Sekunden später an.

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