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12.07.2026 | (rsn) - Der Chef persönlich hat bei Alpecin – Premier Tech den Knoten zum Platzen gebracht: Mathieu van der Poel fuhr mit einer absoluten Willensleistung den ersehnten ersten Etappensieg bei der diesjährigen Tour de France für sein Team ein. Aus einer Ausreißergruppe heraus gewann der Niederländer die wegen der extremen Hitze auf 155 Kilometer verkürzte hügelige 9. Etappe zwischen Malemort und Ussel vor dem Norweger Tobias Halland Johanessen (Uno-X Mobility) und dem Briten Tom Pidcock (Pinarello – Q36.5). Vierter wurde mit Alex Baudin (EF Education – EasyPost) aus Frankreich ein weiterer Ausreißer.
Was van der Poels dritten Tour-Etappensieg nach der schwierigen ersten Woche für Alpecin – Premier Tech umso bemerkenswerter machte: Der Rekord-Crossweltmeister hatte die anfangs 16-köpfige Gruppe des Tages nicht nur mit einer Attacke initiiert. Gut 25 Kilometer vor dem Ziel war es einem weiteren Angriff van der Poels zu verdanken, dass sich das entscheidende Quartett bildete, das bis zum Schluss durchhielt. Zu dem Zeitpunkt war der Vorsprung schon auf 30 Sekunden geschrumpft. Und als wäre das nicht schon genug, fuhr der 31-Jährige den letzten Kilometer allein von vorn.
“Der Start der Tour verlief für unser Team nicht großartig. Wir sind aber wie immer ruhig geblieben“, räumte der auch von der andauernden Hitze sichtlich erschöpfte Etappensieger im Ziel-Interview ein und betonte: “Wir haben immer daran geglaubt, dass wir das Blatt wenden können, egal ob in der zweiten oder in der dritten Woche.“ Es sei aber schön, jetzt bereits mit einem Sieg in den ersten Ruhetag zu gehen.
Der im Sprint deutlich unterlegene Halland Johannessen haderte ein wenig damit, dass UAE – Emirates – XRG der Gruppe des Tages keinen größeren Vorsprung gewährt hatte. Denn Ziel es gewesen, Zeit im Gesamtklassement zurückzuholen. Gegen van der Poel zu sprinten sei “vielleicht etwas doof“ gewesen. Aber: “Wenn ich gewonnen hätte, wäre es ganz sicher der coolste Sieg meiner Karriere gewesen“, sagte der Norweger schmunzelnd.
Auch Pidcock hatte Grund zum Hadern – allerdings mit der Technik. Denn sowohl kurz nach der letzten Bergwertung als auch im Zielsprint klemmte die Schaltung des Mountainbike-Olympiasiegers. “Ich weiß nicht, was da los ist. Mein Rad hat die gesamte Rundfahrt perfekt funktioniert. Und heute, als es um den Sieg ging, habe ich dann solche Probleme“, trauerte Pidcock der verpassten Chance nach. Der Brite war neben van der Poel die zweite prägende Figur der Etappe, indem er mehrere Angriffe platzierte. So schloss er auch erst durch ein Solo zur Ausreißergruppe auf.
Sechs Sekunden hinter dem Spitzenquartett gewann der Italiener Filippo Ganna (Netcompany – Ineos) den Sprint der großen Verfolgergruppe mit allen Favoriten vor dem Dänen Mads Pedersen (Lidl – Trek) und dem Australier Michael Matthews (Jayco – AlUla). Die Teams von Pedersen und Ganna hatten auf den letzten 40 Kilometern – vergeblich – versucht, die Vorarbeit von UAE zu nutzen und die Ausreißer zu zurückzuholen.
