Von Pélissier über Stöpel und Martin bis zum Norweger

Traeen muss aufgeben und sorgt für nächstes Gelb-Drama

Von Joachim Logisch aus Gavernie-Gedre

Foto zu dem Text "Traeen muss aufgeben und sorgt für nächstes Gelb-Drama"
Torstein Traeen (links) und Anders Halland Johannessen (beide Uno-X Mobility) im Ziel der 6. Etappe. | Foto: Cor Vos

09.07.2026  |  (rsn) - Um das Gelbe Trikot der Tour de France ranken sich Triumphe und viele Dramen. Das letzte Kapitel dazu schrieb Torstein Traeen (Uno-X Mobility), der als Gesamtführender in die 6. Etappe der 113. Ausgabe der Frankreich-Rundfahrt gestartet war und verletzt aufgeben musste.

In der Abfahrt vom Col du Tourmalet etwa 25 Kilometer vor dem Ziel in Gavarnie-Gedre hing sich der Norweger in einer Kurve ausgerechnet am Hinterrad seines Teamkollegen Anders Halland Johannessen auf und stürzte schwer. Benommen und sichtlich enttäuscht blieb er zunächst auf dem Boden sitzen.

Nach einer ausführlichen Untersuchung durch den Rennarzt setzte er die Etappe fort. Noch mehrmals ließ sich der Gestürzte während der letzten Kilometer vom Rennarzt behandeln. Im Ziel hatte Traeen, begleitet von seinem Sturzpartner Johanessen, fast 30 Minuten Rückstand auf Tagessieger Tadej Pogacar (UAE – Emirates – XRG), der ihm auch das Gelbe Trikot abnahm.

Den Zielstrich überquerte der Uno-X-Profi noch einigermaßen guter Dinge "Ich habe mit Anders einen Spaß gemacht, dass wir sprinten sollten. Ich weiß aber nicht, ob er mich hätte gewinnen lassen", meinte er lachend. "Ich habe es trotzdem genossen, auch wenn es nicht der beste Tag war."

Gut ging es ihm natürlich nicht. "Ich weiß noch nicht, was ist. Wir müssen schauen, was das Röntgenbild zeigt. Gerade tut mir der Kopf ein bisschen weh und meinen Rippen geht es nicht gut", verabschiedete sich Traeen zu weiteren Untersuchungen. Dabei kam laut des ärztlichen Bulletins des Teams heraus, dass Traeen eine Gehirnerschütterung und mehrere Rippenbrüche erlitt.

"Das ist wirklich nicht das Ende, das wir uns für das gelbe Abenteuer gewünscht haben", wird Thor Hushovd, der Geschäftsführer der Equipe, zitiert, der seinen Fahrer aus dem Rennen nehmen musste.

Traeens Sturz aus dem Führungs-Trikot reiht sich ein in eine lange Geschichte von geplatzten Träumen in Gelb:

2015 –Fabian Cancellara stürzt während der 4. Etappe in Gelb so schwer, dass er sich mit gebrochenen Lendenwirbeln ins Ziel quälen muss und Gelb am nächsten nicht verteidigen kann. Die Tourführung übernimmt Tony Martin, der im Finale der 6. Etappe ebenfalls zu Fall kommt und in Gelb das Rennen verlassen muss.

2013 – Große sportliche Geste: Simon Gerrans überlässt das Gelbe Trikot freiwillig seinem Orica-Teamkollegen Daryl Impey.

2010 – Cadel Evans muss Gelb abgeben, nachdem sich herausstellt, dass er sich zuvor den Arm gebrochen hatte.

2007 – Michael Rasmussen wird trotz komfortabler Führung von seinem eigenen Team (Rabobank) wegen massiver Doping-Verdachtsmomente aus dem Rennen genommen.

2006 – Oscar Pereiro übernimmt Gelb, nachdem das Feld eine Ausreißergruppe gewähren lässt.

2005 – David Zabriskie stürzt beim Mannschaftszeitfahren kurz vor dem Ziel und verliert dadurch das Gelbe Trikot.

2001 – Jens Voigt verliert Gelb ganz ohne Sturz oder Krankheit, weil sich bei strömendem Regen eine große Ausreißergruppe absetzt.

1998 – Chris Boardman stürzt in Irland gegen eine Mauer und muss verletzt aufgeben.

1996 – Stéphane Heulot gibt wegen zunehmender Knieprobleme in den Bergen auf.

1991 – Rolf Sörensen bricht sich kurz vor dem Ziel das Schlüsselbein und scheidet aus.

1989 – Pedro Delgado verpasst als Titelverteidiger seine Startzeit im Zeitfahren und verliert Gelb, bevor er richtig gefahren ist.

1983 – Pascal Simon fährt trotz Schulterverletzung sechs Tage unter Schmerzen weiter, muss dann aber aufgeben.

1980 – Bernard Hinault scheidet wegen Knieproblemen aus.

1978 – Michel Pollentier fliegt nach Sieg auf Alpe d'Huez wegen versuchten Dopingbetrugs (Fremdurin-Trick) aus dem Rennen.

1971 – Luis Ocana stürzt bei strömendem Regen in der Abfahrt schwer und muss aufgeben.

1968 – Rudi Wolfshohl stürzt, wartet vergeblich auf ein Ersatzrad und verliert entscheidende Zeit.

1965 – Bernard Van De Kerckhove erleidet am Aubisque einen Sonnenstich und steigt ab.

1951 – Wim van Est stürzt 40 Meter tief in einer Abfahrt, übersteht wie durch ein Wunder aber fast unverletzt. Helfer knoten mehrere Fahrradschläuche zusammen und ziehen ihn wieder hoch. Sein Teamchef muss ihn überreden, die Tour in Gelb aufzugeben.

1950 – Fiorenzo Magni erobert Gelb, doch das gesamte italienische Team verlässt danach das Rennen.

1937 – Gino Bartali stürzt in einen Fluss, danach verlassen beide italienischen Teams das Rennen; auch Nachfolger Sylvère Maes gibt wegen einer Zeitstrafe auf.

1932 – Kurt Stöpel, erster Deutscher in Gelb, verliert es wegen mehrerer Materialdefekte wieder, er kämpft sich aber bis zum Ende durch und wird Zweiter.

1929 – Victor Fontan erleidet einen Gabelbruch und darf sein Rad nicht wechseln – Ausscheiden.

1927 – Francis Pélissier ist der erste Träger des Gelben Trikots, der (krankheitsbedingt) aufgeben muss.

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