Strikt und anderer Meinung? Ja. Angstkultur? Nein.

Nicht nur Schwarz und Weiß: Van Dijk zur Kritik an Picnic-Führung

Von Felix Mattis

Foto zu dem Text "Nicht nur Schwarz und Weiß: Van Dijk zur Kritik an Picnic-Führung"
Ellen van Dijk fuhr 2017 und 2018 für Sunweb, das heutige Team Picnic - PostNL. | Foto: Cor Vos

06.11.2026  |  (rsn) – Ellen van Dijk war Ende 2018, drei Jahre nach dem Abgang von Marcel Kittel, noch immer eine der ersten prominenten Fahrerinnen, die sich vom damaligen Team Sunweb, dem heutigen Team Picnic – PostNL, vorzeitig verabschiedete und um deren Abgang anschließend öffentlich wurde, dass dieser vor allem aufgrund von Meinungsverschiedenheiten mit der Teamführung zustande gekommen ist.

Mit cyclingnews.com hat die Niederländerin nun aufgrund der zuletzt aufgetauchten Anschuldigungen gegen die Teamleitung um Team-Manager Iwan Spekenbrink und Sportchef Rudi Kemna gesprochen. Sie waren durch eine Recherche des niederländischen Senders NOS und des Podcasts In de Waaier aufgrund von 71 Interviews mit aktuellen und ehemaligen Team-Mitgliedern größtenteils anonym beschuldigt worden, über viele Jahre eine 'Angstkultur' im Team geschürt zu haben. Kemna war wenige Tage danach bei Arbeiten an seinem Haus vom Dach gestürzt und verletzte sich schwer.

Van Dijk erklärte nun, dass sie in ihren zwei Jahren bei Sunweb (2017 und 2018) zwar nicht mit der Arbeitsweise im Team klargekommen sei, von einer 'Angstkultur' aber auch nichts gespürt habe.

"Sie haben eine klare Meinung davon, wie man mit Fahrern und Fahrerinnen arbeitet und glauben wirklich an ihren Ansatz. Für sie ist das der einzige Weg", sagte die 39-Jährige, betonte aber auch:

"Es wurde viel über eine Angstkultur geschrieben, und das habe ich so nie erlebt. Das Management wollte, dass man auf sie hört, aber ich hatte nie Angst vor ihnen. Ich meine, wenn ich etwas wollte, habe ich es gesagt. Vielleicht macht man andere Erfahrungen, wenn man jünger ist. Ich habe aber einfach nie diese Ängste erlebt, von denen geschrieben wird und für mich ist das ein wichtiger Punkt. Vielleicht haben einige Leute das so erlebt, ich aber nicht."

"Manchmal tut es weh und manchmal denkst Du: Egal!"

Van Dijk erklärte weiter, dass sie durchaus "einige Diskussionen mit dem Management" gehabt habe und deren Arbeitsweise "nicht immer" zu ihrer gepasst habe. Gleichzeitig aber sei Spitzensport auf höchstem Level eben hart und es sei auch eine Frage des Charakters, wie man dabei mit Dingen umgehen kann.

"Ich wusste in gewisser Weise auch schon, als ich dort unterschrieben habe, dass sie so sind, aber es war dann doch etwas mehr, als ich erwartet hatte und, ja, es war kein perfekter Match. Aber Spitzensport, auf dem höchsten Level zu sein, das ist wirklich hart und man braucht einen besonderen Charakter dafür. Ich denke in diesem Team, sagen wir es so, fühlen sich die Charaktere, die weniger für den Profi-Radsport geeignet sind, etwas leichter angegriffen", führte van Dijk aus.

"Ich denke es ist Teil des Jobs und bei hoher Intensität, den größten Emotionen, sagen Leute manchmal Dinge, die nicht okay sind. Und dann kommt es darauf an, wie empfindlich du in diesem Moment bist. Manchmal tut es wirklich weh und manchmal denkst Du: 'Ist mir egal!' Es ist sicher ein schwieriges Thema", so die Niederländerin.

Sorgten große Erfolge 2017 für noch striktere Art?

"Ich denke sie waren wirklich gut für junge Fahrer und Fahrerinnen, um sie zu entwickeln und zu führen. Ich selbst habe ihrer Arbeitsweise nicht zugestimmt, aber deshalb bin ich dann auch gegangen – und vielleicht hatte ich auch eine etwas einfachere Position, weil ich schon meinen Platz (im Peloton, Anm. d. Red.) hatte. Das ist definitiv leichter, als wenn du jung bist und um diesen Platz noch kämpfst."

In der Zeit, als van Dijk für das Team Sunweb fuhr, hatte das Team große Erfolge. Beispielsweise gewann man 2017 den Giro d'Italia mit Tom Dumoulin und das Grüne Trikot bei der Tour de France mit Michael Matthews. Auch die Frauen-Mannschaft war damals sehr erfolgreich und beide Teams gewannen Ende 2017 den WM-Titel im Mannschaftszeitfahren im norwegischen Bergen.

"Das war überraschend und ich würde nicht sagen, dass das konkret aufgrund der Teamstruktur geschehen ist. Da sind einfach viele Dinge zusammengekommen. Aber sie bekamen die Bestätigung, dass ihre Arbeitsweise gut funktioniert und von allem was ich gehört habe, wurde es in den Jahren danach nur noch strikter, weil sie immer mehr daran geglaubt haben", so van Dijk.

Wie so oft im Leben, das wird aus den Aussagen der Ende 2025 zurückgetretenen, dreifachen Zeitfahr-Weltmeisterin deutlich, ist wohl nicht alles Schwarz oder Weiß, was es zur Picnic-Teamleitung Spekenbrink und Kemna zu sagen gibt. Das Team jedenfalls hat nach den Anschuldigungen eine niederländische Sportjuristin beauftragt, eine unabhängige Kommission aufzustellen, um die Lage in und um den Rennstall zu untersuchen.

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