RSNplusEvenepoel und Lipowitz machen Boden gut

Red Bull trotz Wackler mit Punktsieg im Kampf ums Tour-Podium

Von Felix Mattis aus Le Lioran

Foto zu dem Text "Red Bull trotz Wackler mit Punktsieg im Kampf ums Tour-Podium"
Remco Evenepoel (Red Bull - Bora - hansgrohe) im Ziel der 10. Tour-Etappe | Foto: Cor Vos

14.07.2026  |  (rsn) – Zweiter und Vierter am Ende des Tages, Zeitgewinne auf alle Kontrahenten ums Podium, mit Ausnahme von Überflieger Tadej Pogacar (UAE – Emirates – XRG) und den Etappendritten Paul Seixas (Decathlon – CMA CGM): Das Ergebnis der 10. Etappe der Tour de France 2026 (2.UWT) in Le Lioran war aus Sicht von Red Bull – Bora – hansgrohe glänzend – obwohl es zwischendurch auch einen Wackler im System gab.

"Unser Plan war, dass uns einer von den Fahrern, die um das Podium kämpfen, ins Netz geht. Ich glaube, das haben wir erreicht. Wir haben ein paar Sekunden auf Jonas (Vingegaard) aufgeholt, und noch ein paar mehr auf Isaac (Del Toro)", bilanzierte der Sportliche Leiter Patxi Vila in Le Lioran am Mikrofon von radsport-news.com. "Es war ein positiver Tag."

Vor allem der Zeitgewinn von - inklusive der Bonifikation - 1:05 Minuten durch Evenepoel und 57 Sekunden durch Lipowitz auf Pogacars 'Kronprinz' Isaac Del Toro, der vom dritten auf den siebten Gesamtrang zurückfiel, war ein echter Punktsieg für das deutsche WorldTeam. Doch auch auf den Gesamtzweiten Jonas Vingegaard (Visma – Lease a Bike) machten Evenepoel (18) und Lipowitz (zehn) Sekunden gut, auf das Lidl-Trek-Duo Juan Ayuso und Mattias Skjelmose zwölf (Evenepoel) beziehungsweise vier (Lipowitz). ___STEADY_PAYWALL___

"Wir haben immer gesagt, dass das Podium unser Ziel ist. Tadej ist komplett außer Reichweite. Das ist eine andere Geschichte. Im Moment gibt es das Rennen zwischen den Podiumskandidaten", stellte Vila klar, wer die Gegner seiner beiden Kapitäne sind.

Mit Remco Evenepoel (li.) und Florian Lipowitz (2.v.re.) war Red Bull in der Verfolgergruppe doppelt vertreten. | Foto: Cor Vos

Etwas Kritik musste man sich bei Red Bull aus Radsport-Deutschland gefallen lassen, weil Lipowitz am Col de Font de Cère (3. Kat.), dem letzten Berg des Tages, nicht voll mit durchzog, um Del Toro weiter zu distanzieren, nachdem auch Evenepoel in Probleme geraten war.

Doch für den Tour-Dritten von 2025 schien das selbstverständlich: "Ich habe gehört, dass Remco eine Lücke aufgehen lassen hat und da blieb für mich nichts anderes übrig, als zu warten und zu hoffen, dass er zurückkommt. Und dann macht er noch den zweiten Platz, das freut mich wahnsinnig", sagte Lipowitz im Ziel und Vila erklärte auf Nachfrage von RSN, dass es momentan oberste Priorität für das Team habe, beide Co-Leader im Rennen ums Podium zu halten.

"Einer unserer beiden Leader hatte Probleme, der andere hat ihn unterstützt, indem er nur noch am Hinterrad der Konkurrenz geblieben ist. Wir wollen unsere zwei Optionen so lange wie möglich aufrecht erhalten. Das ist ein taktischer Vorteil für uns", so der Spanier.

Die fragliche Szene ereignete sich knapp drei Kilometer vor der Kuppe des letzten Bergpreises, etwa 5,8 Kilometer vor dem Ziel. Unter Vingegaards Tempodiktat in der Verfolgergruppe um Lipowitz, Seixas, Ayuso und Skjelmose hinter Solo-Leader Pogacar musste Evenepoel abreißen lassen. Der Vorsprung der Gruppe auf den bereits früher zurückgefallenen Del Toro betrug da bereits 37 Sekunden. Doch Evenepoel platzte nicht, er fuhr sein Tempo weiter und kam in der Abfahrt anschließend wieder heran – und sprintete dann auf den letzten ansteigenden 600 Metern zum Ziel noch an allen vorbei zu Platz zwei.

