Vom Zeitfahrer zum Klassementmann

Vacek überrascht in der Schweiz mit Podium

Von Christoph Matt

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Matthias Vacek (Lidl - Trek) | Foto: Cor Vos

21.06.2026  |  (rsn) - Dass bei der Tour de Suisse (2.UWT) ein Fahrer mit über 75 Kilo überhaupt in die Nähe einer Spitzenplatzierung im Gesamtklassement kommt, ist schon länger her. Zuletzt gelang dies Fabian Cancellara und Tony Martin, die 2009 auf den Plätzen eins und zwei landeten. Damals kam der Parcours den beiden Zeitfahrspezialisten jedoch deutlich mehr entgegen, als es dieses Jahr für Mathias Vacek (Lidl-Trek) der Fall war.

Der Tscheche mit seinen fast 1,90 Metern Körpergröße und rund 75 Kilogramm hatte es bei der diesjährigen Ausgabe deutlich schwerer und obwohl sich ihm am letzten Tag auf 151 Kilometern 4451 Höhenmeter in den Weg stellten, konnte er seinen dritten Platz im Gesamtklassement und das Weiße Trikot verteidigen.

“Es war wie erwartet eine harte Etappe. Ich habe mich von Beginn an wieder ziemlich gut gefühlt. Heute wollte ich wirklich bis zum Ende kämpfen und nicht aufgeben. Es war vor allem eine mentale Herausforderung. Ich musste einfach weitermachen, mich auf mich selbst konzentrieren und den dritten Platz im Gesamtklassement sowie das Weiße Trikot ins Ziel bringen“, resümierte der 24-Jährige im Ziel gegenüber Eurosport.

Decathlon – CMA CGM, das mit Matthew Riccitello ebenfalls um das weiße Trikot kämpfte, schlug besonders auf der letzten Runde des Parcours ein hohes Tempo an. Vacek konnte diesem jedoch folgen und musste erst im letzten Anstieg bei der Attacke von Tadej Pogacar (UAE - Emirates - XRG) reißen und den späteren Gesamt- und Etappensieger ziehen lassen. Auf die unmittelbare Konkurrenz verlor Vacek aber nicht viel Zeit. Nur 23 Sekunden büßte er auf Riccitello ein, der immerhin knapp 20 Kilo weniger den Berg hinauftragen musste.

“Mir war klar, dass ich Pogi und seinen Attacken nicht folgen kann. Deshalb bin ich mein eigenes Tempo gefahren und habe mit Unterstützung meines Teams versucht, so hart wie möglich weiterzufahren. Am Ende habe ich es geschafft und bin unglaublich glücklich, hier zu sein und Gesamtdritter geworden zu sein”, erklärte er seine Taktik.

Im Ziel wirkte Vacek von seiner Leistung selbst fast ein wenig überrascht. Eurosport-Moderator Jean-Claude Leclercq glaubte während der Rundfahrt an die Klassementqualitäten von Vacek. Sein Kollege Robert Bengsch hielt es vor der Etappe aber für ausgeschlossen, dass der Tscheche seinen dritten Platz verteidigen würde und sah ihn sogar aus den Top Ten fallen.

Das Fahrerprofil des Lidl-Trek-Profis deutete bisher eher auf einen guten Zeitfahrer hin und auch gewisse Klassikerqualitäten stellte er bei der Strade Bianche Etappe des letztjährigen Giro d’Italia unter Beweis. Bei Rundfahrten konnte er bisher zwar schon einen Podiumsplatz einfahren, allerdings kam der Parcours der Belgien-Rundfahrt 2024, die er auf Platz zwei beendete, seinen bisherigen Qualitäten deutlich näher. Vermutlich deshalb reihte er seine Platzierung bei der Tour de Suisse ganz oben in sein Palmares ein.

“Das ist wahrscheinlich eine der besten Leistungen meiner bisherigen Karriere. Die Arbeit der vergangenen Wochen hat sich wirklich ausgezahlt. Jetzt freue ich mich auf die nächsten Rennen. Ich möchte mich gut erholen und erneut um das Nationale Meistertrikot kämpfen.“

Vacek, ein ehemaliger Wahlösterreicher

Vacek ist Tscheche, fühlt sich in Österreich aber ebenso zuhause, immerhin lebte er 11 Jahre in der Alpenrepublik und ging dort zur Schule. Seine Zweitmuttersprache Deutsch - wenn auch mit österreichischem Einschlag - dürfte ihm bei seinem deutschen Arbeitgeber durchaus gelegen kommen. Im Sommer wird jedoch wohl keinen passenden Gesprächspartner an seiner Seite haben.

Noch ist das Aufgebot für die Tour de France zwar nicht fixiert, derzeit steht neben Vacek aber kein weiterer deutschsprachiger Fahrer auf der vorläufigen Startliste der Equipe. Die Vorfreude von Vacek trübt dies nicht: “Das nächste große Ziel ist natürlich die Tour de France. Bis dahin werde ich den Fokus hochhalten, aufmerksam bleiben und keine unnötigen Risiken eingehen. Wir haben keinen Stress, denn die Form ist gut. Das Team und ich können selbstbewusst sein. Ich werde alles geben und freue mich schon auf die Tour.“

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