Pidcock: “Schon am Start haben sie mich im Auge behalten“

Warum machte UAE den relativen Ruhetag zur wilden Hatz?

Von Kevin Kempf

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Tim Wellens (UAE - Emirates - XRG) schraubte das Tempo im Feld in die Höhe. | Foto: Cor Vos

12.07.2026  |  (rsn) – Es hätte so schön sein können: Eine auf dem Papier nicht sonderlich schwere Etappe der Tour de France stand nach acht harten und heißen Tagen zwischen Malemort und Ussel auf dem Programm. Die wurde wegen erneuter Höchsttemperaturen sogar verkürzt. Gerechnet wurde mit einer Etappe für die Ausreißer – und eine solche geht im Allgemeinen oft Hand in Hand mit einem relativen Ruhetag für das Peloton.

Nicht so am Sonntag. Auf 155 Kilometern wurde rund dreieinhalb Stunden Vollgas gefahren. Sechs Sekunden trennten die vier Ausreißer von den 31 Fahrern, die noch als “Feld“ angedeutet wurden. Von relativer Ruhe war keine Rede. Verantwortlich dafür war in großen Teilen UAE – Emirates – XRG. Als eine Gruppe weg zu sein und der Widerstand der Meute gebrochen schien, kamen die Männer des Leader Tadej Pogacar an die Spitze. Der ohnehin kleine Abstand wurde auf knapp unter eine Minute zurückgebracht.

Doch warum der ganz Aufwand? Die Frage stand auch in den Ziel-Interviews im Raum. “Ich habe absolut keine Ahnung“, erzählte der Tagesvierte Alex Baudin (EF Education – EasyPost) im Eurosport-Interview. “Alle in der Ausreißergruppe dachten sich: Was zum Teufel? Warum? Ich weiß, da waren Tobias (Johannessen) und ein paar andere, Pidcock. Ja, ein paar Fahrer in der Gesamtwertung, aber die liegen etwa zehn Minuten zurück“, kannte der Franzose das Klassement gut aus dem Kopf. Ihm blieb darum nur eine – sarkastische – Schlussfolgerung: “Ich glaube, sie haben Angst vor mir. Ich liege 43 Minuten zurück in der Gesamtwertung, also müssen sie vorsichtig sein.“

Ratlosigkeit bei Adrie van der Poel

Auch Adrie van der Poel, Vater des Sieger Mathieu van der Poel und selbst zweifacher Tour-Etappensieger, konnte sich keinen Reim auf die Aktion machen. “Nicht wirklich. Aber das ist auch egal. Jedes Team hat seine eigenen Interessen und macht seinen eigenen Plan. Wir machen das auch. Das macht Radsport so interessant“, befand er bei Eurosport.

Der Tagesdritte hingegen vermutete am RSN-Mikrofon, dass er und Tobias Johannessen (Uno-X Mobility) der Grund für den UAE-Eifer war. “Ich glaube, schon am Start haben sie mich ein bisschen im Auge behalten. Aber ich denke, sie haben alle Fahrer innerhalb von 10 Minuten im Blick behalten, nur damit sie einen leichteren Tag haben. Aber am Ende, wenn sie den Vorsprung bei einer Minute halten, dann spielt es eigentlich keine Rolle“, erzählte der Brite.

Pogacar bringt - ein bisschen - Licht ins Dunkel

Letztendlich trat Pogacar selbst vor die Eurosport-Kameras und probierte die Taktik seiner Mannen zu erläutern. “Die Gruppe hatte ungefähr eine Minute und wir sind einfach unser Tempo gefahren“, berichtete er. Dafür, warum dieses Tempo so hoch liegen musste, dass immer mehr Fahrer zurückfielen und der Rückstand zur gut zusammenarbeitenden Gruppe - da noch aus acht Profis bestehend - langsam kleiner wurde, gab er keine Erklärung.

Dafür verriet er, dass man den Plan gehabt habe, im Finale die Zügel locker zu lassen. “Als die Hügel hinter uns lagen, wollten wir mit Tim (Wellens) einfach zum Ziel fahren. Dann haben andere Teams uns die Arbeit abgenommen und sind Vollgas gefahren. Für uns war es ein guter Tag“, urteilte der vierfache Toursieger. Und dem soll am Montag ein weiterer solcher folgen, um die heutigen Strapazen wieder aus den Beinen zu bekommen: “Morgen gönne ich mir Ruhe und gute Nahrung von unserem Ernährungsfachmann und unseren Köchen. Der Ruhetag wird sehr schnell vorbei sein.“

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