TdS Women: Koch starke Vierte, Bauernfeind Gesamtelfte

Reusser übernimmt mit Zeitfahrsieg Gelb von Longo Borghini

Von Matthias Seng

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Marlen Reusser (Movistar) hat das Zeitfahren der 7. Tour de Suisse Women gewonnen. | Foto: Cor Vos

20.06.2026  |  (rsn) – Nachdem die ersten Tage der 7. Tour de Suisse Women (2.WWT) nicht nach Wunsch verlaufen waren, hat Marlen Reusser (Movistar) im Einzelzeitfahren Aarburg aufgedreht und sich nicht nur den Sieg auf der 4. Etappe geholt, sondern auch Elisa Longo Borghini (UAE – ADQ) aus dem Gelben Trikot verdrängt.

Die Zeitfahrweltmeisterin aus der Schweiz benötigte für den 23,8 Kilometer langen Hochgeschwindigkeitskurs 29:36 Minuten und war damit elf Sekunden schneller als die britische U23-Zeitfahrweltmeisterin Zoe Bäckstedt (Canyon – SRAM), die sich gestern die 3. Etappe gesichert hatte.

Hinter der Niederländerin Loes Adegeest (Lidl – Trek / +0:54) landete die Deutsche Straßenmeisterin Franziska Koch (FDJ United – Suez / + 1:01) nach einer starken Vorstellung bei hochsommerlichen Temperaturen auf Rang vier, Fünfte wurde Longo Borghini, die 1:04 Minuten Rückstand aufwies und damit die Gesamtführung an Reusser abgeben musste.

Vor der abschließenden morgigen Bergetappe liegt die zweimalige Gesamtsiegerin zehn Sekunden vor der Italienerin, die drittplatzierte Französin Cédrine Kerbaol (EF Education – Oatly) hat bereits 1:20 Minuten Rückstand. Auf den weiteren Plätzen folgen die Kanadierin Sarah van Dam (Visma – Lease a Bike / +1:35) und die niederländische Auftaktsiegerin Femke de Vries (Visma – Lease a Bike / +1:43), die als Tagesachte vier Positionen gutmachte.

Die Polnische Meisterin Kasia Niewiadoma (Canyon – SRAM / +1:49) behauptete den sechsten Platz. Beste Deutsche im Klassement bleibt Ricarda Bauernfeind (Lidl – Trek / +4:00), die vom 14. auf den elften Rang vorrückte - und das, obwohl die Eichstätterin in der letzten Kurve gestürzt war und mit Abschürfungen an der rechten Seite das Ziel erreicht hatte.

"Es war sehr hart, wirklich sehr, sehr hart. Ich bin von Anfang an Vollgas gefahren und habe sehr gelitten. Man fährt schnell, aber man weiß nicht, ob die anderen schneller sind. Und es fühlt sich natürlich trotzdem schnell an, selbst wenn man nicht schnell fährt. Ich wusste bis zur Ziellinie gar nichts“, sagte Reusser im Interview nach ihrem vierten Tageserfolg bei einer Tour de Suisse, mit dem sie nun auch auf Kurs in Richtung auf den dritten Gesamtsieg liegt.

Mit Blick auf die Schlussetappe rund um Villars-sur-Ollon, auf der es zweimal über den Col de la Croix und schließlich den Schlussanstieg hinauf geht, zeigte sich die 34-Jährige allerdings zurückhaltend. “Morgen wird es extrem hart. Es ist ein außergewöhnlich harter Tag, eine wirklich besondere Strecke. Ich denke, ein einziger schwacher Moment kann die gesamte Gesamtwertung verändern und mich das Gelbe Trikot“, fügte Reusser an.

