Slock fehlen auf 8. Tour-Etappe 1400 Meter

Merlier auch in Bergerac unantastbar, Ackermann Siebter

Von Sebastian Lindner

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Tim Merlier (Soudal – Quick-Step) hat auch die 8. Tour-Etappe gewonnen. | Foto: Cor Vos

11.07.2026  |  (rsn) – Tim Merlier (Soudal – Quick-Step) ist der beste Sprinter der Tour de France 2026. Das stellte der Belgier auf der 8. Etappe von Périgueux nach Bergerac über 180 Kilometer mit seinem zweiten Sieg in Folge eindrucksvoll unter Beweis. Die Angelegenheit war für den 33-Jährigen dabei noch klarer als am Vortag in Bordeaux. Wieder kam Merlier von weit hinten, wieder flog er an allen anderen vorbei. In seinem Windschatten wurde Biniam Girmay (NSN) Zweiter, Rang drei ging an Olav Kooij (Decathlon – CMA CGM), den Etappensieger von Pau.

War Bergerac bei der letzten Zielankunft 2017 noch eine “deutsche Hochburg“ – Marcel Kittel siegte damals vor John Degenkolb, Rüdiger Selig wurde Vierter, auch damals begann der Tag in Périgiueux – war diesmal deutlich weniger drin. Pascal Ackermann (Jayco – AlUla) war auf Rang sieben bester Deutscher, Max Kanter (XDS – Astana) wurde auf den letzten Metern ausgebremst und fuhr als Neunter über die Linie. Für Phil Bauhaus (Bahrain – Victorious) reichte es nur zu Platz 17.

Jasper Philipsen (Alpecin – Premier Tech) konnte die gute Vorarbeit seines Teams wieder nicht nutzen und musste sich mit Rang vier begnügen. Direkt dahinter sorgte der Tscheche Pavel Bittner für das erste vorzeigbare Ergebnis von Picnic – PostNL. Gleiches galt für Rick Pluimers, der im Tudor-Trikot Sechster wurde. 

Mads Pedersen (Lidl – Trek) hingegen zählte zu denen, die nicht zufrieden sein dürften. Der Däne musste als Zwölfter hinnehmen, dass sein Vorsprung in der Punktewertung doch arg zusammenschrumpfte. Nur noch 15 Zähler Vorsprung auf Merlier sind ihm geblieben. Tadej Pogacar (UAE – Emirates – XRG) verteidigte die Führungen in der Gesamt- und der Bergwertung, sein Teamkollege Isaac Del Toro bleibt bester Jungprofi. An der Spitze der Teamwertung bleibt Lidl - Trek.

Dieser Kategorie ist Tagessieger Merlier längst entwachsen. “Es ist oft so, dass wenn man einmal gewinnt, gleich der zweite Sieg folgt. Von drei (Sprint)-Etappen habe ich zwei gewonnen. Meine Tour ist praktisch schon vorbei“, lachte er. Die Konkurrenz würde es vermutlich freuen, denn sportlich kann ihm aktuell kein Sprinter etwas entgegensetzen. Dennoch wäre es dieses Mal fast schiefgegangen. “Ich musste die ganze Zeit um meine Position kämpfen. Kurz vor der letzten Kurve war ich ein bisschen eingeklemmt. Dann bin ich fast gestürzt. Ich dachte schon, dass es vorbei ist“, erzählte Merlier.

Aufgeben stand jedoch nicht zur Debatte: “Ich habe versucht, wieder zurückzukommen zu den Leuten, die den Sprint angefahren haben. Ich bin mit so viel Speed gekommen. Bei 250 Metern habe ich mir gesagt, ich probiere es jetzt. Dann sehen wir. Auf den letzten 50 Metern konnte ich nicht mehr treten.“ Musste er aber auch nicht.

An der Spitze des Klassements alles beim Alten

Etwas früher gingen einem anderen Profi die Beine auf. Der war allerdings auch den ganzen Tag in der Fluchtgruppe gewesen. Als letzter Übriger eines Trios schaffte es Liam Slock (Lotto – Intermarché) bis 1400 vors Ziel, bevor ihn sich das Feld wieder einverleibte und einen spannenden Kampf beendete.

