Healy: “Irgendwann wird es sich lohnen“

David gegen Goliath: EF wirft UAE den Fehdehandschuh hin

Von Christoph Matt

Foto zu dem Text "David gegen Goliath: EF wirft UAE den Fehdehandschuh hin"
Alle Bemühungen der Männer in Pink blieben an diesem Tag erfolglos. | Foto: Cor Vos

18.07.2026  |  Taktische Fehler kann man EF Education - EasyPost nach der 14. Etappe der Tour de France 2026 (2.UWT) nicht vorwerfen, Kritik an der Mannschaftsleistung wäre ebenfalls weit hergeholt – trotzdem ging das US-Team am Ende ziemlich leer aus.

Die Equipe um Georg Steinhauser hatte sich die schwere Vogesenetappe wohl dick angestrichen, immerhin investierten die Fahrer in Pink an diesem Tag viel. Gleich zu viert sprangen sie in die 34 Mann starke Fluchtgruppe des Tages, in der vor allem das Duo Richard Carapaz und Ben Healy die entscheidenden Akzente setzte.

Gut 120 Kilometer vor dem Ziel war es die amerikanische Mannschaft, die das Tempo an der Bergwertung der 1. Kategorie, dem Grand Ballon, verschärfte und die Ausreißergruppe auseinanderfuhr. Im Sprint um die Bergpunkte zog Carapaz gegenüber Valentin Paret-Peintre (Soudal – Quick-Step) aber den Kürzeren. Die Lücke, die durch den Sprint der beiden auf die Verfolger entstand, missfiel Carapaz ebenso. Clever signalisierte der Olympiasieger von 2021 seinem Mitausreißer, auf die drei Nachzügler, denen auch Teamkollege Healy angehörte, zu warten.

Das Quintett, in dem die Zwillinge Tobias Halland Johannessen und Anders Halland Johannessen (beide Uno-X Mobility) die zwei übrigen Rollen besetzten, fuhr schließlich gemeinsam bis in den Schlussanstieg 30 Kilometer vor dem Ziel.

"Wir wollten Druck auf UAE ausüben und einen Ausreiß-Großangriff starten. Wir hatten eine schöne Gruppe, haben gut zusammengearbeitet und bis zum Ende alles gegeben", bilanzierte Healy nach dem Rennen. Trotz aller Bemühungen und taktischer Finessen schien der Kampf David gegen Goliath an diesem Tag jedoch früh verloren.

Carapaz als Solist am Col du Haag chancenlos

Dass sich ausgerechnet der seit der vorigen Etappe Gesamtvierte Tom Pidcock unter die frühen Ausreißer gemischt hatte, war deren Glück sicher nicht zuträglich. Viel Vorsprung gestand das Feld der Fluchtgruppe auf jeden Fall nicht zu. Unabhängig von Pidcock könnte dies jedoch ebenso UAEs Stärke und Siegeshunger geschuldet sein.

Als sich Carapaz am letzten Anstieg schließlich von seinen Fluchtkollegen löste, betrug der Vorsprung zum Favoritenfeld schon nur noch rund eine Minute. Neun Kilometer vor dem Ziel bekam er zwar wieder Gesellschaft von Tobias Halland Johannessen, der Traum vom Etappensieg war zu diesem Zeitpunkt aber bereits fast ausgeträumt und nur einen Kilometer später platzte er endgültig: Das Duo wurde von den herannahenden Klassementfahrern geschluckt und verlor spätestens bei der unausweichlichen Attacke des späteren Siegers Tadej Pogacar den Anschluss an die Spitze des Rennens. Carapaz kam als Neunter ins Ziel.

Steinhauser: "Es hilft ja nichts, wir müssen es probieren"

“Es ist schwierig, ich weiß nicht, ob heute so viele erwartet haben, dass UAE wirklich den ganzen Tag kontrollieren kann. Sie haben es aber doch gemacht. UAE ist einfach brutal stark, aber es hilft ja nichts, wir müssen es trotzdem weiter probieren", resümierte Georg Steinhauser (EF Education - Easy Post) am Mikrofon der ARD. Für den Allgäuer lief die Tour bisher nicht nach Plan, doch langsam fühlt er sich besser.

Die vielen Zuschauer am Streckenrand aus der nicht so fernen Heimat waren der Form auf jeden Fall zuträglich: "Es war unglaublich mit den Fans. Die Tour lief bisher nicht so gut für mich. Dann vor den ganzen Leuten meine Arbeit für Ben und Richy zu zeigen, das hat sich sehr gut angefühlt. Der Scheidegger Fanclub stand hier oben in der letzten Kurve, das war ein besonderes Gefühl. Ich fühle mich von Tag zu Tag besser. Seit wir aus Spanien raus sind, lief bei mir aber nicht viel zusammen. Jetzt ist es besser und wir schauen mal, was sich noch so ergibt."

Healy kündigt für Sonntag bereits nächste Attacke an

Trotz der Niederlage bleibt die Moral in der Mannschaft also intakt. "Wir schmeißen den Fehdehandschuh immer wieder hin. Irgendwann wird es sich lohnen", kündigte Healy bereits die nächste Attacke an. "Morgen gibt es wieder einen schönen Tag für uns. Der ist für UAE vielleicht etwas leichter zu kontrollieren als heute, aber wir werden wieder etwas probieren."

Eine Waffenruhe wird es von der Mannschaft rund um Teamchef Jonathan Vaughters also noch nicht geben – auch wenn es im ungleichen Duell der kleineren Mannschaften gegen das Über-Team von UAE sowieso "nur" noch um einen Tagessieg geht.

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