Starke Vorstellung: Florian Lipowitz hielt zunächst problemlos in der Verfolgergruppe mit, um seinem Teamkollegen Evenepoel im Finale dann sogar noch einige Helferdienste zu leisten. | Foto: Cor Vos

"Heute war wirklich ein harter Tag und ich hatte einen schlechten Moment am letzten Anstieg. Ich war kurz davor, Krämpfe zu bekommen. Aber ich habe meinen Abfahrtsfähigkeiten vertraut, bin schnell runtergefahren, ohne zu verrückte Sachen zu machen. Dann habe ich etwas Energie gespart, indem ich hinten im Windschatten gesessen habe, und 250 Meter vor dem Ziel habe ich Gas gegeben", schilderte der Belgier seine letzten sechs Kilometer gegenüber Eurosport und ließ sich bei Sporza einen Seitenhieb gegen Vingegaard nicht nehmen: "Am Ende ging es ihm schlechter als mir", grinste Evenepoel.

Vila lobte den Doppel-Olympiasieger: "Es war nicht ideal. Aber es hat seinen Charakter gezeigt - ein bisschen wie am Tourmalet. Er ist erfahren genug, dass er die Anstrengung steuert und nicht explodiert. Er gibt nicht auf und kämpft weiter. Das ist die Reife, die sich zeigt", meinte der Sportliche Leiter und zog auch den Hut vor Lipowitz: "Florian, ehrlich wie immer, hat den Sprint für Remco angezogen, so dass der die Bonussekunden einstreichen konnte. Leider ist er selbst nur Vierter geworden. Ich hätte es gerne gehabt, dass er die restlichen Bonussekunden mitnimmt – aber das war dennoch gut!"

Lipowitz machte an der Zielrampe Tempo für Evenepoel

Tatsächlich sorgte Lipowitz mit seinem Tempo an der Zielrampe von der Hauptstraße hinauf zur Skistation von Le Lioran wohl auch dafür, dass Vingegaard platzte und seine Sekunden einbüßte. Im TV-Bild war der Moment, als der Däne zurückfiel, nicht genau zu sehen. Aber der Deutsche erklärte, dass sein Tempobolzen nicht nur den Sprint-Leadout für Evenepoel bezwecken sollte.

"Wenn Remco nochmal zurückkommt, hat er definitiv das schnellere Bein und Jonas hat superviel gearbeitet. Deshalb war er, glaube ich, ziemlich am Limit an dem letzten Kicker. Dann haben wir versucht, noch ein paar Sekunden rauszuholen und ich glaube, mit dem zweiten Platz können wir sehr happy sein", sagte er RSN und gab zu, dass man dabei natürlich auch von der vielen Führungsarbeit, die Vingegaard zuvor geleistet hatte, profitierte: "Ich glaube, Jonas war noch zuversichtlich, dass wir Pogacar zurückholen. Und wenn er dann die Arbeit macht, können wir uns natürlich ein bisschen zurücknehmen und um den zweiten Platz fahren."

Im Sprint um Rang drei musste sich der Tour-Dritte des Vorjahres Paul Seixas (Decathlon – CMA CGM) knapp geschlagen zu geben. | Foto: Cor Vos

Letztendlich blieb ein durchweg positives Fazit beim weiterhin sehr souverän und ruhig wirkenden Lipowitz. "Meine Beine waren ziemlich gut nach dem Ruhetag", meinte er am ARD-Mikrofon. "Mit Remco und mir schaut es richtung Podium ganz gut aus. Die richtig harten Etappen kommen noch, aber wir können zuversichtlich in die zweite Woche starten", meinte der 25-Jährige und auch Evenepoel blickte optimistisch voraus.

"Es ist schön, etwas Zeit auf Jonas zu gewinnen, gerade mit dem Wochenende in Sicht. Es wird die nächsten Tage sehr wichtig, ruhig zu bleiben. Ab Freitag muss ich dann so gut wie möglich überleben. Gerade Samstag und Sonntag wird es aber einen großen Kampf ums Klassement geben. Wir werden sehen, wie das läuft. Aber ich merke, dass ich jeden Tag besser werde!", so der Tour-Gesamtdritte von 2024.

In der Gesamtwertung hat Evenepoel als Dritter nun 4:06 Minuten Rückstand aufs Gelbe Trikot, aber nur noch 30 Sekunden auf Vingegaard. 16 Sekunden hinter Evenepoel liegt Ayuso, weitere 13 Sekunden dahinter Seixas und bei 4:44 Minuten auf Pogacar folgt Lipowitz – also 38 Sekunden hinter seinem Co-Leader.

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