Evenepoel Zweiter der 10.Tour-Etappe, Lipowitz 4.

Pogacar nimmt in Le Lioran Revanche und baut Tour-Führung aus

Von Guido Scholl

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Tadej Pogacar (UAE – Emirates – XRG) hat die 10. Etappe der 113. Tour de France gewonnen. | Foto: Cor Vos

14.07.2026  |  (rsn) - Er hat Revanche genommen: Tadej Pogacar (UAE – Emirates – XRG) holte sich in Le Lioran, wo er vor zwei Jahren eine Niederlage gegen Jonas Vingegaard (Visma – Lease a Bike) hatte einstecken müssen, seinen dritten Tagessieg bei der diesjährigen Tour de France. Sein dänischer Widersacher musste sich nach 166,6 Kilometern der 10. Etappe durch das Zentralmassiv mit Platz sieben begnügen und büßte deutliche 44 Sekunden. 32 Sekunden hinter dem Mann in Gelb entschied der zwischenzeitlich bereits distanzierte Remco Evenepoel (Red Bull – Bora – hansgrohe) den Sprint der ersten Verfolgergruppe für sich und sicherte sich Rang zwei.

Sein Teamkollege Florian Lipowitz hinterließ zwar einen stärkeren Eindruck als der Belgier. Allerdings konnte Evenepoel den Rückstand kleinhalten und in der Abfahrt nach Le Lioran wieder aufschließen. Lipowitz belegte zeitgleich mit Jungstar Paul Seixas (Decathlon – CMA CGM, +0:34) Rang vier und verpasste so knapp Bonussekunden. Mit dem 19-jährigen Seixas fuhr am Nationalfeiertag immerhin ein Franzose aufs Podest. Zwischen ihm und Vingegaard erreichte das Lidl – Trek-Duo Juan Ayuso und Mattias Skjelmose (beide +0:38) das Ziel.

“Das war heute ein unglaublicher Tag. Das Team hat super gearbeitet. Ich wusste aber bis zum letzten Kilometer nicht, ob ich gewinne“, fasste Pogacar die Schlussphase zusammen. Er gab zu, die Etappe von vor zwei Jahren im Hinterkopf gehabt zu haben, als ihn Vingegaard im Schlussanstieg einholte und im Zweiersprint besiegte. Seinen entscheidenden Angriff hatte der Slowene diesmal erst 15,5 Kilometer vor dem Ziel gesetzt und damit etwas später als 2024, als die Etappe aber auch einen anderen Verlauf hatte.

 

Florian Lipowitz, der sich auf Gesamtrang sechs verbesserte, hatte über den Funk mitbekommen, dass sein belgischer Co-Kapitän zurückgefallen war. Darauf habe er aber nicht reagieren können, weil er selber am Limit fahren musste. “Es war ein richtig harter Tag. Mit dem zweiten Platz von Remco können wir super happy sein. Für mehr hat es heute nicht gereicht“, konstatierte die deutsche Tour-Hoffnung gegenüber Eurosport.

Der Zeitfahrweltmeister räumte gegenüber Eurosport ein, im Finale einen schlechten Moment gehabt zu haben. “Ich vertraute meinen Abfahrtsfähigkeiten und bin dann schnell runtergefahren, ohne zu verrückte Sachen zu machen“, sagte Evenepoel. Er habe in dieser Phase auf den zweiten Etappenplatz gehofft, womit er das bislang beste Resultat seiner Mannschaft bei dieser Frankreich-Rundfahrt einfuhr.

Evenepoel und Lipowitz rücken im Klassement vor

Pogacar hat im Gesamtklassement jetzt schon 3:36 Minuten Vorsprung auf Vingegaard. Evenepoel rückte auf den dritten Platz vor und weist 4:06 Minuten Abstand auf. Auch Lipowitz machte eine Position gut und ist nun Gesamtsechster (+4:44) hinter Ayuso (+4:22) und Seixas (+4:35). Pogacar baute im Vorbeigehen auch seine Führung in der Bergwertung aus, wo er mit 42 Punkten vor Vingegaard (27) liegt. Dritter ist Richard Carapaz (EF Education – EasyPost, 19) aus Ecuador, der für eine späte Attacke als aktivster Fahrer des Tages ausgezeichnet wurde.

Bester Nachwuchsprofi ist jetzt der Spanier Ayuso, der 13 Sekunden vor Seixas liegt. Der bisherige Spitzenreiter Isaac Del Toro (UAE – Emirates – XRG / +0:46) fiel auf Rang drei zurück-In der Punktwertung baute der Däne Mads Pedersen (Lidl – Trek) seinen Vorsprung zum Eritreer Biniam Girmay (NSN) auf 64 Zähler aus, indem er den Zwischensprint des Tages gewann. Beste Mannschaft bleibt Lidl – Trek, auf Platz zwei liegt UAE – Emirates – XRG (+24:18 Minuten).

