RSNplusAuf 13. Tour-Etappe in neuer Rolle

Pogacar als Wasserträger: “Das ist zu hart für mich!“

Von Tom Mustroph aus Belfort

Foto zu dem Text "Pogacar als Wasserträger: “Das ist zu hart für mich!“"
Tadej Pogacar (UAE – Emirates – XRG) auf der 13. Etappe der Tour de France | Foto: Cor Vos

17.07.2026  |  (rsn) - Es gibt noch Dinge im Radsport, bei denen Tadej Pogacar (UAE – Emirates – XRG) nicht durch Brillanz heraussticht. Nein, in diesem Falle handelt es sich nicht um Massensprints. Die gehören zwar weiterhin nicht zu seinem Exzellenz-Portfolio. Aber auf dieser 13. Etappe der Tour de France betätigte Pogacar sich in einer für ihn recht ungewohnten Teildisziplin: als Wasserträger.

Von RSN auf der Pressekonferenz dazu befragt, wie er sich in dieser Rolle gefühlt habe, gab der Weltmeister eine doch überraschende Auskunft: “Es ist, um ehrlich zu sein, zu hart für mich. Vor allem, wenn alle in einer Linie fahren, ist es wirklich nichts für mich.“ ___STEADY_PAYWALL___

Der Träger des Gelben Trikots erläuterte dann, wie es zu der ungewohnten Tätigkeit kam. “Ich hielt für eine Pinkelpause an. Ich war dann am Teamfahrzeug und ließ mir ein paar Flaschen geben für die Jungs, die vorn das Tempo machten. Sie tun das ja die ganze Tour für mich, alle zehn Minuten lässt sich einer für die Flaschen zurückfallen. Jetzt war ich eben mal am Auto und nahm ein paar extra Flaschen mit.“

Auf der 13. Tour-Etappe war Tadej Pogacar (UAE – Emirates – XRG) in ungewohnter Rolle zu sehen – wenn auch nur kurzzei-tig. | Foto: Cor Vos

Noch beim Erzählen schien ihm die Anstrengung von dieser Situation total gegenwärtig. Er ergänzte jedenfalls: “Es ist ein harter Job, ganz ohne Scherz!“ Seine Teamkollegen dürften sich ob des erwiesenen Respekts durchaus freuen. Jeder Wasserträger bei der Tour weiß jetzt: Er kann etwas, was dieser Überfahrer für sich als zu hart erachtet. 

Für ein paar andere, die sich ebenfalls eher das Wasser bringen lassen als es selbst zu holen, hielt Pogacar aber eine kleine rhetorische Kopfnuss bereit. Als er gefragt wurde, ob er verstehen könne, dass manche seiner Rivalen nur noch um Platz zwei fahren würden und ob er nicht etwas Mitleid mit ihnen habe, weil er ihnen derart seinen Willen aufzwinge, reagierte er zunächst leicht irritiert. “Ich weiß nicht, wie ich darauf antworten soll“, setzte Pogacar an und fragte, von welchem Fahrer das eigentlich käme.

“Von Lipowitz“, meinte der Kollege. “Hm, nur für einen zweiten Platz zu fahren, finde ich schade. Ich denke, wenn du bei einer Grand Tour bist und ein starkes Team um dich hast, gibt es sehr viele Möglichkeiten. Du musst immer nach dem besten streben und auf den Sieg hoffen. Das jedenfalls ist meine Meinung“, so der 27-Jährige.

 

Nach seinen Diensten als Wasserträger durfte sich der Slowene auch in Belfort wieder das Gelbe Trikot überziehen. | Fo-to: Cor Vos

Natürlich lässt sich solch eine Meinung gut vertreten, wenn man über die Beine, das Herz und die Lunge eines Tadej Pogacar verfügt. Zu einem Champion gehört aber auch der Kopf. Und der Slowene ermutigt damit seine Konkurrenz, ebenfalls groß zu denken, groß zu planen und sich nicht mit dem Spatz in der Hand zufrieden zu geben. Belforts Pressesaal erlebte einen zugleich demütigen wie außerordentlich ambitionierten Gesamtführenden.

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