Doppelsieg und zwei Tour-Trikots, Traeen holt Gelb

Lidl – Trek zieht Pedersen über den Berg und räumt groß ab

Von Sebastian Lindner

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Mads Pedersen (Lidl - Trek) hat die 4. Etappe der Tour de France gewonnen. | Foto: Cor Vos

07.07.2026  |  (rsn) – Nicht nur UAE kann Doppelsieg. Was Isaac Del Toro und Tadej Pogacar auf dem zweiten Teilstück der 113. Tour de France eindrucksvoll zur Schau gestellt hatten, machten Mads Pedersen und Quinn Simmons für Lidl - Trek zwei Tage später auf der 4. Etappe von Carcassonne nach Foix im Resultat nach - allerdings auf ganz andere Weise. Pedersen sicherte sich im Sprint einer zehnköpfigen Gruppe mit reichlich Vorsprung den Etappensieg vor dem US-amerikanischen Meister, der mit einer Hand am Lenker, mit der anderen jubelnd, vor dem Spanier Raul Garcia Pierna (Movistar) auf Rang zwei fuhr.

Weil das Hauptfeld erst mit fast 13 Minuten Rückstand ins Ziel kam, hat die Tour auch wieder einen neuen Gesamtführenden. Der heißt Torstein Traeen (Uno-X Mobility). Der 30 Jahre alte Norweger hatte vor der Etappe rund fünf Minuten Rückstand auf Pogacar und war damit der Bestplatzierte im Klassement einer anfangs mehr als 30 Fahrer starken Gruppe.

Traeen kam zeitgleich mit Pedersen ins Ziel und bescherte Uno-X damit das erste Gelbe Trikot in der Teamgeschichte. Zweiter der Gesamtwertung ist der US-Amerikaner Sean Quinn (EF Education – EasyPost) mit 28 Sekunden Rückstand.

Auf Rang drei folgt Mathias Vacek (+3:50), der als Pedersen-Helfer großen Anteil am insgesamt dritten Tour-Etappensieg seines Kapitäns hatte und sich selbst dafür mit dem Weißen Trikot als bester Nachwuchsfahrer belohnen konnte. Das Grüne Trikot ging ebenfalls an das deutsche Team: In der Punktewertung führt der Tagessieger nun mit großem Vorsprung vor Pogacar. Lidl - Trek übernahm zudem die Führung in der Teamwertung.

“Das war unser Meisterstück des Teamworks“, jubilierte Pedersen im Siegerinterview und brachte damit den Knackpunkt für seinen ersten Sieg in dieser Saison – der letzte datierte von der Vuelta 2025 – gleich im ersten Satz zur Sprache. “Ich habe am letzten Berg ganz schön gelitten. Aber mit Quinn und Vacek war es ein unglaublicher Tag und sie haben bergauf Unglaubliches geleistet, um das Tempo für mich festzulegen.“

Nur acht Sekunden fehlten Pedersen auf dem Col du Montsegur (2. Kat.) 35 Kilometer vor dem Ziel auf eine Formation, die sich im Anstieg absetzen konnte, als die große Ausreißergruppe auseinanderfiel. “Sie haben sichergestellt, dass wir nach der Kuppe nicht zu viel Zeit einbüßen. Sie waren von dort bis zum Ziel einfach Maschinen. Was für eine Teamleistung! Was für ein Teamerfolg!“, schwärmte der 30-jährige Däne.

Der neue Mann in Gelb war derweil für den Großteil der 182 Kilometer auf sich allein gestellt und musste sich in der Spitzengruppe, die rund 20 Kilometer nach dem Start stand, allein durchschlagen. Doch das meisterte er mit Bravour. “Für mich ist es noch schwer zu verstehen, wie groß das eigentlich ist“, sagte Traeen am Eurosport-Mikrofon. “Aber ich sehe es am Gesicht meines alten Coaches, ich sehe es an dem meines jetzigen. Ich sehe an allen Gesichtern um mich herum, wie besonders es ist.“

Traeen nun fast acht Minuten vor Pogacar und Vingegaard

Vor zwei Jahren hatte er bereits für vier Tage das Gesamtklassement der Vuelta angeführt, doch die Tour ist eben eine andere Hausnummer. “Ich denke, in ein paar Tagen ist das vielleicht gesackt. Die Tour ist das größte Rennen der Welt und ich muss es jetzt einfach genießen“, sagte der 30-Jährige.

Wie lange, wird sich zeigen. Die morgige Etappe, auf der es in Pau zum ersten Massensprint kommen dürfte, sollte kein Problem sein. Danach geht es zurück in die Pyrenäen, über den Col du Tourmalet. Das Polster auf Pogacar, der auf Rang vier zurückfiel, und den zeitgleichen Jonas Vingegaard (Visma – Lease a Bike) beträgt jeweils 7:53 Minuten. Quinn dürfte für die nächsten Tage die größere Gefahr sein.

Zimmermann bester Deutscher, aber ohne Chance auf Etappensieg

Auch drei Deutsche hatten es in die große Fluchtgruppe des Tages geschafft. Georg Zimmermann (Lotto – Intermarché), Nico Denz (Red Bull – Bora – hansgrohe) und Georg Steinhauser (EF Education – EasyPost) konnten aber allesamt kein Wörtchen um den Tagessieg mitreden.