Vor dem Ruhetag gab es an der Spitze des Gesamtklassements keine Änderungen. Tadej Pogacar (UAE – Emirates – XRG) verteidigte mühelos das Gelbe Trikot des Gesamtführenden vor Jonas Vingegaard (Visma – Lease a Bike), der unverändert 2:42 Minuten Rückstand aufweist. Dritter bleibt Pogacars Teamkollege Isaac Del Toro (+3:27), der auch an der Spitze der Nachwuchswertung steht. Pogacar führt zudem die Bergwertung an
Florian Lipowitz (Red Bull – Bora – hansgrohe / +4:00) ist auf Rang sieben bester deutscher Fahrer, drei Positionen hinter seinem belgischen Teamkollegen Remco Evenepoel (+3:30. “Es war definitiv ein superharter Tag und ich freue mich auf den Ruhetag morgen“, sagte der 25-jährige Lipowitz im Ziel zur ARD.
Gesamtfünfter bleibt Lidl-Trek-Kapitän Juan Ayuso (+3:44) vor der französischen Hoffnung Paul Seixas (Decathlon – CMA CGM / +3:55). Pedersen baute seinen Vorsprung in der Punktwertung durch den Gewinn des Zwischensprints und Rang sieben im Ziel auf 45 Zähler zu Biniam Girmay (NSN) aus. Bestes Team ist weiterhin Lidl – Trek.
Durch die Verkürzung der Etappe um 30 Kilometer – eine Reaktion der Jury auf die enorme Hitze – fiel es der Equipe Lidl – Trek recht leicht, das Feld bis zum Zwischensprint zusammenzuhalten. Nach knapp 15 Kilometern sicherte sich Pedersen dort souverän die 25 Punkte vor Girmay und Jasper Philipsen (Alpecin – Premier Tech). Anschließend folgte Angriff auf Angriff, doch erst 93 Kilometer vor dem Ziel lancierte van der Poel die entscheidende Attacke.
Daraus ging zunächst eine 16-köpfige Spitzengruppe hervor, die im Anstieg zum Suc au May (2. Kat.) auf acht Fahrer schrumpfte: van der Poel, Pidcock, Tobias Halland Johannessen, Baudin, Quinn Simmons, Derek Gee-West (Lidl – Trek), Pablo Castrillo (Movistar) und Lennert Van Eetvelt (Lotto – Intermarché) bildeten die Spitze.
Doch weit weg ließ UAE – Emirates das Oktett nicht. Der maximale Vorsprung betrug lediglich 1:25 Minuten. Gut 40 Kilometer vor dem Ende erhielt die Pogacar-Mannschaft Unterstützung von Netcompany – Ineos und zog sich in der Folge aus der Tempoarbeit zurück. In der Anfahrt zum letzten Bergpreis, dem Mont Bessou (4. Kat.) war es dann vorbei mit der Einigkeit. Van der Poel war die Frustration anzumerken, als der Abstand zu den Verfolgern auf 30 Sekunden zusammenschmolz.
Das Streckenprofil der 9. Etappe der Tour de France | Foto: Veranstalter
Der achtmalige Cross-Weltmeister attackierte unten in den 900 Meter langen Anstieg hinein und schüttelte 25 Kilometer vor dem Ziel alle Begleiter außer Halland Johannessen und Pidcock ab. In der Abfahrt schloss auch Baudin wieder auf. Dieses Quartett erhöhte den Vorsprung wieder auf knapp eine Minute, ehe Pidcock ein Problem mit der Schaltung bekam. Wütend trat er mit dem rechten Fuß gegen den Umwerfer, der bald wieder funktionierte.
Gee-West und Simmons ließen sich zurückfallen, um Pedersen zu helfen, der mit der gut 40-köpfigen Hauptgruppe über den letzten Bergpreis gekommen war. Mit Carlos Verona war ein weiterer Helfer von Lidl – Trek dort. Dagegen sparten die Lidl-Klassementfahrer Juan Ayuso und Matias Skjelmose Kräfte. Für die Tempoarbeit im Feld war vor allem Netcompany – Ineos zuständig.
Den Kampf auf Biegen und Brechen hin zum Ziel entschieden trotz eines geringen Vorsprungs im Sekundenbereich allerdings die Ausreißer für sich. Van der Poel führte das Quartett auf die ansteigende Zielgerade. 200 Meter vor der Linie eröffnete der Niederländer den Sprint und ließ den anderen keine Chance. Den Sprint aus dem ersten Feld entschied etwas überraschend Ganna vor Pedersen für sich.
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