An der Spitze des Gesamtklassements gab es keine Änderungen. Pogacar behauptete mühelos das Gelbe Trikot des Gesamtführenden vor Jonas Vingegaard (Visma – Lease a Bike), der unverändert 2:42 Minuten Rückstand aufweist. Dritter bleibt sein Teamkollege Del Toro (+3:27). Florian Lipowitz (Red Bull – Bora – hansgrohe / +4:00) ist als bester deutscher Fahrer Gesamtsiebter.

So lief die 8. Etappe der Tour de France 2026:

Wie auch an den vergangenen Tagen begleiteten Temperaturen jenseits der 30-Grad-Marke das Feld vom Start bis ins Ziel. Was diesmal jedoch anders war: Erstmals auf einer Flachetappe saß die erste Attacke nicht. Es dauerte aber nicht lange, bis sich ein Spitzentrio fand. Wieder war Lotto – Intermarché dabei federführend, doch nicht mit Baptiste Veistroffer, dem Ausreißer auf den ersten beiden Flachetappen, sondern mit Slock. Dem Belgier schlossen sich Jakub Otruba (Caja Rural – Seguros RGA), Veistroffer-Begleiter des Vortages, und Thibault Guernalec aus der bislang blassen TotalEnergies-Mannschaft an.

Zunächst hielten Soudal – Quick-Step und Alpecin – Premier Tech die Leine wieder ausgesprochen kurz – und zwar bei anderthalb Minuten. Erst nach 60 Kilometern wurde diese dann etwas länger und bis auf 2:15 Minuten ausgeworfen. Doch das war nur ein kurzes Zwischenhoch. Zur ersten Zwischenwertung des Tages, einem Bergpreis der 4. Kategorie, waren davon noch 1:20 Minuten übrig. Weil der hintere Teil des Feldes in den engen, gewundenen Straßen von Domme sogar zum Stehen kam, ging die Schere danach aber doch wieder auf.

Bis zum Zwischensprint war die Lücke für die Verfolger auch nicht mehr zu schließen. Während Otruba aus der Spitze heraus gewann, war es hinten im Feld Philipsen, der sich vor Kanter und Pedersen durchsetzte. XDS – Astana hatte wieder für den Deutschen den Spurt angefahren.

Das Streckenprofil der 8. Etappe der Tour de France | Foto: Veranstalter

40 Kilometer vor dem Ziel setzte sich Slock an der zweiten Bergwertung (4. Kategorie) ab und jagte solo dem Ziel entgegen. Dahinter versuchten erst Kasper Asgreen (EF Education – EasyPost) und dann Jonas Abrahamsen (Uno-X) das Feld zu zerlegen. Der Erfolg blieb allerdings aus, der Hügel war dafür einfach nicht schwierig genug.

Bei noch 28 zu fahrenden Kilometern wurde in Guernalec der erste Ausreißer gestellt, kurz darauf war der Tag auch für Otruba gelaufen. NSN hatte sich zum Zeitpunkt verstärkt in die Nachführarbeit eingebracht. Slock kämpfe verbissen und hatte zehn Kilometer vor dem Ziel noch eine Minute Vorsprung. Alpecin und Soudal begannen zu pokern, warteten auf Unterstützung der anderen Teams.

Fünf Kilometer vor dem Ziel übernahm Astana und 1400 Meter vor dem Ziel wurde Slock doch noch gestellt. Durch die beiden Kurven kurz vor dem Teufelslappen sowie bei 600 Meter vor dem Ziel kamen alle Sprinter unfallfrei durch. Erneut wurde Philipsen von Mathieu van der Poel perfekt positioniert wurde. Doch der Belgier konnte dann weder Merlier, der links an seinem Landsmann vorbeiflog, noch Girmay und Kooij auf der anderen Seite etwas entgegensetzen.

Die Kombination aus van der Poel und Girmay war es, die für Kanter eine unlösbare Aufgabe darstellt. Der sich zurückfallen lassende Niederländer blockierte die direkte Route, links zogen Girmay und seine Verfolger vorbei. Der eigentlich gut positionierte Kanter musste rausnehmen und sich mit Rang neun begnügen. Besser lief es für Ackermann, der in der Zielanfahrt dieses Mal sogar etwas Unterstützung bekam und Siebter wurde.

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