Tour-Debütant clever auf 14. Tour-Etappe

Seixas erklärt, warum er nicht mit Lipowitz attackierte

Von Joachim Logisch aus Le Markstein

Foto zu dem Text "Seixas erklärt, warum er nicht mit Lipowitz attackierte"
Paul Seixas (Decathlon - CMA CGM) auf dem Podium im Weißen Trikot. | Foto: Cor Vos

19.07.2026  |  (rsn) - Als Tadej Pogacar (UAE – Emirates -XRG) im letzten Anstieg zum Col du Haag für einen kleinen Moment unschlüssig wirkte und sich nach seinem Edelhelfer Isaac Del Toro umschaute, der am Ende der Favoritengruppe fuhr, sah Florian Lipowitz (Red Bull – Bora – hansgrohe) seine Chance gekommen. Der gebürtige Laichinger trat kurz entschlossen an und legte ein paar Meter zwischen sich und den Rest.

Nur Paul Seixas (Decathlon - CMA CGM) hatte aufgepasst und war ihm gefolgt. Warum beide nicht weiter attackierten, erklärte Seixas später in der Mixed Zone der 14. Etappe der Tour de France: "Ich wollte mir meine Kräfte einteilen. Vielleicht sind wir auch unterschiedliche Klettertypen. Ich habe mich mehr zurückgehalten, vielleicht hat er am Anfang direkt alles gegeben und dann eventuell seine Körner verbrannt? Ich weiß es ehrlich gesagt nicht, was er da gemacht hat."

Da das 19-jährige Riesentalent nicht mithalf, stellte der Deutsche seinen Angriff wieder ein. Seixas wiederum schonte seine Kräfte für die letzten Kilometer, ehe er sich Rang drei sicherte und Lipowitz zwölf Sekunden abnahm. Das freute den neuen Mann im Weißen Trikot des besten Jungprofis: "So konnte ich etwas Zeit auf ihn herausholen. Er ist ein wirklich starker Fahrer, von daher ist das ein super Ergebnis für mich", so Seixas

Der Gewinner des Baskenland-Rundfahrt (2.UWT) schwebte in Le Markstein auf Wolke sieben. "Natürlich träumt man immer davon, aber das ist gerade ein Traum, den ich lebe, und im Moment ist es einfach verrückt. Ich habe mich ehrlich gesagt großartig gefühlt, deshalb freue ich mich schon sehr auf morgen. Wir werden sehen, was passiert", sagte der Franzose mit Blick auf die erste Alpenetappe dieser Tour.

Seixas vergaß natürlich auch nicht den Dank an sein Team, das ihn "perfekt platziert" habe. Dabei übernahm Decathlon auch einiges an Nachführarbeit, was an solchen Tagen eigentlich die Aufgabe des Teams um den Mann in Gelb ist. Doch am Col du Haag waren es vor allem Tiesj Benoot und anschließend Nicolas Prodhomme, die die Favoritengruppe den Berg hinaufzogen.

Col du Haag eher Seixas- als Lipowitz-Berg

"Offensichtlich spielt das, was wir tun, auch Pogacar in die Karten, aber wir fahren hier, um für uns die beste Platzierung im Gesamtklassement herauszuholen", erklärte Routinier Benoot bei Eurosport und fügte an: "Es ist schön, dass wir nicht drei Wochen lang nur UAE hinterherfahren müssen!"

Der Belgier ordnete auch die Leistung seines Kapitäns ein: "Ich denke, heute war ein Tag, an dem Paul sich gut gefühlt hat. Diese, sagen wir mal, mittelschweren Bergetappen liegen ihm", so Benoot Tatsächlich war der etwas unrhythmische Col du Haag wie gemacht für Seixas und lag Lipowitz weniger – für den es nach der eigenen Tempoverschärfung offensichtlich schwer wurde.

Dem Deutschen kann im Duell mit dem französischen Wunderkind Mut machen, dass nun die Alpen mit ihren langen, gleichmäßigen Anstiegen warten. Da kann Lipowitz seine Talente besser ausspielen.

RADRENNEN HEUTE

    WorldTour

  • Tour de France (2.UWT, FRA)
  • Radrennen Männer

  • Giro della Valle d`Aosta (2.2u, ITA)
  • Visegrad 4 Grand Prix Poland (1.2, POL)