Dagegen wird es die sprintstarke Bäckstedt morgen ruhiger angehen lassen können. “Die Hitze hat es extrem schwer gemacht. Ein Zeitfahren ist ja sowieso schon anstrengend, aber bei 30 Grad oder was auch immer wir heute haben, wird es richtig herausfordernd. Und da kaum Wind auf der Strecke wehte, konnte man sich auch nicht richtig abkühlen“, sagte die 21-Jährige nach ihrem Rennen im Ziel zu CyclinPro.net. “Es war die ganze Zeit raus aus der Kurve, beschleunigen, übers Limit gehen und dann wieder runter. Ein superharter Tag, aber darf ich zugeben, dass es mir ein bisschen Spaß gemacht hat? Vielleicht, vielleicht auch nicht“, grinste die Tageszweite und fügte an: “Nein, es hat schon Spaß gemacht, es war schön, mal wieder in einem Zeitfahren an meine Grenzen zu gehen.“

So lief die 4. Etappe der Tour de Suisse Women:

Neben der gestern gestürzten Gesamtzweiten Lauren Dickson (FDJ United – Suez) traten auch die Österreicherin Katharina Sadnik (Visma – Lease a Bike) und die Niederländerin Lucinda Brand (Lidl – Trek) nicht mehr zum Zeitfahren in Aarburg an.

Die früh gestartete Australierin Brodie Chapman (UAE – ADQ) erzielte bei brütender Hitze auf dem flachen Kurs mit 30:45 Minuten eine Bestzeit, die mehr als eine halbe Stunde Bestand hatte und schließlich zu Rang sechs reichen sollte. Dann war U23-Zeitfahrweltmeisterin Bäckstedt an der Reihe. Die gestrige Etappengewinnerin war bereits an der Zwischenzeit bei Kilometer 10,3 um 24 Sekunden schneller als die Zweite der australischen Zeitfahrmeisterschaften und 23 als Adegeest und Koch, die kurz nach ihr gestartet waren. Die Deutsche Straßenmeisterin überholte auch ihre eine Minute vor ihr ins Rennen gegangene Liane Lippert (Movistar) und

Mit 29:47 Minuten war Bäckstedt im Ziel um nicht weniger als 57 Sekunden schneller als Chapman, kurz hinter dem Ziel sackte die junge Britin völlig entkräftet vom Rad in die Arme der Betreuer. Kurz darauf jagte Koch ins Ziel, mit 50 Sekunden Rückstand auf Bäckstedt als zwischenzeitliche Zweite. Adegeest kam bis auf 43 Sekunden an die Bestzeit heran und verdrängte Koch auf den provisorischen dritten Rang. Danach war nur noch Reusser schneller als die Paris-Roubaix-Gewinnerin.

Das Streckenprofil der 4. Etappe der Tour de Suisse Women | Foto: Veranstalter

Maeva Squiban (UAE – ADQ) versteuerte sich 200 Meter vor dem Ziel in einer Kurve und büßte so wertvolle Zeit ein. Dennoch kam die Französin knapp eine Minute hinter Bäckstedt ins Ziel, was zunächst Rang fünf und schließlich Platz sieben bedeutete. 20 Sekunden langsamer als Squiban war die Deutsche U23-Zeitfahrweltmeisterin Justyna Czapla (Canyon – SRAM), in der Endabrechnung stand Rang 15 zu Buche.

Erst Top-Favoritin Reusser unterbot am ersten Messpunkt Bäckstedts Marke um fünf Sekunden, wogegen Steffi Häberlin (SD Worx – ProTime) hier bereits gut eine Minute langsamer war als ihre Landsfrau – und auch die Gesamtdritte Sarah van Dam (Visma – Lease a Bike) hatte hier schon 52 Sekunden Rückstand. Die als letzte Fahrerin gestartete Longo Borghini kam ebenfalls nicht an Reusser heran und lag nach 10,3 Kilometern bereits 31 Sekunden hinter der Schweizerin.

Reusser legt in der zweiten Rennhälfte noch eine Schippe drauf

Die lieferte sich in der zweiten Rennhälfte ein Fernduell mit Bäckstedt und machte Jagd auf die zwei Minuten vor ihre gestartete Niewiadoma-Phinney. Die Polin erreichte sie zwar nicht mehr, dafür erreichte sie elf Sekunden eher das Ziel als die U23-Zeitfahrweltmeisterin, was nicht nur den Tagessieg bedeutete, sondern auch das Gelbe Trikot, das Longo Borghini nach nur einem Tag wieder abgeben musste.

Angesichts des geringen Abstands von nur zehn Sekunden darf zum Finale der Tour de Suisse Women allerdings mit einem packenden Duell zwischen Reusser und Longo Borghini gerechnet werden.

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