Race Across America: “Let’s Talk about Six...“

Christoph Strasser: Vollzeit-Job “Weitradlfoarer“

Von Peter Maurer

Foto zu dem Text "Christoph Strasser: Vollzeit-Job “Weitradlfoarer“ "
Christoph Strasser am Weg zum sechsten Sieg beim Race Across America | Foto: Lex Karelly

19.06.2019  |  (rsn) - Auch wenn er ein einsames Rennen an der Spitze des Race Across America fährt, ist Christoph Strasser nie alleine. Knapp 5000 Kilometer sind es, die er bei der Kontinental-Durchquerung vom Pazifischen zum Atlantischen Ozean zurücklegt. Mittwoch Nacht wird er in Annapolis in Maryland im Ziel erwartet. Seit Beginn vor acht Tagen in Oceanside in Kalifornien führt Strasser überlegen, er wird das Extrem-Radrennen wohl zum sechsten Mal gewinnen.

Damit wäre er alleiniger Rekordhalter. Trotzdem wird der Zuspruch,
den er an den Docks in Maryland erfährt, wieder nur mäßig sein - wie bereits am Dienstag, als der "Christoph Strasser Day" abgehalten wurde, ein Tag, der sich seit mittlerweile fünf Jahren offiziell in der Stadtverordnung findet. Damals erreichte Strasser nach 7 Tagen 15 Stunden und 56 Minuten das Ziel des wohl härtesten Radrennens der Welt - eine Zeit, die der Rekordjäger aus der Alpenrepublik seitdem selbst nicht mehr verbessern konnte.

Ein Grund dafür ist die veränderte Strecke, die nun um über 100 Kilometer länger ist als damals. Dieses Jahr ist es aber nicht nur die Länge, es ist auch das Wetter, das dem Steirer zu schaffen macht. Tagelang kämpfte er im Starkregen, der zum Schlafmangel und der Ermüdung auf der sowieso strapaziösen Fahrt beiträgt. Unterstützung vor Ort bekommt er von seiner zwölfköpfigen Betreuer-Crew, die sich im Zwölf-Stunden-Rhythmus abwechselt und Strasser in Richtung Ziel pusht. Auch sie wissen: Je früher das Ziel erreicht ist, desto früher enden die Strapazen.

Die Schmerzen werden aber auch aus
Österreich gemildert. Dank moderner Kommunikationsmittel wie Facebook, WhatsApp oder klassisch dem Mobil-Telefon gelangen Motivationsgrüße aus der Heimat ein und lassen die tristen Weiten der amerikanischen Landschaft für kurze Zeit vergessen. Seit Tagen fiebern Tausende Fans mit dem Steirer und peitschen ihn immer näher nach Annapolis, zum nächsten Erfolg. 5000 Kilometer nonstop mit dem Rennrad, schier unglaublich, aber es ist auch schon die neunte Kontinental-Durchquerung des 36-Jährigen.

Routine kommt aber bei Strassers amerikanischen Abenteuern nicht auf. Spätestens wenn er sich zur direkten Vorbereitung nach Borrego Springs begibt, dann beginnen das Kribbeln und die Nervosität beim Steirer jedes Jahr von neuem. Wie seine Betreuer-Crew nimmt er das Rennen nie auf die leichte Schulter, akribisch beginnt die Planung für jedes RAAM schon im November.

Bis zu sieben Stunden täglich am Ergometer
bereitet sich Strasser vor, wenn das Wetter in Österreich nicht passt. Mit Zeichentrick-Serien oder TV-Sport überbrückt er die wohl langweiligsten, aber wichtigsten Stunden seiner Vorbereitung. In dieser Zeit ist er selbst Herr der Lage über das Projekt. Aber spätestens am Starttag überträgt der Steirer diese Aufgabe komplett seinem Team-Chef Michael Kogler, seines Zeichen Lieblings-Cousin und absoluter Vertrauter. Denn ab der Startlinie gelten für den Österreicher nur mehr zwei Prioritäten: Links und rechts kräftig kurbeln.

Schon in der Schule malte Strasser ein Bild von Wolfgang Fasching. Die Aufgabe war, sein Idol zu zeichnen. Für Strasser war dies Fasching, der damals drei Mal das härteste Radrennen der Welt gewinnen konnte. An Siegen und Teilnahmen hat er seinen Extremsport-Mentor bereits überflügelt, und mit seinen Motivationsvorträgen hat Strasser neue Maßstäbe gesetzt. Der Ultrasport und vor allem der Mensch dahinter sorgen für Interesse. Karten für einen Vortrag des Steirers sollte man sich früh sichern...

Jedes Jahr das bestmögliche Rennen abliefern,
das ist der große Antrieb von Christoph Strasser. Er will sich jedes RAAM vom Neuen an verausgaben, das Maximale leisten - denn der Österreicher glaubt nicht, dass man die 5000 Kilometer schonend absolvieren kann. Das Leid am Rennrad wird laut Strasser nicht durch die Geschwindigkeit erhöht, sondern über die Dauer. Und da hat er zumeist ein bis zwei Tage weniger im Sattel als sein nächster Konkurrent.

Die Frage nach dem Sinn des Rennens stellte sich Strasser nur bei seinen ersten Teilnahmen. Mittlerweile, so sagt er, habe sich das RAAM perfekt in seinen Kopf eingebrannt und er weiß, welchen Stellenwert er diesen Erfolgen verdankt. Immerhin kann er seinen Sport nun als Profi ausführen.

Seine Sponsoren decken die Ausgaben,
seinen Haushalt finanziert er mit Vorträgen und einem eigenen Online-Shop, den er mit seiner Lebensgefährtin Sabine führt. Dadurch braucht er sich die Sinnfrage nicht mehr stellen - das härteste Radrennen der Welt ist für Strasser Arbeitszeit. Das „Weitradlfoan“, also die weite Reise mit dem Rad, ist für Christoph alles andere als ein Abenteuer-Trip. Vielmehr geht er auf gut steirisch „Schepfn“, also arbeiten...

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