RSNplus“Niemand will für die Andere arbeiten“

Analyse: Tag der ungenutzten Chancen für Vos und GC-Asse

Von Felix Mattis aus Poligny

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Kim Le Court-Pienaar (AG Insurance - Soudal, vorne) und Katarzyna Niewiadoma (Canyon - SRAM, dahinter) sprengten am letzten Berg des Tages das Favoritenfeld, konnten daraus aber kein Kapital schlagen. | Foto: Cor Vos

03.08.2026  |  (rsn) – Das 88-Kilometer-Solo von Sigrid Haugset (Uno-X Mobility) ins Gelbe Trikot und die knapp gescheiterte Verfolgungsjagd von Lotte Kopecky (SD Worx – Protime) waren die großen, offensichtlichen Geschichten der 3. Etappe bei der Tour de France Femmes 2026 (2.WWT) von Genf über die Grenze nach Frakreich und durchs Jura nach Poligny.

Doch beim genaueren Blick auf das Renngeschehen konnte man feststellen, dass die Belgierin nicht die Einzige war, die am Montagabend enttäuscht sein musste – während einige andere wiederum zwar auch nicht gewannen, trotzdem aber von Glück reden konnten.

Denn die 156,5 Kilometer lange Etappe war einerseits die große Chance für Marianne Vos (Visma – Lease a Bike) auf einen Tagessieg, da mit Lorena Wiebes (SD Worx – Protime) und Elisa Balsamo (Lidl – Trek) die beiden wohl stärksten Sprinterinnen früh abgehängt waren und nach dem 11,6 Kilometer langen Col de la Faucille (1. Kat.) auch nicht mehr zurückkamen. Andererseits hatte auch Kim Le Court (AG Insurance – Soudal) sowohl vom Tagessieg als auch vom Gelben Trikot geträumt. ___STEADY_PAYWALL___

Und vor allem verpassten einige Gesamtwertungs-Kandidatinnen im Finale die Chance, sowohl Vuelta-Siegerin Paula Blasi (UAE Team L'Imad) und ihrer Teamkollegin Dominika Wlodarczyk, immerhin Vorjahresvierte, als auch Anna van der Breggen (SD Worx – Protime) oder dem Lidl-Trek-Duo Niamh Fisher-Black und Isabella Holmgren einige Zeit einzuschenken.

FDJ sah Verantwortung bei Visma und Soudal

"Fahrerinnen wie Le Court und Vos hätten hier um den Sieg fahren können, besonders ohne Wiebes. Deshalb hatte ich erwartet, dass ihre Teams etwas mehr verfolgen. Aber niemand will für die andere arbeiten und so kommen wir bei drei Minuten an", bedauerte Nicolas Maire, Sportlicher Leiter beim FDJ-Team von Demi Vollering, dass die ausgerissenen Haugset und Kopecky so weit weggelassen wurden und schob also den Teams Visma – Lease a Bike und AG Insurance – Soudal die Verantwortung zu.

Das Gruppetto um Lorena Wiebes (SD Worx – Protime) kam mit 20 Minuten Rückstand in Poligny an. | Foto: Cor Vos

Tatsächlich schien es kaum verständlich, dass das nach den anfänglichen Anstiegen im Jura doch noch recht große Feld zeitweise verblüffend langsam fuhr und den beiden entwischten Solistinnen so die Chance schenkte, den Tagessieg unter sich auszumachen.

"Wir haben da etwas gezockt am Anfang, und wohl etwas zu sehr", gab Le Court im Gespräch mit radsport-news.com nach der Etappe zu, erklärte aber auch, dass ihr Team nach anfänglicher Führungsarbeit später nicht mehr stark genug vertrete war. Die 30-Jährige aus Mauritius verblüffte auch mit der Aussage, dass sie gar nicht wusste, wie groß der Abstand zwischenzeitlich war und dass Haugset bis zu fünf Minuten Vorsprung hatte.