So lief die 10. Etappe der Tour de France:

Bis zum Zwischensprint, der nach gut 25 Kilometern abgenommen wurde, ließ Lidl – Trek keinen Fahrer um mehr als ein paar Sekunden weg. Max Kanter (XDS – Astana) hätte Pedersen dort fast die Tour vermasselt, doch der Däne schob sich auf den letzten Metern noch am Deutschen vorbei. Dritter wurde Biniam Girmay (NSN) vor Jasper Philipsen (Alpecin – Premier Tech). Anschließend folgten direkt Attacken – doch der Kampf um die Gruppe des Tages verlief wie schon am Sonntag ausgesprochen zäh.

120 Kilometer vorm Ziel setzten sich dann zunächst 14 Mann ab. Diese Gruppe wuchs trotz Gegenwehr von UAE – Emirates – XRG auf 31 Fahrer an und baute ihren Vorsprung Sekunde um Sekunde aus. Die große Spitzengruppe war stark besetzt: Mathieu van der Poel (Alpecin – Deceuninck), Ben Healy (EF Education – EasyPost), Kevin Vauquelin, Thymen Arensman (Netcompany – Ineos), Valentin Paret-Peintre (Soudal – Quick Step), Luke Plapp (Jayco – AlUla), Marc Hirschi (Tudor) und Georg Zimmermann (Lotto – Intermahrché) gehörten dazu.

 

Nach der ersten Bergwertung lösten sich Javier Romo (Movistar) und Harold Tejada (XDS – Astana) aus der Kopfgruppe. Wenig später begaben sich Healy, Sergio Higuita (XDS – Astana) und Louis Vervaeke (Soudal – Quick Step) auf die Verfolgung, woraufhin sich van der Poel bald ins Feld zurückfallen ließ. Im Anstieg zum Col de la Griffoul (2. Kat.) schüttelte Romo dann Tejada ab. Somit hatte UAE – Emirates – XRG bald nur noch einen Ausreißer zu kontrollieren. Pogacars Helferriege hatte schon zuvor nie mehr als 1:30 Minuten Abstand zugelassen.

Das Streckenprofil der 10. Etappe der Tour de France | Foto: Veranstalter

Im Anstieg zum Puy de Mary (1. Kat.) war es dann auch um Romo geschehen, der tapfer kämpfende Spanier wurde 38 Kilometer vor dem Ende eingeholt. Kurz darauf griff Richard Carapaz (EF Education – EasyPost) an und fuhr bis zu 40 Sekunden Vorsprung heraus. Davon waren an der Bergwertung nur noch knapp 20 Sekunden übrig – auch weil Nicolas Prodhomme (Decathlon – CMA CGM) auf dem letzten Kilometer Adam Yates (UAE – Emirates – XRG) an der Spitze der Verfolgergruppe abgelöst und ein enorm hohes Tempo angeschlagen hatte.

In der Abfahrt konnte Carapaz seinen Vorsprung dann auf mehr als eine Minute ausbauen, auch weil die Gruppe dahinter in Folge von mehreren Stürzen - unter anderem ging Tom Pidcock (Pinarello – Q365.) zu Boden - etwas an Tempo herausnahm. Yates übernahm im folgenden Col du Pertus (1. Kat.) wieder die Nachführarbeit. 15,5 Kilometer vor dem Ziel griff Pogacar dann an. Im Handumdrehen hatte der Slowene das Loch zu Carapaz zugefahren. In die Abfahrt gingen beide als Solisten vor der Gruppe der übrigen Podiumskandidaten, die den Ecuadorianer bald einholte.

Lipowitz unterliegt Seixas im Duell um die letzten Bonussekunden

 

Mit 22 Sekunden Vorsprung fuhr der Mann in Gelb in den letzten Anstieg der 3. Kategorie. Dort musste Evenepoel abreißen lassen – bereits zuvor war Pogacars Teamkollege Isaac Del Toro zurückgefallen. Sein Kapitän baute seinen Vorsprung wiederum sukzessive auf die von Vingegaard angeführten Verfolger aus. Oben kam der Solist mit 42 Sekunden an. In der kurzen Abfahrt zum Zielort konnte Evenepoel die Lücke zur Gruppe vor ihm wieder schließen.

Bis zur Ziellinie kämpfte Pogacar um jede Sekunde und jubelte erst, als er die Linie überquert hatte. Im Zielsprint erwies sich Evenepoel dann als der deutlich Stärkste, während Vingegaard als letzter der Gruppe mit hängendem Kopf über den Strich fuhr.

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