RSNplusGesamtrang zwei bei der Tour in Gefahr?

Vingegaard lässt erstmals auch Federn gegenüber Lipowitz & Co.

Von Tom Mustroph aus Le Lioran

Foto zu dem Text "Vingegaard lässt erstmals auch Federn gegenüber Lipowitz & Co."
Jonas Vingegaard (Visma - Lease a Bike) im Ziel der 10. Tour-Etappe | Foto: Cor Vos

14.07.2026  |  (rsn) – Auf der 10. Etappe der Tour de France war Jonas Vingegaard (Visma – Lease a Bike) erneut chancenlos gegen Tadej Pogacar (UAE – Emirates – XRG) und büßte darüber hinaus auch Zeit auf die Red-Bull-Doppelspitze Remco Evenepoel und Florian Lipowitz sowie die weiteren Podiumskandidaten ein.

“Morgen ist auch noch ein Tag“, sagte der Däne beim Abkühlen vor dem Teambus in Le Lioran. Der Ausspruch dürfte nicht unbedingt auf die flache 11. Etappe von Vichy nach Nevers gemünzt gewesen sein. Vielmehr machte der Mann im geborgten Gepunkteten Trikot – Führender ist auch hier Pogacar - den Eindruck, diesen ersten Abschnitt nach dem ersten Ruhetag dieser Tour so schnell wie möglich vergessen zu wollen. Denn erneut hatte er gegenüber seinem Rivalen Pogacar das Nachsehen gehabt.

“Ich spürte, dass ich wahrscheinlich explodieren würde, wenn ich versuchen würde, ihm zu folgen“, beschrieb er die Situation, als Pogacar einen guten Kilometer vor der Kuppe des Col de Pertus (1.Kat.) einfach mal so aus der Favoritengruppe herausfuhr. Das Tempo des Slowenen war in diesem Moment auch für Vingegaard zu hoch. “Deshalb dachte ich mir, ich sollte mein eigenes Tempo fahren“, erklärte er dem dänischen Fernsehen. ___STEADY_PAYWALL___

Dann aber geschah, womit wohl weder Vingegaard gerechnet haben dürfte, noch diejenigen, die seit Jahren das Tour-Duell der beiden beobachten. Vingegaards Tempo war nicht nur zu niedrig, um noch zu Pogacar aufzuschließen. Es reichte nicht einmal mehr aus, sich die restliche Konkurrenz vom Leibe zu halten. Ob Lipowitz, Evenepoel, Paul Seixas (Decathlon – CGM CMA) oder Juan Ayuso (Lidl – Trek), sie alle ließen sich vom Gesamtzweiten nicht abschütteln.

Gegen die Attacke von Tadej Pogacar (UAE – Emirates – XRG) war auch Vingegaard machtlos. | Foto: Cor Vos

Im Visma-Lager versuchte man diesen Aspekt der Niederlage möglichst kleinzureden. “Diese kleinen Anstiege liegen mir nicht so. Ich hoffe einfach auf die langen Kanten, die noch kommen“, meinte der zweimalige Toursieger. Sein Sportchef Marc Reef konstatierte gegenüber Eurosport: “Wir wussten, dass so eine Situation entstehen kann. Das haben wir auch gestern schon besprochen, dass er dann einfach weitermachen soll. Das müssen wir in dem Moment so akzeptieren. Es ist möglich, dass die anderen auch um das Podium fahren oder auch gegen ihn kämpfen.“

Reef blieb nichts anderes übrig, als Verständnis dafür zu äußern, dass sein Kapitän in den Augen der anderen plötzlich zur potenziellen Beute und eben nicht mehr als außer Reichweite erachtet wird. “Das gehört zum Radsport, wenn man erst die Arbeit und Energie von einem anderen benutzt und es dann auf dem Weg zum Ziel selbst versucht“, spielte er darauf an, dass sein Schützling im Ziel das Red-Bull-Duo, Seixas und auch Ayuso und dessen Teamkollegen Mattias Skjelmose noch sich vorbeiziehen lassen musste. “So ist die Situation nun mal. Wir sind hier, um das Rennen zu gewinnen. Das versuchen wir auch. Das versuchen wir auch. Aber wir müssen auch realistisch sein. Pogacar ist der Stärkste“, fügte Reef an.

Vingegaard will die Flinte noch nicht ins Korn werfen

Der 29-jährige Vingegaard hingegen versuchte, noch ein paar positive Aspekte daraus zu ziehen, dass er mal nicht der alleinige Verfolger Pogacars war. Er zeigte sich erfreut darüber, Unterstützung in der gemeinsamen Nachführarbeit erhalten zu haben. “Wenn ich Hilfe bekomme, nehme ich sie an“, meinte er lakonisch. Groß auffordern habe er die Begleiter nicht müssen, fügte er an: “Sie waren von Anfang an selbst dazu bereit, haben mir auch geholfen, als es etwas steiler wurde.“

Finale machte Jonas Vingegaard (Visma – Lease a Bike, im Gepunkteten Trikot) Tempo in der Verfolgergruppe, um seinen Anstrengungen dann aber im Zielsprint Tribut zu zollen. | Foto: Cor Vos

Dass es trotzdem nicht reichte, um Pogacar näher zu kommen, lag an der Erschöpfung, der eigenen, und der um ihn herum: “Ich glaube, sie hatten alle selbst zu kämpfen“, sagte Vingegaard, dessen Rückstand im Gesamtklassement gegenüber Pogacar nun bereits 3:36 Minuten beträgt.

Die große Überlegenheit des Slowenen zu diesem Zeitpunkt erkannten Vingegaard wie Reef an. Die Flinte ins Korn werfen wollten sie aber nicht. Die die Schlacht sei noch nicht verloren, insistierte Reef vehement. “Wir müssen angesichts des Rückstands zwar realistisch bleiben. Pogacar war jetzt zweimal stärker. Aber das Ziel ist in Paris. Bis dahin wollen wir kämpfen“, versprach der Niederländer. Und auch Vingegaard ließ sich zu einer optimistischen Äußerung hinreißen: “Meine Beine werden immer besser und ich freue mich auf die längeren Anstiege. Hoffentlich können wir noch zwei gute Wochen fahren.“

Aktuell kommt es für ihn aber erst einmal darauf an, Platz zwei in der Hackordnung wieder zu festigen – und sich zugleich etwas Geniales gegen Pogacar einfallen zu lassen. Für einen überwältigenden Versuch wirkt sein Team– abgesehen vom italienischen Tour-Debütanten Davide Piganzoli – im Moment allerdings zu schwach auf der Brust. Das Momentum liegt eindeutig auf Seiten Pogacars. Und das schon jetzt, zu Beginn der zweiten Woche.

Im Ziel waren Vingegaard Erschöpfung und Enttäuschung gleichermaßen anzumerken. | Foto: Cor Vos

 

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