Neunergruppe nach letztem Berg mit guten Karten

Doch das war nur das Thema Tagessieg, und vermutlich fuhr beispielsweise Visma nicht mit letzter Konsequenz auf dieses Ziel für Vos, weil man nicht sicher war, ob die Niederländerin die zweigeteilte und stellenweise sehr steile Cote de Chaux-Champagny (1,9 km bei 5,6%) rund 25 Kilometer vor Schluss mit den Besten überstehen würde – was sich schließlich auch bestätigte, als Vos dort abgehängt wurde. Der Fokus der Gelb-Schwarzen lag wohl eher darauf, Titelverteidigerin Pauline Ferrand-Prévot zu beschützen.

War zu Etappenbeginn gestürzt und sicher auch deshalb im Ziel nicht ganz glücklich: Demi Vollering (SD Worx – Protime). | Foto: Cor Vos

Als aber nach dieser Rampe - an deren Ende erst ein Kategorie-4-Bergpreis und kurz darauf auch noch der Bonus-Sprint wartete, an dem sich Le Court als Dritte hinter Haugset und Kopecky noch zwei Sekunden sicherte – nur noch neun Fahrerinnen vorne beisammen waren, lagen eben jene Ferrand-Prévot und Helferin Femke De Vries gemeinsam mit dem Canyon-SRAM-Duo Katarzyna Niewiadoma und Antonia Niedermaier sowie Vollering, Elisa Longo Borghini (UAE Team L'Imad), Marlen Reusser (Movistar) und Puck Pieterse (Fenix – Premier Tech) 25 Sekunden vor einer zweiten Gruppe mit Blasi und Wlodarczyk sowie über eine halbe Minute vor van der Breggen.

Der Etappensieg war zu diesem Zeitpunkt kein Thema mehr, doch der Kampf um die Gesamtwertung hätte entbrennen können, wenn die Neunergruppe voll durchgezogen hätte. Das aber geschah nicht. "Die Kooperation war nicht so gut – aber naja, ich respektiere alle Teams für ihre eigene Art, Rennen zu fahren", zeigte sich Le Court gegenüber RSN diesbezüglich enttäuscht, ohne aber mit dem Finger auf andere zeigen zu wollen.

Gruppen um Blasi und van der Breggen profitieren von Uneinigkeit

Und ähnlich sah das auch bei Canyon – SRAM aus: "Es ist schade, dass die Gruppe nicht so richtig zusammengearbeitet hat. Wir hatten Toni Niedermaier da und Kasia Niewiadoma-Phinney). Aber es fehlte Anna van der Breggen. Es fehlte Paula Blasi. Es fehlten noch zwei oder drei. Es wäre schön gewesen, die heute auf eine Minute zu setzen", bilanzierte deren Sportlicher Leiter Rolf Aldag gegenüber der ARD, ebenfalls ohne Verantwortliche zu suchen.

Anna van der Breggen (SD Worx – Protime) hatte im Jura offensichtlich nicht den besten Tag, konnte einen Zeitverlust aber verhindern. | Foto: Cor Vos

Und das war genau der Punkt: Weil sich keine Verantwortlichen fanden, beziehungsweise nicht alle mitarbeiteten, kam die Blasi-Gruppe rund 13 Kilometer vor dem Ziel wieder heran, und weil dann erst recht kein Tempo aufgenommen wurde und der Abstand zur Rennspitze nochmal von 2:15 auf 2:45 Minuten anwuchs, war zwei weitere Kilometer später auch van der Breggen zurück.

Beide konnten am Ende von Glück reden, dass ihre Schwäche an der Cote de Chaux-Champagny folgenlos blieb. Und viele andere mussten sich fragen, warum sie einerseits so viel investiert hatten, um Wiebes und Balsamo zu Etappenbeginn zu distanzieren, wenn sie dann doch zwei Solistinnen ziehen lassen – und vor allem, warum sie am letzten Anstieg Vollgas geben, wenn sie den Effekt davon dann doch nicht nutzen wollen.

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