RSNplusLipowitz: “War uns von vornherein klar“

Fährt die Red-Bull-Doppelspitze nur noch um Platz drei?

Von Paul Grosch

Foto zu dem Text "Fährt die Red-Bull-Doppelspitze nur noch um Platz drei?"
Florian Lipowitz (Red Bull – Bora – hansgrohe) auf der 6. Tour-Etappe | Foto: Cor Vos

09.07.2026  |  (rsn) – Nach der 6. Etappe der Tour de France 2026 scheinen die Kräfteverhältnisse klar. Hinter Dominator Tadej Pogacar (UAE – Emirates – XRG) und Jonas Vingegaard (Visma – Lease a Bike) präsentierten sich auch Remco Evenepoel und Florian Lipowitz in guter Form. Die Doppelspitze von Red Bull – Bora – hansgrohe kann nun voll in den Kampf um das Podium einsteigen, auch wenn es wohl "nur" um den dritten Platz in Paris gehen wird.

“Ich denke, ich kann ganz happy sein. Es war ein superharter Tag, von Anfang an war viel Hektik dabei“, sagte Lipowitz gegenüber der ARD und nannte auch gleich den Knackpunkt: “Am Tourmalet haben meine Beine nicht ganz gereicht.“ Der Deutsche konnte nach Pogacars Attacke kurz zu Vingegaard aufschließen, musste auf dem Weg zur Bergwertung aber abreißen lassen. Der Gesamtdritte des Vorjahres fuhr dann mit Paul Seixas (Decathlon – CMA CGM) und Isaac Del Toro (UAE – Emirates – XRG) über den Col du Tourmalet. ___STEADY_PAYWALL___

Sein Co-Kapitän Evenepoel befand sich in einer weiteren Verfolgergruppe etwas weiter dahinter, konnte aber in der Abfahrt wieder aufschließen. “Ich fahre dann natürlich nicht mit, wenn ich Remco hinten habe“, erklärte Lipowitz. “Und dann kommt die Gruppe zurück.“ Am Schlussanstieg hatte Red Bull dann neben Lidl – Trek als einziges Team zwei Fahrer in der achtköpfigen Verfolgergruppe hinter Pogacar und Vingegaard.

"Die Teamleistung war top"

Die Zusammenarbeit gestaltete sich dabei etwas schwierig. “Niemand wollte superhart fahren“, erzählte Lipowitz. “Wir haben es nicht ganz geschafft, Jonas wieder einzuholen. Aber ich denke, die Teamleistung war top.“ Im Ziel belegten Evenepoel und Lipowitz die Plätze vier und sechs. Auch die Sportliche Leitung zeigte sich zufrieden, obwohl der Belgier die Bonussekunden für Platz drei verpasste und danach Kritik an seinem Mannschaftskollegen übte.

Remco Evenepoel (Red Bull – Bora – hansgrohe) leistete in der Verfolgergruppe viel Tempoarbeit. | Foto: Cor Vos

“Es lief so, wie wir es ungefähr erwartet hatten. Man sieht, dass das Level in der Verfolgergruppe sehr ausgeglichen war“, sagte der Sportliche Leiter Patxi Vila gegenüber Eurosport. “Es war eine schwere Etappe, wie erwartet. Tadej war mal wieder in einer anderen Liga. Auch wenn Jonas am Tourmalet nicht allzu weit hinter ihm war. Da hatten wir kurz Hoffnung.“ Was die Ambitionen im Gesamtklassement angeht, äußerten sich Fahrer und Sportlicher Leiter allerdings unterschiedlich - wenn auch optimistisch.

“Wir müssen um Platz drei fahren“, lautete die Devise von Lipowitz im Ziel. “Das war uns aber von vornherein klar. Bei der Performance von Tadej kann man nicht viel machen. Jonas ist der zweitstärkste Fahrer im Feld. Und dahinter wird es eng.“ Im Gesamtklassement rückte Evenepoel auf den vierten Rang nach vorne, Lipowitz ist neuer Siebter. Wichtig aber: Die Plätze drei bis sieben trennen weniger als eine Minute.

Vila hingegen wollte den Kampf um den zweiten Gesamtrang hinter Pogacar noch nicht aufgeben. “Jonas lag nur 20 Sekunden vor uns. Ich glaube, das Rennen ist bis auf den Gesamtsieg sehr offen. Tadej ist sehr weit weg. Ich glaube, dass der Rest ungefähr auf einem Niveau fährt.“ Der Spanier konzentrierte sich bei seiner Analyse vor allem auf die Abstände im Ziel.

Im Sprint der Verfolger landete Isaac Del Toro (UAE – Emirates – XRG) vor Evenepoel und nahm dem Belgier damit vier Bonussekunden vor der Nase weg. | Foto: Cor Vos

Betrachtet man die Kletterleistungen, so  war Vingegaard am Col du Tourmalet etwa 30 Sekunden langsamer als Pogacar. Lipowitz, Seixas und Del Toro lagen knapp eine Minute hinter dem Dänen. Evenepoel brauchte für den Anstieg noch einmal 15 Sekunden länger. Er fuhr in einer Gruppe mit Juan Ayuso, Mattias Skjelmose (beide Lidl – Trek) und Sepp Kuss (Visma – Lease a Bike).

Evenepoels Tourmalet-Taktik ging auf

Doch bei der Tour de France geht es nicht nur um reine Wattwerte. Die Doppelspitze aus Evenepoel und Lipowitz könnte bei der Taktik auf späteren Etappen eine größere Rolle spielen. Außerdem steht noch ein Einzelzeitfahren bevor. Del Toro ist aktuell Gesamtdritter, nur drei Sekunden vor Evenepoel. Zumindest im Kampf um Platz drei scheint für Red Bull also noch alles möglich.

Der Zeitfahrweltmeister war mit seiner Leistung zufrieden. “Es lief ganz gut. Ich habe getan, was ich konnte“, sagte Evenepoel gegenüber Sporza. “Der Plan war, ein gutes Tempo zu fahren und dabei kalkulierte Risiken einzugehen. Aber meine Taktik war letztlich, am Anstieg nicht über das Limit zu gehen und dann schnell abzufahren.“

Dieser Ansatz zahlte sich aus. “Ich kenne die Abfahrt gut. Ich hatte 15 Sekunden Rückstand. Also musste ich voll fahren“, berichtete der Belgier. Was die GC-Aussichten des deutschen Teams angeht, verortete sich der Doppel-Olympiasieger in der Mitte zwischen Lipowitz und Vila. “Es ist noch viel möglich, aber auch Jonas ist in guter Form. Das sollten wir nicht vergessen.“

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