“Wir können stolz auf uns sein!“

Lotto Thüringen Challenge: Ist nach dem Rennen vor dem Rennen?

Von Jens Claussen

Foto zu dem Text "Lotto Thüringen Challenge: Ist nach dem Rennen vor dem Rennen? "
Mit einem Doppelsieg und dem Gewinn der Teamwertung war die 1. Lotto Thüringen Challenge für Human Powered Health ein voller Erfolg | Foto: Jens Claussen

23.06.2026  |  (rsn) - Die Erleichterung stand ihnen ins Gesicht geschrieben, als die Organisatoren der 1. Lotto Thüringen Women Cycling Challenge (1.pro) am Ende eines langen und auch klimatisch fordernden Renntages mit den Aufräumarbeiten begannen. Das Projektteam des Veranstalters, bestehend aus Oliver Vogel, Niclas Schuhmacher und Thomas Nägele, hatte es binnen kürzester Zeit geschafft, ein UCI-Rennen der zweithöchsten Kategorie aus der Taufe zu heben – und war stolz auf das Endergebnis.

“Trotz extrem kurzer Vorbereitungszeit konnten wir die Veranstaltung erfolgreich durchführen und ein Rennen mit höchster Sicherheit und sportlichen Top-Leistungen der Fahrerinnen bieten. Wir sind rundum zufrieden", fiel das erste Fazit des Ausrichters direkt nach Rennende gegenüber RSN positiv aus. 

Auch der Sportliche Leiter der Veranstaltung, Karl Ammon, hatte trotz kleinerer Ungewissheiten, die das Event sowohl im Vorfeld, aber auch währenddessen begleitet hatten, ausschließlich positive Worte für sein Resümee parat. “Wir hatten schon im Vorfeld die Sorge, genügend Teams an den Start zu bekommen“, meinte er.

Nur mit einer Sondergenehmigung der UCI konnte das Pro Series-Rennen noch kurzfristig mit Clubmannschaften aufgefüllt werden. Das aber auch nur mit zeitlich derart engem Spielraum, dass das Bundesliga-Team der Equipe Stuttgart noch am Vorabend absagen musste. “Wir hatten mit Ausnahme von Lidl – Trek alle deutschen Teams am Start und mit den lokalen Mannschaften letztendlich noch ein schönes Feld an den Start bekommen. Das ist auch ein großes Signal der deutschen Teams, die signalisieren wollten: Wir möchten den deutschen Frauenradsport mit der Teilnahme an dieser Veranstaltung pushen“, war Ammon dann jedoch auch mit der Qualität der Besetzung im Nachgang zufrieden.

Auch kleinere “Pannen“ - ein Aussetzen des Tourfunks und eine damit einhergehende 20-minütige Verzögerung sowie eine geschlossene Bahnschranke, die das Feld kurzzeitig stoppte – taten der positiven Stimmung keinen Abbruch. “Das ist kein sonderlich schlimmer Vorfall, da man immer die Möglichkeit hat, solch eine Situation mit anderen Geräten zu kompensieren. Es hat zwar zu einer Verzögerung des Starts geführt; hatte jedoch auf das Renngeschehen keinen Einfluss, da wir uns noch in der Neutralisation befanden“, relativierte der Veranstalter das technische Malheur. 

Tourfunk-Aus und geschlossene Bahnschranke: “Kann passieren“

Den unfreiwilligen Stopp an einer Bahnschranke nahm Ammon mit Humor. “Seit Monaten war die Bahn mal wieder pünktlich und hat uns den Weg versperrt. Das war natürlich extrem unglücklich“, musste er schmunzeln.

“Das Bild, das Gera als Gastgeber nach außen getragen hat, ist total positiv. Das freut mich als Geraer, der selbst hier wohnt, total für die Stadt, aber auch für die ganze Region“, so Ammon, der gehört haben will, dass Gera das Rennen im nächsten Jahr wieder austragen möchte. “Ziel wäre dann schon, dass wir uns direkt nach Veröffentlichung des neuen Rennkalenders nach der WM einen guten Termin raussuchen. Entweder in Richtung Ende der Saison vor der Europameisterschaft oder zwischen den Frühjahrsklassikern und den Grand Tours.“

Etwas zurückhaltender zeigten sich die Vertreter des Veranstalters ob einer weiteren Austragung. “Natürlich hat Thüringen grundsätzlich die Möglichkeiten zur Fortführung solch einer Veranstaltung. Es sind allerdings entsprechende finanzielle Mittel notwendig, insbesondere für die Beauftragung von spezialisierten Dienstleistern und die immer höher werdenden Kosten für die Streckensicherung. Ohne die großartige Unterstützung der politischen Entscheidungsträger, die uns im Rahmen dieser Veranstaltung zugutegekommen ist und für die wir uns an dieser Stelle ausdrücklich bedanken wollen, wäre eine solche Veranstaltung nicht durchführbar", hieß es.

Gera als idealer Gastgeber für weitere Austragungen?

“Gleichermaßen möchten wir auch das ehrenamtliche Engagement besonders der Feuerwehren im Landkreis Greiz, der Sportvereine wie dem SSV Gera und der TSV Zeulenroda sowie den zahlreichen privaten Helfern und Unterstützern hervorheben. Ohne diese Hilfe wäre eine Veranstaltung dieser Größenordnung nicht möglich. Wenn es gelingt, diese Kräfte wieder zu bündeln, steht einer Weiterführung der Veranstaltung nichts im Wege. Schließlich hat man hat mit der heutigen Veranstaltung ein Beispiel erhalten, wie es gehen kann“, hieß es abschließend.

Lokalmatadorin Lena Reißner (LKT Team) wäre hoch erfreut, wenn es mit internationalem Frauenradsport in Thüringen und insbesondere in Gera weitergehen würde. “Das Rennen hat richtig Bock gemacht und es war total schön zu sehen, wie viele zum Anfeuern gekommen sind. Es würde mich sehr freuen, wenn das Rennen weiterhin Bestand hat oder sich eventuell nochmals zu einer kleinen Rundfahrt entwickeln könnte. Aber auch als Eintagesrennen hätte es Gera weiterhin verdient“, sagte Reißner, die mit der Startnummer 1 unterwegs war, gegenüber RSN.

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