Während Steinhauser für Quinn arbeiten musste und obendrein erfolgreich zur Verteidigung des Bergtrikots für Alex Baudin beitrug, in dem er an den Bergwertungen der Konkurrenz den einen oder anderen Punkt streitig machte, konnten Zimmermann und Denz im finalen Anstieg nicht mit den Schnellsten mitfahren und fanden sich im Ziel in der ersten Verfolgergruppe wieder, die mit zweieinhalb Minuten Rückstand nach Foix kam. Bester deutscher Profi war schließlich Zimmermann auf Rang 17.

So lief die 4. Etappe der Tour de France 2026

Einmal mehr ein Tag mit 40 Grad – und einer mit riesiger Spitzengruppe. Alex Kirsch (Cofidis) fuhr sich zunächst als Solist eine kleine Lücke heraus, ehe sich um ihn mehr und mehr Fahrer scharrten. Nach 34 Mann schob Nils Politt (UAE – Emirates – XRG) weiteren Angriffen, unter anderem von Alex Baudin (EF Education – EasyPost) im Bergtrikot, einen Riegel vor. Lag der Vorsprung nach 20 Kilometern bei kaum 15 Sekunden, kehrte nach Politts sportlichem Machtwort Ruhe ein. Die Gruppe stand und fuhr sich innerhalb von 15 weiteren Kilometern knapp vier Minuten Polster heraus.

Vorne dabei waren große Namen wie Pedersen, Jasper Philipsen (Alpecin – Premier Tech), Michael Matthews (Jayco – AlUla) und Biniam Girmay (NSN) aus der Fraktion der Sprinter. Kévin Vauquelin (Netcompany – Ineos), Ion Izagirre (Cofidis) und Pablo Castrillo (Movistar) aus der Gruppe der Kletterer. Und mit Nico Denz (Red Bull – Bora – hansgrohe), Georg Zimmermann (Lotto – Intermaché) und Georg Steinhauser (EF Education – EasyPost) mischten auch drei Deutsche mit. Bester im Klassement aber war Traeen mit etwas mehr als fünf Minuten Rückstand auf Gelb.

Über die ersten beiden kleinen Bergwertungen blieb der Vorsprung konstant bei rund dreieinhalb Minuten. Bis zum Zwischensprint 88 Kilometer vor dem Ziel wurde daraus eine Minute mehr. Girmay setzte sich dort vor Philipsen und Pedersen durch. Während der Däne in der Gruppe blieb, ließen sich die beiden anderen danach sofort zurückfallen, der unmittelbar danach begann der Anstieg zum Col de Coudons (2. Kat.

Pedersen am letzten Berg nur acht Sekunden hinter der Spitze

Auf den zehn Kilometern bergauf ging Jan Tratnik (Red Bull – Bora – hansgrohe) in die Offensive, Pedersens Teamkollege Mathias Vacek klemmte sich an sein Hinterrad, fuhr aber nicht vorbei. Dennoch ging der Vorsprung dann sogar auf 5:30 Minuten auf und bis zur Bergwertung sogar auf 6:45 Minuten. Tratnik und Vacek überquerten die Kuppe mit 60 Sekunden auf die Verfolger.

Oben angekommen attackierte dann Pedersen, doch die Situation beruhigte sich schnell wieder. Allerdings schaffte Kirsch aus dieser Situation heraus den Sprung zum Spitzenduo. Der Rest der Gruppe kam zwar auf Sichtweite heran, fiel dann 50 Kilometer vor dem Ziel aber doch wieder auf eine Minute zurück. Das Feld hatte derweil den Etappensieg endgültig abgeschrieben, nahm fast acht Minuten Rückstand hin.

Das Streckenprofil der 4. Etappe der Tour de France | Foto: Veranstalter

40 Kilometer vor dem Ziel wurde das Trio vor allem durch die Nachführarbeit von Steinhauser gestellt. Der fiel daraufhin genauso zurück wie Tratnik und Kirsch. Bis zum Gipfel des Col du Montsegur (2.Kat.) machte zunächst vor allem EF für Sean Quinn Druck, danach übernahm Movistar.

Während Zimmermann, Denz und Matthews abgehängt wurden, tat Lidl – Trek mit Vacek und Quinn Simmons alles dafür, Pedersen mit einem gleichmäßigen Tempo über den Berg zu kriegen. Und das gelang. Nur acht Sekunden trennten ihn an der Bergwertung von Marco Frigo (NSN), der als Erster drüber fuhr, und dem Movistar-Duo Pablo Castrillo und Garcia Pierna sowie Traeen und Ramses Debruyne (Alpecin – Premier Tech).

Pedersen lässt sich von Vauquelin nicht irritieren

In der Abfahrt fuhr Lidl – Trek wieder nach vorne zur Spitze, zehn Mann fanden sich zusammen. Eine knappe Minute dahinter sortierte sich um Denz, Zimmermann und Matthews eine zweite Formation. Der Abstand blieb über die Abfahrt konstant, auch eine kleine Gegenwelle 15 Kilometer vor dem Ziel ließ die Verfolger nicht näherkommen. Das Hauptfeld ließ es noch ruhiger angehen, kassierte mehr als zwölf Minuten.

Movistar versuchte es im Finale nochmal mit abwechselnden Attacken, Vacek und Simmons fingen aber alle ab. Und so ging es in den Sprint. Im letzten Knick 320 Meter vor dem Ziel schnippte Vauquelin zwar nochmal durch seine Linienwahl an die Spitze, doch davon ließ sich Pedersen nicht irritieren.

Der Däne ging aus dem Sattel und riss mit seinem Antritt sofort ein derart großes Loch, dass er sich in der Folge noch umdrehen konnte, um zu sehen, wie Teamkollege Simmons gegen Garcia Pierna den Doppelsieg klarmachte.

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