Etappen- und Gesamtsieg bleiben in der Schweiz

Reusser gewinnt Hitzeschlacht auf der Königsetappe

Von Kevin Kempf

Foto zu dem Text "Reusser gewinnt Hitzeschlacht auf der Königsetappe"
Marlen Reusser (Movistar, links) unterbricht das Interview von Kasia Niewiadoma-Phinney (Canyon - SRAM). | Foto: Cor Vos

21.06.2026  |  (rsn) – Mit ihrem insgesamt fünften Etappensieg bei der Tour de Suisse Women (2.WWT) hat sich Marlen Reusser (Movistar) ihren dritten Gesamterfolg bei ihrer Heimatrundfahrt gesichert. Die Schweizerin gewann die 5. Etappe nach 100 Kilometern rund um Villars-sur-Ollon, wobei zwei Runden mit dem Col de la Croix (HC) absolviert werden mussten mit 7 Sekunden Vorsprung auf Cedrine Kerbaol (EF Education – Oatley), die vor der zeitgleichen Kasia Niewiadoma-Phinney (Canyon – SRAM) Zweite wurde. In dieser Reihenfolge belegten die Frauen auch das Gesamtpodium.

Tagesvierte wurde bei erneut hohen Temperaturen Kim Le Court (AG Insurance – Soudal) vor Femke de Vries (Visma – Lease a Bike). Dies entspricht auch den Gesamtplatzierungen der beiden Fahrerinnen. De Vries sicherte sich das Bergtrikot, beste Nachwuchsfahrerin wurde Kerbaol und die Punktewertung ging an Reusser.

“Wirklich cool! Eigentlich hätte ich es mir nicht schöner wünschen können. Ich bin superglücklich darüber, wie alles gelaufen ist. Ich kam nämlich nicht mit dem größten Selbstvertrauen in die Rundfahrt“, gab die Siegerin im Ziel-Interview zu. Vor zwei Wochen hatte sie den Giro d’Italia nach zweimonatiger Pause wegen eines Wirbelbruchs noch auf Rang 13 beendet.

“Aber ich habe gesagt ‘Komm, wir machen das einfach. Es ist die Tour de Suisse und man weiß ja nie…‘“, verriet sie. Nachdem sie das Zeitfahren schon für sich entschieden hatte, war sie dann auch auf der Königsetappe die Beste. “Ich fühlte mich lange gut, aber am Ende dann gar nicht mehr. Ich war wirklich nicht überlegen oder so. Kasia hat viel gearbeitet und das mir viel geholfen. Danke Kasia“, sagte sie. Das könnte man sarkastisch verstehen, so war es aber nicht gemeint.

Als die Polin ihr Eurosport-Interview gab, unterbrach Reusser es, indem sie sich zu ihrer Kontrahentin niederkniete und sie für ihre Leistung lobte. Die Canyon-Fahrerin wusste das sichtlich zu schätzen und erwiderte die Komplimente.

Beste Deutsche am Schlusstag wurde Franziska Koch (FDJ United – Suez) auf Rang 24. Die Roubaix-Siegerin hatte sich zwischenzeitlich als Solistin probiert. Die Rundfahrt beendete sie ebenfalls als beste Deutsche auch auf Platz 24.

So lief die 5. Etappe der Tour de Suisse Women:

Direkt nach dem Start ging es erstmal den restlichen Teil des Col de la Croix hinauf, wobei sich niemand bleibend lösen konnte. Das gelang dann allerdings Koch in der Abfahrt mit noch 81 zu fahrenden Kilometern. Die sich hinter ihr gebildete Verfolgergruppe konnte die Deutsche Meisterin nicht einholen.

Das gelang mit noch 51 zu fahrenden Kilometern in der einzigen vollen Überquerung des Col de la Croix aber Reusser, Niewiadoma-Phinney, Kerbaol, Megan Arens (Picnic – PostNL) undde Vries, die sich wenige Momente zuvor von der anderen Favoritinnen abgesetzt hatten.

Das Streckenprofil der 5. Etappe der Tour de Suisse Women | Foto: Veranstalter

Das Quintett erreichte die Bergwertung eingangs der letzten 42 Kilometer 1:20 Minuten vor fünf Verfolgerinnen um Elisa Longo Borghini (UAE – ADQ). Bergab fiel die 19-jährige Arens in die Verfolgergruppe zurück. In der Abfahrt blieb der Abstand zwischen den beiden Gruppe stabil, sodass das Spitzenquartett den rund 10 Kilometer langen Schlussanstieg mit einem komfortablen Vorsprung in Angriff nahm.

Einer Tempoverschärfung mit noch 8,5 zu fahrenden Kilometern fielen Kerbaol und de Vries zum Opfer. Die Schweizerin versteckte sich im Windschatten der Polnischen Meisterin. Im Hintergrund machte Le Court Jagd auf die vorn abgehängten Frauen. De Vries ließ die Afrikanerin fünf Kilometer vor dem Ziel hinter sich, während an der Spitze jetzt auch Reusser mitarbeitete.

Einen Kilometer nachdem sie den Anschluss verloren hatte, holte de Vries Le Court wieder ein. Weitere rund 1000 Meter später konterte die Meisterin von Mauritius allerdings erneut – und sie kam jetzt auch der Spitze immer näher. Doch zunächst kam Kerbaol kurz nach dem Teufelslappen an die beiden Spitzenreiterinnen heran. Sie wartete kurz und griff dann an, womit sie allerdings scheiterte. Der Konter von Reusser saß dann. Die Schweizerin konnte sich final absetzen.

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