Zweiter der 3. Schweiz-Etappe

Meurisse vermisste bei Narvaez den Windschatten

Von Paul Grosch

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Xandro Meurisse (rechts) und Jhonathan Narvaez arbeiteten auf der 3. Etappe der Tour de Suisse perfekt zusammen. | Foto: Cor Vos

19.06.2026  |  (rsn) – Das Team Pinarello – Q36.5 erlebt bisher ein erfolgreiches Heimrennen. Auch auf der 3. Etappe der Tour de Suisse (2. UWT) landete die Mannschaft mit Xandro Meurisse als Zweiter auf dem Tagespodest. Das ist der zweite 2. Platz der Mannschaft in ebenso vielen Tagen. Meurisse gab später zu, dass die Niederlage im Sprint gegen den Tagessieger Jhonatan NarvaezTagessieger Jhonatan Narvaez (UAE – Emirates – XRG) abzusehen war.

Nach dem kurzfristigen Ausfall von Thomas Pidcock vor dem Rennen blieb das Team mit dem Sitz in Zürich auf dem schweren ersten Tagesabschnitt noch ohne nennenswerte Ergebnisse. Auf der 2. Etappe schafften es dann drei Fahrer in die Gruppe des Tages. Marcel Camprubí wurde am Ende im Sprint der Ausreißer Tageszweiter. Auch am Freitag zeigte sich Pinarello – Q36.5 mit Meurisse wieder aktiv, der Etappensieg in der Heimat ließ jedoch weiterhin auf sich warten.

Niederlage mit Anlauf

Deshalb bewertet der Belgier den Tag im Interview auch zwiespältig. “Ich denke, heute muss ich enttäuscht sein, kann aber auch glücklich sein“, sagte Meurisse bei Eurosport. “Für uns als Schweizer Team ist es schön, mit den zwei 2. Plätzen gestern und heute. Es wäre natürlich noch schöner gewesen mit einem Sieg stattdessen. Aber wir müssen am Ende positiv auf diese beiden Tage blicken.“

Seine Zufriedenheit trotz des verpassten Sieges erklärte er so: “Dieser Typ ist so aerodynamisch, dass ich mich nicht mal am Hinterrad von ihm erholen konnte“, sagte er etwas ungläubig, aber mit einem Lachen über Narvaez und meinte damit, dass der kleine, 1,74 m große Ecuadorianer, ihm (1,81 m) keinen richtigen Windschatten bieten konnte. Das machte ihm den Tag zwar anstrengender, aber auch unter optimalen Bedingungen hätte Meurisse wohl kaum eine Chance gegen den sprintstarken Narvaez gehabt, zumal der selbst von einem scharfen Gegenwind vor allem im Finale sprach.

Meurisse ist zwar nur sieben Zentimeter größer als sein Begleiter, doch dieser hatte bereits mit vielen Kilometern als Ausreißer beim Giro d’Italia gezeigt, wie tempohart er auch auf langen Distanzen ist. “Er ist so schnell. Er hat bereits beim Giro seine Form gezeigt“, sagte Meurisse.

“Wer nicht daran glaubt, soll besser ins Hauptfeld zurück“

Er selbst hingegen sieht sich noch nicht auf seinem Toplevel. “Ich komme gerade direkt vom Höhentrainingslager hierher. Deswegen suche ich noch ein bisschen nach meiner Form“, erzählte der Belgier. Trotzdem versuchte Meurisse keine Taktikspiele: “Am Ende haben wir bis zum Ziel alles gegeben, ohne zu viel an das Ergebnis zu denken.“

Während der Etappe lief die Zusammenarbeit des Führungsduos reibungslos. “Wir haben nicht miteinander gesprochen und sind einfach Vollgas gefahren“, sagte Meurisse. “Ich glaube, keiner von uns hat einmal die Führung verweigert.“ Und dass, obwohl Narvaez durch seine Aerodynamik und Sprintstärke alle Vorteile hatte.

Meurisse klärte im Interview auf. “Man muss immer daran glauben. So ist der Radsport. Wer nicht daran glaubt, sollte sich besser ins Hauptfeld zurückfallen lassen“, sagte er lachend, nachdem er im Rennen genau das Gegenteil davon gemacht hatte. Fast 100 Kilometer waren Meurisse und Narvaez allein vorne.

Narvaez zollt Meurisse Respekt

Die Aussagen des Ecuadorianers nach der Etappe stimmten mit denen des Belgiers überein. “Wir sind beide Vollgas gefahren. Wir sind wirklich gut gefahren, vor allem im Finale“, sagte Narvaez. “Man darf niemals jemanden unterschätzen. Jeder ist hier, um zu gewinnen. Jeder leidet im Höhentrainingslager. Deshalb sind alle gut vorbereitet.“

Narvaez selbst hatte Respekt vor Meurisse, auch im Sprint. “Ich bin ein schneller Fahrer, aber er ist ein Belgier“, sagte er lachend. Der eigentlich als Helfer eingeplante Narvaez hatte von Tadej Pogacar höchstpersönlich die Erlaubnis erhalten, sich in der Ausreißergruppe zu versuchen.

Und er gab dann alles dafür. “Wir waren sieben Fahrer in der Gruppe. Ehrlicherweise ist Jhonatan so schnell in der Abfahrt gefahren, dass wir vor dem zweiten langen Anstieg nur noch zu dritt waren, zusammen mit Kwiatkowski“, erzählte Meurisse. “Aber wir waren am Ende auch stark genug zu zweit. Den Respekt zwischen dem Ausreißer-Duo zeigte eine Umarmung der beiden noch auf dem Rad nach der Zieleinfahrt.

Plan des Teams geht zweimal fast auf

So ging der Plan von Pinarello – Q36.5 zwei Tage hintereinander fast perfekt auf. Auch Fred Wright, der Sprinter der Schweizer, zeigte sich schon vor der 3. Etappe mit der bisherigen Teamleistung zufrieden. “Schon gestern waren wir gut unterwegs und hatten drei Fahrer in der Gruppe. Wir waren sehr zufrieden mit dem Rennverlauf.“

Auch am Freitag wollte die Mannschaft ein Ergebnis erzielen, was Meurisse schließlich gelang. “Mein Ziel ist es, auf den Sprint eines reduzierten Hauptfelds zu setzen“, legte Wright die Taktik vor dem Rennen dar. “Aber ich habe den Jungs auch gesagt, dass es eine gute Chance für die Ausreißergruppe ist. Wir wollen etwas erreichen.“ Meurisse hat seinen Worten Taten folgen lassen.

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