RSNplusKolumne zum größten Radrennen der Welt

Sengs Senf: Die Statistik lügt nie!

Von Matthias Seng

Foto zu dem Text "Sengs Senf: Die Statistik lügt nie!"
Unser Redakteur Matthias Seng glaubt keiner Statistik, die er nicht selbst gefälscht hat. | Foto: Matthias Seng

12.07.2026  |  (rsn) - Sollte Tadej Pogacar (UAE - Emirates - XRG) abergläubisch sein oder einfach nur dem Gesetz der Serie vertrauen, so wird er nach der 8. Etappe der Tour de France 2026 schon einen Haken hinter seinen fünften Gesamtsieg gemacht haben.

Wie nämlich nach Angaben der A.S.O. die Statistik ausweist, stand derjenige Fahrer, der in Bergerac das Gelbe Trikot trug, anschließend auch immer am Ende der Frankreich-Rundfahrt ganz oben auf dem Podium. Im Jahr 1961 galt das für Jacques Anquetil am Start der 19. Etappe, die als Zeitfahren nach Perigueux führte. Der als penibler Planer bekannte Franzose schien damals nicht dieser noch jungen Statistik zu vertrauen und siegte in seiner Spezialdisziplin mit fast drei Minuten Vorsprung. Sicher ist sicher!

Beim Zeitfahren in Bergerac holte Miguel Indurain nach 15 Kilometern Weltmeister Lance Armstrong ein. | Foto: Cor Vos

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33 Jahre später holte sich der Spanier Miguel Indurain im Einzelzeitfahren der 9. Etappe - diesmal war Bergerac das Ziel - ebenfalls mit einem souveränen Sieg das Gelbe, um es danach bis Paris nicht mehr herzugeben. Der Baske beschränkte sich danach auf die Verteidigung seiner Führung und gab sich selbst im zweiten Einzelzeitfahren jener Tour mit Rang drei zufrieden. Wozu mehr tun als nötig? Das Gelbe Trikot war ihm laut Statistik ja nicht mehr zu nehmen.

Nibali und Froome und nun Pogacar 

Weitere 20 Jahre danach verteidigte der Italiener Vincenzo Nibali am Ende der 19. Etappe in Bergerac seine Gesamtführung. Die betrug diesem Zeitpunkt bereits 7:10 Minuten, sodass er der Statistik nicht mehr durch einen weiteren Tagessieg nachhelfen musste. Da hatte Nibali schon derer vier auf seinem Konto. Tags darauf bestritt er im Gelben Trikot das Einzelzeitfahren von Bergerac nach Perigueux, das übrigens Tony Martin gewann. Für Nibali sprang Rang vier heraus, womit er auf sein Polster im Klassement noch ein paar Sekunden draufpackte.

Schließlich machte der Brite Chris Froome 2017 auf dem Weg zu seinem vierten und letzten Tour-Triumph im Gelben Trikot am Ende der 10. Etappe Station in der zweitgrößten Stadt der Dordogne an. Und auch damals holte sich ein Deutscher den Tagessieg: Marcel Kittel bezwang im Sprint seinen Landsmann John Degenkolb.

Wie sich die Bilder gleichen: Mit Marcel Kittel gewinnt ein Quick-Step-Sprinter in Bergerac. | Foto: Cor Vos

Am Samstag nun kam der 27-jährige Pogacar im Gelben Trikot wohlbehalten ins Ziel der 8. Etappe der 113. Frankreich-Rundfahrt in Bergerac. Mit 2:42 Minuten Vorsprung auf Jonas Vingegaard strebt der Weltmeister unbeirrbar den Tour-Rekord an. Den teilen sich bisher Anquetil, Indurain, Eddy Merckx und Bernard Hinault. Kaum jemand zweifelt daran, dass Pogacar am 26. Juli in diesen erlauchten Kreis aufsteigen wird, so ihm nicht ein Sturz oder eine Erkrankung einen Strich durch die Rechnung machen sollte.

Das aber wird nicht passieren, denn - wie wir allen wissen: Die Statistik nämlich lügt nie. Zumindest so lange nicht, bis sie durch eine neue widerlegt wird!

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